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Zwischen Elster, Erklärvideos und Bayernatlas

Wie schlimm ist die Grundsteuer-Erklärung? Ein Selbstversuch

Die „Grundsteuererklärung“ sollten die meisten Eigentümer dank hilfreicher Broschüren oder dem selbst erklärenden Elster-Portal noch bis Ende Oktober selbst erledigen können. Die wichtigsten Infos finden Leser hier.
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Die „Grundsteuererklärung“ sollten die meisten Eigentümer dank hilfreicher Broschüren oder dem selbst erklärenden Elster-Portal noch bis Ende Oktober selbst erledigen können. Die wichtigsten Infos finden Leser hier.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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  • Peter Becker
    Peter Becker
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Sie ist gefürchtet und vielfach kritisiert: Die neue Grundsteuererklärung. Ein Selbstversuch zeigt, wie viel Aufwand nötig ist, die Formulare auszufüllen.

Mühldorf – Weil erst 20 Prozent aller Deutschen die neue Grundsteuererklärung bei ihrem Finanzamt abgeliefert hat, hat die Bundesregierung die Frist dafür verlängert.

Bis Ende Januar müssen Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzer beim Finanzamt ihre Objekte melden. Mit diesen Daten soll ab 2025 die Grundsteuer gerechter erhoben werden. Im Landkreis Mühldorf sind 55.000 Liegenschaften betroffen, deren Daten aktualisiert werden müssen.

Herzlich willkommen, lieber Steuerbürger

Das sollte jeder über Elster tun, dem elektronischen Portal für Steuererklärungen. Allerdings, das betont Marius Baderschneider, der das Mühldorfer Finanzamt leitet, ist die Erklärung auch in Papierform möglich.

Wer Elster nutzen will, muss sich bei dem Internetportal anmelden. Das dauert ein paar Tage, denn wichtige Daten und Passwörter schickt das Finanzamt per Post zu.

Und dann? Ist die Grundsteuererklärung tatsächlich ein Hexenwerk, wie viele Kritiker glauben? Da hilft nur der Selbstversuch. Vorweg einschränkend gesagt: Zu mehr als einem eigenen Haus hat es beim Autor nicht gereicht. Keine Wohnungen, Vermietungen, landwirtschaftliche Anwesen, Sacherl, Altstadthäuser oder Gewerbebauten – also, rein grundsteuerlich betrachtet, ein eher einfacher Fall.

Da hilft nur Tobias Häusler fragen

Das sieht auch Tobias Häusler so. Häusler, etwa Mitte 40, Sakko, offenes weißes Hemd, ein durchaus sympathisches und kompetentes Auftreten, ist derjenige, der im Elster-Erklär-Video erzählt, wie die Grundsteuer zu erledigen ist. Herr Häusler beginnt mit meiner Lieblingsanrede, als „lieber Steuerbürger“, begrüßt er mich. Ich fühle mich sofort angenommen. Natürlich auch die „liebe Steuerbürgerin“, die in diesem Fall meine Frau ist. Der gehört zwar die Hälfte von Haus und Grund, mit den Niederungen des Steuerdaseins will sie sich aber nicht befassen.

Tobias Häusler schon, er füllt das Formular stellvertretend für Stefan und Thea Müller aus Zwiesel aus. Die haben es genau wie ich nur zu einem Grundstück gebracht, auf dem ein Einfamilienhaus steht. Kaum Dachschrägen, nur eine Garage, Gartenhaus, die einfachste aller Möglichkeiten.

Das Erklärvideo ist sehr gut

Schon geht es los. Und nach wenigen Sekunden ist klar: Das Video zur Grundsteuererklärung ist umfänglich, sehr übersichtlich aufgebaut und sehr hilfreich.

Das ist schon der wichtigste Tipp und große Vorteil der Elster-Erklärung: Ob Haus, Wohnung, verpachteter Acker oder Bauernhof: Für viele Fälle gibt es ein Erklärvideo. Sogar für den Umgang mit dem „Bayernatlas“ im Internet, dem wichtige Daten zur Flurnummer, der Grundstücksgröße oder der Ertragsmesszahl von landwirtschaftlichem Grund zu entnehmen sind, gibt es einen kurzen Film

Nach kaum 30 Minuten und ein bisschen Blättern im alten Hausbau-Aktenordner kann der Steuerbürger den Computer ausschalten: Ich habe es geschafft, es war weniger dramatisch, als erwartet. Allerdings: Ein relativ neues Einfamilienhaus ist sicherlich eine der leichtesten Übungen bei der Abgabe der neuen Grundsteuererklärung.

Das rät der Chef des Finanzamts

Die wichtigsten Antworten auf die Fragen rund um die Grundsteuererklärung gibt Marius Baderschneider. Er ist Chef des Mühldorfer Finanzamts.

Wer muss was wem und wo melden?

Baderschneider: Die Finanzämter benötigen für die Berechnung des neuen Grundsteuermessbetrages die Fläche und die Wohn- oder Gewerbeflächen der darauf stehenden Gebäude. Zuständig ist das Finanzamt, in dessen Bereich das betreffende Grundstück liegt. Sollten mehrere Eigentümer beteiligt sein, reicht es, wenn einer von ihnen eine Erklärung abgibt. Allerdings müssen dann sämtliche Miteigentümer samt Steuernummer und ihrem anteiligen Besitz angegeben werden. Ausnahme bilden Grundstücke nach Erbbaurecht, bei denen der Gebäudebesitzer nun auch für das Grundstück steuerpflichtig wird. Für Gebäudebesitzer ohne Erbbaurecht, in denen das Grundstück jemand anderem gehört, müssen sich die Eigentümer separat erklären. Stichtag sind die Besitzverhältnisse vom 1. Januar 2022.

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Welche Informationen fordert das Finanzamt?

Baderschneider: Jedes Grundstück samt Immobilie muss vom Eigentümer separat erfasst werden. Für eine Meldung ist in dem Formular zunächst das Aktenzeichen anzugeben, das sie mit der Aufforderung zur Erklärung vom Finanzamt kam. Danach müssen Flurstückszähler, Flurstücksnenner sowie die Nutzfläche eingetragen werden. Eine einfache Möglichkeit bietet hier der Bayern-Atlas im Internet, der diese Daten kostenlos ausgibt. Benötigt wird aber auch das „Grundbuchblatt“, das in der Regel der Kaufurkunde zu entnehmen ist.

Welche Flächen müssen angegeben werden?

Baderschneider: Pro Quadratmeter werden für den Messbetrag der Grundstücke künftig vier Cent angesetzt. Darüber hinaus sind auch noch die auf der Fläche stehenden Gebäude und ihre Nutzungsart zu erfassen. Dies macht deswegen einen Unterschied, weil bei Gewerbeimmobilien pro Quadratmeter künftig 50 Cent angesetzt werden, bei Wohnnutzung gibt es einen Abschlag von 30 Prozent. Garagen oder Schuppen bis 50 Quadratmeter müssen nicht angegeben werden. Bei einer Werkstatt duldet das Finanzamt Mühldorf eine Größe von 30 Quadratmetern. Auch Treppenhäuser zählen in der Regel nicht zur Nutzfläche. Diese Informationen kann man dem Bauplan oder Grundriss entnehmen. Wohnungsinhaber bekommen normalerweise jährlich eine Betriebskostenabrechnung, auf der die relevanten Daten enthalten sein sollten. Ansonsten kann man die Hausverwaltung um Mithilfe bitten. Besitzer mehrerer Grundstücke und Immobilien müssen diese jeweils einzeln erfassen.

Können Steuerberater helfen?

Baderschneider: Helfen können auch Steuerberater. Eine nicht repräsentative Umfrage unter regionalen Fachleuten ergab, dass sich nicht mehr jede Kanzlei so eines Mandats annehmen könnte. Hinzu kommt, dass die Leistungen kostenpflichtig sind und sich neuerdings sowohl am Aufwand, als auch am Wert des Grundstücks und der Immobilie orientieren.

Sie bemerken im Nachhinein einen Fehler?

Baderschneider: Wer seine Erklärung abgegeben hat, egal ob mit Elster oder in Papierform, der kann etwaige Fehlerkorrekturen nachreichen, denn die neue Grundsteuer wird erst zum 1. Januar 2025 umgesetzt. In den Unterlagen heißt es, „Ich versichere, die Angaben in dieser Steuererklärung wahrheitsgemäß nach bestem Wissen und Gewissen gemacht zu haben“– wer also nicht vorsätzlich und wissentlich fehlerhafte Angaben macht, braucht sich vor Strafen nicht zu fürchten.

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