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Verfilztes Fell, tränende Augen, verdreckt mit Kot

„Katastrophaler Zustand“: Sechs Yorkshire-Terrier schwer verwahrlost in Wohnung im Kreis Mühldorf

Die Yorkshire-Terrier, hier ein Mischling, wurden von der Polizei ins Tierheim gebracht.
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Die Yorkshire-Terrier, hier ein Mischling, wurden von der Polizei ins Tierheim gebracht (Symbolfoto).
  • Hans Rath
    VonHans Rath
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Sechs Yorkshire-Terrier hausten in ihrer Wohnung – verwahrlost und abgemagert. Für diese Tiermisshandlung musste sich eine Rentnerin jetzt vor Gericht verantworten.

Mühldorf – Eine 81-jährige verwitwete Rentnerin aus dem Landkreis Mühldorf musste sich vor Amtsrichter Florian Greifenstein verantworten. Staatsanwältin Finsterwalder aus Traunstein warf ihr Tiermisshandlung in sechs Fällen vor.

Was war geschehen? Die Dame arbeitete neben ihrer Rente als Hundezüchterin, nach ihren Angaben hat sie sich über 50 Jahre der Zucht von Yorkshire-Terriern gewidmet. Eines Nachts im vergangenen Jahr, es war im August, stürzte die Rentnerin in ihrem Schlafzimmer so schwer, dass sie sich die Hüfte und einen Teil des Beckens brach. Wie ihr Rechtsanwalt Dr. Manfred Ellmer mitteilte, lag sie die ganze Nacht so in ihrer Wohnung. Erst am nächsten Tag entdeckte sie eine Nachbarin.

Abgemagert und völlig verdreckt

Was diese sonst noch in der Wohnung vorfand, war so erschütternd, dass sie die Polizei verständigte. Sechs Yorkshire-Terrier hausten in der Wohnung, sie waren mit Kot und Urin verdreckt und abgemagert. Das Fell war verfilzt, die Krallen nicht geschnitten, die Augen tränend. Die Tiere zitterten.

Über ihren Rechtsanwalt ließ die Angeklagte mitteilen, dass bei ihr vor fünf Jahren Krebs diagnostiziert worden sei, man habe ihr den Magen entfernt, weshalb sie häufig an Durchfall leide. Das erkläre die verdreckten Böden in der Wohnung. Die Beschuldigte behauptete, der katastrophale Zustand ihrer Hunde habe sich in den 15 Stunden entwickelt, in denen sie verletzt in ihrer Wohnung lag.

Die sechs Hunde wurden von der Polizei zunächst in ein Tierheim gebracht, ein Terrier ist mittlerweile verendet. Inzwischen sind drei Hunde bei Privatpersonen untergebracht, zwei weitere sollen verkauft werden. Dagegen hat die Beschuldigte beim Verwaltungsgericht München Klage eingereicht. Sie möchte die Terrier zurück.

Dem Veterinäramt bereits 2016 aufgefallen

Die Angeklagte war dem Veterinäramt bereits 2016 aufgefallen. Auch damals musste die Hundezüchterin ins Krankenhaus – wegen der Magenoperation. Nach fünf Kontrollen wurde aber eine „stabile Hundehaltung“ attestiert.

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Als Zeugin wurde eine Tierärztin des Veterinäramts gehört. Sie kennt die Frau seit den Vorfällen vor fünf Jahren. Ein Satz brachte ihre Aussage auf den Punkt: „Wir sehen viel, aber sowas?“ Laut den Aussagen der Veterinärin waren die sechs Hunde in einem „katastrophalen Zustand“. Auf die Frage des Richters, wie lange es bis zu diesem Zustand gedauert habe, antwortete die Tierärztin, dass sich Zahnstein über Monate entwickle. Bis die Zähne ausfallen, wie bei einem der Tiere geschehen, dauere es aber Jahre.

„Katastrophale Verwahrlosung“

Die Staatsanwältin sah in ihrem Plädoyer die Anklage bestätigt. Auch wenn sie der Dame ihr hohes Alter und den Sturz zugute hielt, wertete sie die „hoch katastrophale Verwahrlosung der sechs Tiere“ als äußerst bedenklich und forderte eine empfindliche Geldstrafe in Höhe von 130 Tagessätzen zu 50 Euro.

Verteidiger Dr. Ellmer erachtete den Tatvorwurf als nicht begründet. Die Zeugin habe die Hunde nicht persönlich gesehen, das reiche als Beweismittel nicht aus. Viele Anklagepunkte beruhten auf Vermutungen. Er plädierte auf Freispruch.

Lebenslanges Verbot für Tierhaltung

Richter Greifenstein verhängte letztlich eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 50 Euro und ein lebenslanges Verbot der Tierhaltung. Es werden zusätzlich die beiden der Beschuldigten rein rechtlich noch gehörenden Hunde eingezogen und dem Landratsamt Mühldorf übereignet.

Richer findet: Frau hat ihre Fähigkeiten überschätzt

Der Richter sah den Tatbestand der Tiermisshandlung als erfüllt an, der Zustand sei nicht erst in den 15 Stunden nach dem Sturz der alten Dame eingetreten, sondern müsse sich über einen längeren Zeitraum entwickelt haben. „Zwar ist die Angeklagte eine langjährige Tierzüchterin. Aber jetzt nimmt das ein tragisches Ende: Sie ist 81 Jahre alt und überschätzt ihre Fähigkeiten“.

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