Heimatforscher zweifelt

Gar nicht bei der Schlacht dabei? Mühldorfer Heimatbund kratzt am Ampfinger Ritter Schweppermann

Eine Graffiti bei der Bahnunterführung  in Ampfing widmet sich dem Ritter.
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Eine Graffiti bei der Bahnunterführung in Ampfing widmet sich dem Ritter.
  • Robert Wagner
    vonRobert Wagner
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Im Jahr 2022 wird es ein großes Schauspiel zum 700. Jahrestag der Schlacht bei Ampfing geben. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Und ausgerechnet jetzt kratzt der Mühldorfer Heimatbund im neuen „Mühlrad“ an einem Ampfinger Mythos. War der legendäre Ritter Schweppermann womöglich gar nicht bei der Schlacht dabei?

Ampfing – Ampfing ist seit jeher eng verbunden mit der Sage vom Ritter Seyfried Schweppermann. Das spiegelt sich im Ortsbild vielfach wider. Da gibt es die Schweppermannstraße, einen Reitverein, der nach dem Ritter benannt ist, ein als „Schweppermann Radkriterium“ bezeichnetes Rennen und sogar die Fußballer des TSV Ampfing heißen landauf, landab die „Schweppermänner“.

Zwischen Realität und Verklärung

Und plötzlich soll dem Mythos seine Grundlage, die Schlacht im Jahr 1322, entzogen werden? Geschichtsforscher schreiben nämlich im neuen „Mühlrad“ den Auftritt des „braven Schweppermann“ der Schlacht bei Gammelsdorf im Jahr 1313 zu. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sei hier eine Umdeutung nach Mühldorf zur Schlacht auf dem „freien Feld bei Ampfing“ im Jahr 1322 erfolgt.

Geschichte bald von Mythen überlagert

Der Autor des Artikels, Bernhard Lübbers, bezeichnet den Mythos Schweppermann in seiner Überschrift als einen „Bayrischen Erinnerungsort zwischen Realität und Verklärung“, wobei der Wortbestandteil „Ort“ hier ausdrücklich als feststehendes Bild und nicht nur im räumlichen Sinne zu verstehen sei.

Die Statue des braven Schweppermann steht vor der Mittelschule in Ampfing

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In Bezug auf die Schlacht von Mühldorf im Jahr 1322 schreibt Lübbers weiter, dass diese schon bald von Mythen überlagert worden sei und Legenden entstanden seien. Eine davon sei die von Seyfried Schweppermann, dem der siegreiche Wittelsbacher Ludwig als Lohn für seine Verdienste in der Schlacht zwei Eier zukommen ließ. Daher auch der Spruch: „Jedem Mann ein Ei, dem braven Schweppermann gebt zwei.“

1322 für eine Feldschlacht schon zu alt?

Wo dann dieser Spruch seinen Ursprung hatte und ob dies bei der Schlacht von Mühldorf war, stellt der Autor infrage. Mit großer Wahrscheinlichkeit habe es sich dabei um die Schlacht von Gammelsdorf im Jahr 1313 gehandelt, an der der Ritter teilnahm. Lübbers bezieht sich dabei auf zeitgenössische Quellen. Für Schweppermanns Auftritt bei der Schlacht von Mühldorf und Ampfing gibt es keinen Beleg. 1322 sei dieser schon zu alt für eine Feldschlacht gewesen. Doch auch dies sei spekulativ.

Legendenbildung auf 14 Seiten nachgezeichnet

Insgesamt über 14 Seiten skizziert Lübbers die Entwicklung des Mythos Schweppermann, unterlegt mit zahlreichen Textquellen. Alles in allem eine fundierte Aufarbeitung der Geschichte, die jedoch nichts daran ändert, dass Ampfing den Mythos Schweppermann hegt und pflegt. Die Gemeinde identifiziert sich regelrecht mit „ihrem Schweppermann“ und hält den Mythos am Leben. Davon zeugen zahlreiche Bilder und sogar eine Statue, die mittlerweile vor der Mittelschule steht, oder etwa die Graffiti an der Bahnunterführung, wo der Mythos mit modernen Mitteln stilisiert wird.

Ampfing bleibt Schweppermann-Ort

Ampfing bleibt „Schweppermann-Ort“, da kann niemand etwas daran ändern – und es will auch niemand daran rütteln, nicht einmal der Verfasser des Artikels im Mühlrad. Für Bürgermeister Josef Grundner steht die Bedeutung des Ritters für Ampfing ohnehin außer Frage.

Für kommunale und kulturelle Verdienste gibt es

Und wer sich in Ampfing besondere kommunale oder kulturelle Verdienste erworben hat, wird von der Gemeinde mit einem Schweppermann geehrt. So heißt eine nummerierte Bronzeplastik des Künstlers Wilhelm Zimmer.

Mag schon sein, dass die Anwesenheit des Feldherrn Seyfried Schweppermann bei der Schlacht um die Kaiserkrone ebenso wenig hinreichend bewiesen ist, wie der genaue Austragungsort. Aber es sei eben auch „nicht hinreichend bewiesen“, dass Schweppermann nicht da war, so Grundner.

So sicher wie der Sieg über die Österreicher

Eins steht aber fest: „Die Menschen in Ampfing wachsen seit jeher mit dem Schweppermann-Mythos auf“, so Grundner: „Und seit jeher pflegen wir dieses Wissen. Und das wird auch in Zukunft so sein. Das ist so sicher wie der Sieg über die Österreicher 1322.“ Allein die Begeisterung in der gesamten Gemeinde im Hinblick auf das große Freilicht-Schauspiel, zeige dies mehr als eindrucksvoll. „Der Mythos lebt!“

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