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Wie geht es in den Innenstädten weiter?

Die Wasserburger Kunden sind der Einkaufsstadt treu geblieben.
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Die Wasserburger Kunden sind der Einkaufsstadt treu geblieben.

Rosenheim/Mühldorf. –  Seit dieser Woche ist klar: Der Lockdown geht weiter.

Nicht nur die Bürger, sondern vor allem Händler und Gastronomen werden auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie mögen vor Infektionen schützen, bedrohen aber auf der anderen Seite wirtschaftliche Existenzen. Wie ist die Situation in den Innenstädten in der Region?

Lethargie in Rosenheim

Oberbürgermeister Andreas März vergleicht die Lage in der Rosenheimer Innenstadt mit einer „perspektivlosen Lethargie“. Er vermutet, dass im Moment 30 Läden von der Corona-Krise bedroht sind. „Viele in der Stadt sind erschöpft und müde von der Perspektivlosigkeit“, sagt er.

Ähnlich schätzt die Lage Anton Heindl, Vorsitzender des Gewerbeverbands, ein. „Ich mache mir Sorgen um die Entwicklung der Einzelhandelslandschaft“, sagt er. Zwar gebe es auch Neueröffnungen, einfach sei die Situation aber trotzdem nicht.

Das weiß auch Theresa Albrecht, Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes in Stadt und Landkreis Rosenheim: „Das bayerische Gastgewerbe befindet sich unverschuldet in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Auch in der Region hätten einige Betriebe Insolvenz anmelden müssen, die genaue Zahl sei ihr aber nicht bekannt. Gaststätten in der Stadt seien schlimmer betroffen als jene auf dem Land. Ziel müsse sein, Öffnungen aufgrund „erkenntnisbasierter Kriterien“ zu ermöglichen.

„Wir alle müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir die Innenstadt wieder beleben können. Handel, Gastronomie, Verwaltung, aber auch Vereine und Schulen müssen alle an einem Strang ziehen“, fügt Oberbürgermeister März hinzu.

Sorgen in Bad Aibling

Prominentes Beispiel einer coronabedingten Geschäftsaufgabe war im Dezember „Leo Dirndl“ in Moos. Darüber hinaus ist Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier und Kurdirektor Thomas Jahn, bei dem die Fäden der „Corona-Task-Force“ zusammenlaufen, kein weiterer Fall bekannt.

„Ich sorge mich schon, ob alle Betriebe nach der Pandemie wieder aufmachen“, sagt Schlier. Das treibe ihn um, denn Gastgewerbe und Einzelhandel seien der Schlüssel für eine attraktive Innenstadt. Dabei sieht er die Lage im Gastgewerbe aufgrund der Liquiditätshilfen etwas optimistischer. Kritischer sei es beim Einzelhandel, da Überbrückungshilfe III erst jetzt beantragt werden könne und die volle Summe wohl erst im März ausgezahlt werde. Beide Sparten bräuchten dringend eine Öffnungsperspektive.

Jahn kritisiert, dass das Thema Überbrückungshilfen nicht so einfach sei, „wie im Oktober angekündigt. Davon sind wir Lichtjahre entfernt, da ist ein richtiges kleines Bürokratiemonster entstanden. Solange weiter an Rahmenbedingungen rumgedoktert wird, ist es schwierig.“ Die Stimmung pendle zwischen Resignation, Unverständnis und Unmut – „weil Bund und Ländern nichts anderes einfällt, als zuzuschließen. Das ist zu wenig und zu dünn.“

Mühldorf kommt mitblauem Auge davon

Der Einzelhandel in Mühldorf könnte das erste Corona-Jahr glimpflich überstehen, sagt Aktionsgemeinschaftsvorsitzender Christian Kühl: „Wir werden mit einem sehr, sehr blauen Auge davonkommen.“ Es gebe derzeit eine einzige Geschäftsschließung am Stadtplatz, über deren Hintergründe er aber nichts Genaueres wisse, die aber mutmaßlich mit der Corona-Krise in Verbindung stehe. „Wirklich absehen können wir die Auswirkungen aber vermutlich erst im Herbst.“

Auch bei der Stadt Mühldorf sind nach Angaben von Bürgermeister Michael Hetzl bislang keine Gewerbeabmeldungen bekannt. Hetzl betont: Die Stadt sei bereit, Gewerbesteuern zu stunden, sollte ein Händler nicht zahlungsfähig sein.

Der Vorsitzende des Gaststättenverbands im Landkreis, Holger Nagl, ist skeptischer: „Noch ist nichts bekannt“, sagt er zwar. „Es wird aber sicherlich einige Betriebe geben, die zahlungsunfähig sind.“ Das werde sich aber erst im Laufe des Jahres herausstellen, wenn die staatlichen Hilfen nicht mehr gezahlt würden.

Bald mehr Lückenin Waldkraiburg?

Weder Bürgermeister Robert Pötzsch noch Dr. Andreas Holzapfel und Willi Engelmann, die Vorsitzenden des Gewerbeverbands und der Aktionsgemeinschaft der Einzelhändler in Waldkraiburg, wissen von einem Betrieb, der wegen Corona zumachen muss. „Niemand wird sagen, dass er kurz vor der Pleite steht“, sagt Willi Engelmann, der allerdings von „sehr deprimierten Händlern“ berichtet.

Aus Gesprächen mit Wirten habe Pötzsch den Eindruck mitgenommen, dass die Betriebe durchhalten. „Aber viele sagen: Viel länger darf der Lockdown nicht mehr dauern.“ Mit Ausnahme der Novemberhilfe für die Gastronomie seien staatliche Hilfen „entweder zu gering bemessen, oder sie kommen zu spät“, findet Andreas Holzapfel. Bei den Überbrückungshilfen I und II des Bundes im Vorjahr konnten die Einzelhändler nur Mieten geltend machen, nicht den Wertverlust von Waren. Das könne bei Händlern, die etwa Schuhe oder Bekleidung anbieten, zu enormen Liquiditätsengpässen führen. Die Überbrückungshilfe III (Förderzeitraum November 2020 bis Juni 2021) soll auch Mindereinnahmen durch unverkäufliche oder saisonale Ware berücksichtigen, bislang gab es aber keine Auszahlungen.

Prien plant schon voraus

Dr. Herbert Reuther, Vorsitzender des Priener Gewerbeverbands, bezeichnet die derzeitige Situation des Einzelhandels als „katastrophal und bedrückend“. Seine Hoffnung ist, dass viele Priener Händler überleben können, weil sie ihre Geschäfte selbst führen und zum Teil keine Miete zahlen. „Von Schließungen ist mir derzeit nichts bekannt“, sagt Reuther. Er unterstütze die Idee einer Einkaufsregion, in der neben Prien auch andere Gemeinden teilnehmen könnten. Längere Öffnungszeiten und Events sollen nach dem Lockdown viele Kunden in die Geschäfte locken.

Diese Idee unterstützt auch der Priener Bürgermeister Andreas Friedrich, etwa im Rahmen einer langen Einkaufsnacht oder eines Straßenfests. Dass es schlecht steht um Handel, Gastronomie und Hotellerie, nimmt auch er wahr: „Mir tut jeder leid, der jetzt ein Geschäft hat und seine Mitarbeiter irgendwie bezahlen muss.“ Friedrich hat den Eindruck, dass die Akzeptanz des Lockdowns schwinde und eine Öffnungsperspektive fehle.

Wasserburger Kunden sind treu

Bisher ist die Einkaufsstadt Wasserburg mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen. Auch wenn das Zentrum belebt wirkt, weil sich viele Händler an „Click & Collect“ beteiligen und Gastronomen auf den Straßenverkauf setzen, ist die Stimmung angespannt. Moritz Hasselt, Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV), und der Wirtschaftsreferent des Stadtrates, Christoph Klobeck, stellen eine große Verunsicherung fest. Die Kaufleute würden unter der Perspektivlosigkeit leiden.

Vertreter des Einzelhandels gehen davon aus, dass die Menschen in Kauflaune kommen, wenn der Lockdown vorbei ist. Doch ob alle Geschäfte bis dahin durchhalten können? Hasselt fordert angesichts der nach seinen Erfahrungen zu bürokratisch ausgelegten staatlichen Hilfen: „Jetzt muss endlich ganz schnell Geld fließen.“

Dass die Insolvenzen und Schließungen sich bisher in Grenzen hielten, liegt nach seiner Meinung an der Einzelhandelsstruktur in Wasserburg: Vor allem in der Altstadt gibt es viele kleine inhabergeführte Geschäfte. Die Kunden blieben der Einkaufsstadt außerdem treu, freut sich Klobeck: „Sie kaufen bewusst auch online lokal ein“, sagt er. Doch viele Einzelhändler würden mit ihrem Privatvermögen die Gehälter der Mitarbeiter in Kurzarbeit aufstocken oder ihre Altersvorsorge anzapfen, um durch die Krise zu kommen. Das gehe auf Dauer nicht gut.

Die Stadt unterstützt die Geschäftsleute mit Stundungen bei Vermietungen kommunaler Objekte. Sie habe außerdem die Sondernutzungsgebühren für Verkaufsstände und Gastronomieaußenbereiche gestrichen, wie Bürgermeister Michael Kölbl erklärt.“ hon/hg/duc/hgy/hei/jek/el

In der Kirchzeile im Herzen von Bad Aibling warten viele Geschäfte und Lokale auf das Ende des Lockdowns.
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Einen trostlosen Anblick bieten Mühldorfs Arkaden derzeit.
Die Lage ist auch in Waldkraiburgs Innenstadt äußerst ernst.
In Prien wird bereits für Zeiten nach dem Lockdown geplant.
Bis zu 30 Geschäfte könnten in Rosenheim von der Krise bedroht sein.

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