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"Wir wollen wieder Ruhe in Halsbach"

Der Gruberwirt in Halsbach: einst florierendes Gasthaus, dann Treffpunkt der Neonazis. Zuletzt hausten dort nach Aussage des Zwangsverwalters nur noch Mäuse. Jetzt hat es einen neuen Eigentümer.  Foto BLA
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Der Gruberwirt in Halsbach: einst florierendes Gasthaus, dann Treffpunkt der Neonazis. Zuletzt hausten dort nach Aussage des Zwangsverwalters nur noch Mäuse. Jetzt hat es einen neuen Eigentümer. Foto BLA

Der Zuschlag ging mit 325000 Euro an den Nachbarn: Johann Obermaier ersteigerte gestern Vormittag den Halsbacher Gruberwirt, der jahrelang ein Treffpunkt der Neonazis war. Nun soll endlich Ruhe in den Ort einkehren, auch wenn über eine künftige Nutzung des Gebäudes noch nicht entschieden ist.

Mühldorf/Halsbach - Das einst florierende Gasthaus Gruber am Halsbacher Dorfplatz hatte in den vergangenen Jahren nur noch für negative Schlagzeilen gesorgt. Seit 2007 war es von Neonazis unter dem Titel "Haus der Kunst und Meinungsfreiheit" als Versammlungsort und Konzertsaal genutzt worden.

Der überschuldete Wirt Alois Gruber junior hatte mit den bekannten Neonazis Martin Wiese und Norman Bordin zum Teil schriftliche, zum Teil mündliche Vereinbarungen über die Miete geschlossen. Von einem Mietvertrag im rechtlichen Sinn könne jedoch nicht gesprochen werden, machte der Zwangsverwalter gestern klar - weshalb in dieser Hinsicht auf den neuen Eigentümer keinerlei Verpflichtungen zukommen.

Immer wieder hatten sich die Bürger mit Demonstrationen gegen die rechten Umtriebe gewehrt, zum letzten Mal trafen sich die Neonazis im Februar 2012 in Halsbach. Dann zog die Sparkasse Altötting-Mühldorf als Hauptgläubigerin die Reißleine und ließ das Gebäude unter Zwangsverwaltung eines Landshuter Rechtsanwalts stellen.

Der gestrige Versteigerungstermin war nach dieser Vorgeschichte in der gesamten Region mit Spannung erwartet worden, entsprechend groß war das Interesse. Zwei zusätzliche Stuhlreihen wurden im Sitzungssaal 116 des Amtsgerichts Mühldorf aufgestellt, damit die über 60 Besucher auch alle Platz hatten.

Befürchtungen, dass auch ein Mitglied der rechten Szene mitbieten könnte, bewahrheiteten sich nicht. Die Sparkasse Altötting-Mühldorf gab mit 320000 Euro das erste Gebot für den 115 Jahre alten Landgasthof ab, der laut Gutachten einen Verkehrswert von 530000 Euro besitzt.

Neben dem Kreditinstitut trat anschließend nur noch ein weiterer Bieter in Erscheinung: Johann Obermaier erhielt schließlich von Richter Kasparek für 325000 Euro den Zuschlag - sehr zur Freude der Halsbacher Bürger, die eigens nach Mühldorf gekommen waren und die Entscheidung sogar mit Applaus quittierten.

Die Firma Obermaier betreibt auf dem Nachbargrundstück des "Gruberwirts" Handel und Reparaturen mit gebrauchten Kraftfahrzeugen und Landmaschinen. Was mit dem einstigen Wirtshaus mit Anbau passieren soll, kann der neue Eigentümer noch nicht sagen. "Ganz ehrlich, wir wissen es noch nicht." Eine "kaufmännisch gute Entscheidung" sei es aber nicht gewesen, sagte Johann Obermaier nach der Versteigerung, denn ein Abriss des Gebäudes zur Vergrößerung seiner Betriebsfläche käme aufgrund des guten Zustands des Hauses nicht in Frage. Nach einem Großbrand im Jahr 2004 war der Gasthof grundlegend saniert worden.

Im Vordergrund steht für ihn jetzt vor allem eines: "Wir wollen wieder unsere Ruhe in Halsbach haben. Zum Teil standen 20 Polizeiautos in meiner Einfahrt. Das ist jetzt endlich vorbei." ha

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