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Spritpreise explodieren

Zum Tanken über die Grenze? Selbst Mühldorfern ist der Weg nach Österreich nicht zu weit

Die Tankstelle im österreichischen Duttendorf gegenüber von Burghausen ist ein Ziel der Tanktouristen.
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Die Tankstelle im österreichischen Duttendorf nahe Burghausen ist ein Ziel der Tanktouristen.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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Autofahrer und Spediteure ächzen unter den stetig kletternden Spritpreisen. Verkäufer von Benzinkanistern machen gute Umsätze. Und selbst für Autofahrer aus dem Kreis Mühldorf lohnt der Tank-Ausflug nach Österreich.

Mühldorf/Burghausen/Hochburg-Ach – Die Spritpreise steigen und steigen. So mancher Autofahrer würde sein Fahrzeug am liebsten einfach stehen lassen. Weil das aber gerade für Berufspendler im ländlichen Raum ohne Umstiegsmöglichkeit auf Bus und Bahn unmöglich ist, sind Spar-Alternativen gefragt. Die reichen von Spritpreis-Apps fürs Smartphone über Tipps zu einer sparsameren Fahrweise bis zum Abschalten von Klimaanlage oder Standheizung.

30 Cent Ersparnis pro Liter sind drin

Der einfachste Weg, Geld zu sparen, führt über die Grenze nach Österreich. Einige Sparfüchse nehmen dafür knapp 80 Kilometer für die Fahrt von Mühldorf nach Burghausen und zurück in Kauf.

Landkreisbürger, die in Grenznähe arbeiten, verbinden ihren Arbeitsweg mit einem Tankausflug nach Österreich. Bei einer durchschnittlichen Preisersparnis von 30 Cent pro Liter Super und 20 Cent pro Liter Diesel liegen die Gründe für den kleinen Grenzverkehr auf der Hand.

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Kathrin Moses

Eine dieser Tanktouristinnen ist Kathrin Moses (32) aus Niederbergkirchen. Sie arbeitet seit zwei Jahren in Burghausen und nutzt seither regelmäßig die stets günstigeren Spritpreise über der Grenze abwechselnd mit beiden Familienautos.

„Als man nach dem ersten Corona-Lockdown wieder nach Österreich fahren durfte, habe ich dort den Liter Super für 1,001 Euro getankt“, sagt sie und grinst, als sie diesen fast utopisch klingenden Preis nennt. „Später war der Preis lange bei 1,13 Euro. Während Super in Burghausen bei 1,45 Euro stand.“

Sie hat beobachtet, dass das aktuell herrschende Preishoch in Deutschland immer mehr Autofahrer über die Grenze treibt: „Letzte Woche stand kein einziger Österreicher in der Warteschlange. Ich habe nur deutsche Kennzeichen gesehen. Und die Schlangen vor den Zapfsäulen werden immer länger.“

Benzinkanister sind derzeit Mangelware

Die Niederbergkirchnerin nimmt aber nicht gleich die erste Tankstelle nach der Grenze, sondern fährt ein paar Kilometer weiter. Denn da ist der Sprit immer noch einen Cent billiger: „Mit Tanken geht dafür rund eine halbe Stunde Zeit drauf“, bei 40 Kilometer Arbeitsweg morgens und abends rentiere sich der Abstecher für sie aber auf alle Fälle.

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Dieses Hamstern von Spritvorräten führt dazu, dass in heimischen Baumärkten Benzinkanister aller Größen derzeit weggehen wie warme Semmeln. „Wir können die Kanister gar nicht so schnell in die Regale einräumen, wie sie wieder verkauft sind“, beschreibt Susanne Hermann, Leiterin des Servicecenters im OBI-Baumarkt in Mühldorf die momentane Situation. „Für die 20-Liter-Kanister aus Metall fahren die Kunden sogar von Österreich bis hierher zu uns.“ Wenn überhaupt welche auf Lager sind – denn teilweise sind Benzinkanister momentan gar nicht mehr lieferbar.

Speditionen am Limit

Nicht nur Otto Normal-Autofahrer leiden unter den explodierenden Spritpreisen. „Die hohen Dieselpreise treffen uns voll“, stellt Johann Reiter fest. Er ist Geschäftsführer und Eigentümer der Spedition Reiter in Polling. Seine modernen 40 Tonner verbrauchen im Durchschnitt 28 Liter Diesel auf 100 Kilometer. „Wir schulen unsere Fahrer zwar regelmäßig zu sparsamer Fahrweise, aber irgendwann ist das Limit erreicht“, erklärt Reiter.

Feste Preisabsprachen: Die gestiegenen Betriebskosten seiner Lkw-Flotte an die Kunden weiterzugeben, funktioniere kurzfristig auch nicht. „Wir haben feste Preisabsprachen“, betont er. Mit langjährigen Kunden könne man die aktuelle Lage gemeinsam stemmen. Einen Kunden hat er aber bereits an einen billigeren Konkurrenten verloren. „Tanktourismus kommt für uns nicht in Frage, auch wenn die Preise im Ausland interessant wären.“ Steuertechnisch wäre das über die Grenze hinweg ein zu großer Aufwand.

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Hochwertiger Diesel: Reiter setze auf hochwertigen Diesel, da minderwertiger Kraftstoff im Winter einfrieren könnte. Ein Fiasko, wenn wegen defekter Lkw die Aufträge nicht gefahren werden könnten. Mit sinkenden Spritpreisen rechnet Reiter nicht. Er glaubt auch nicht, dass sich der Mittelstandsverband mit seiner Forderung zur Senkung der Mineralölsteuer durchsetzen kann.

E-Mobilität im Landkreis Mühldorf

Im Landkreis Mühldorf mit seinen 117.039 Einwohnern (Stand 30. Juni) waren zum Stichtag 30. September 108.480 Fahrzeuge zugelassen. Davon sind 97,3 Prozent oder 105.553 Verbrenner, also Benziner oder Dieselfahrzeuge. Reine E-Autos waren es 822 an der Zahl oder 0,8 Prozent. Die restlichen 1,9 Prozent oder 2105 Nicht-Verbrenner sind Hybrid- oder Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge. Wasserstoffautos gibt es im Landkreis keine. Neu zugelassen wurden im Jahr 2021 von Januar bis Oktober 304 reine E-Autos.

Im Jahr 2018 waren es nur 42, 2019 schon 66 und 2020 bereits 217. Die Zulassungen von Benzinern fielen von 2707 in 2018 auf 1110 in den ersten zehn Monaten von 2021. Bei Diesel sieht es ähnlich aus: Waren es 2018 noch 1557 Neuzulassungen, so sind es in 2021 bis Oktober nur 969 Fahrzeuge.

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