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Ein Sportverein schreibt Geschichte

Wie die „Veilchen“ zu ihrem Namen kamen: 75 Jahre SV Aschau am Inn

Als der SV Aschaunoch blutjung war: Von Anfang an setzte der Club auf eine aktive Jugendarbeit, hier die Schülermannschaft von 1964/1965 mit (stehend, von links): Adi Schäftlmaier, Erwin Schnetzer, Manfred Vorwallner, Ernst Lemaire (†), Gerhard Friedemann (†), Franz Mittermaier, Lothar Balhuber, Günther Elfgen (†), (gebückt) Herbert Reichenauer, Rudi Winterer sowie (knieend, von links) Helmut Kagerer (†), Petztl, Stresow (†) und Dieter Klemsz.
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Als der SV Aschaunoch blutjung war: Von Anfang an setzte der Club auf eine aktive Jugendarbeit, hier die Schülermannschaft von 1964/1965 mit (stehend, von links): Adi Schäftlmaier, Erwin Schnetzer, Manfred Vorwallner, Ernst Lemaire (†), Gerhard Friedemann (†), Franz Mittermaier, Lothar Balhuber, Günther Elfgen (†), (gebückt) Herbert Reichenauer, Rudi Winterer sowie (knieend, von links) Helmut Kagerer (†), Petztl, Stresow (†) und Dieter Klemsz.
  • Kirsten Meier
    VonKirsten Meier
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Der SV Aschau wird 75 Jahre alt. Zwei treue Mitglieder haben einen Großteil der Geschichte mit erlebt. Und wissen auch, wie die Aschauer Fußballer zu ihrem Namen kamen. „Veilchen“ heißen sie nämlich nicht, weil sie immer mit blauem Auge vom Sportplatz heimkehrten.

Aschau am Inn – Otto Schönstetter (84) und Josef Huber (77) sind zwei sympathische ältere Herren, die so manches miteinander verbindet. Sie sind nicht nur waschechte Aschauer, sondern auch treue Mitglieder des SV Aschau, der heuer 75-jähriges Bestehen feiert. Seit früher Jugend sind Schönstetter und der ehemalige Bürgermeister und Ehrenbürger Huber dem Verein treu. Beide haben einst auf dem Fußballplatz die ersten sportlichen Schritte gemacht. Bis heute sind sie fit und ihre Liebe zum Verein ist ungebrochen.

Wie alles begann

Im Oktober 1946 begann die Geschichte des SVA, natürlich mit Fußball. Die Begeisterung war groß genug, um viele Hürden zu meistern. Ein Platz, Trikots, Bälle und Schuhe mussten organisiert werden. Der Baimerbauer stellte ein Grundstück am heutigen Schönbrünnlfeld zur Verfügung. Dort konnte trainiert und gespielt werden. Die Trikots fertigte man aus alten Pulversäcken, deren Farben von braun bis ins Violette reichten. So kamen die Aschauer Fußballer zu ihrem Namen. Überall sind sie bis heute als die „Veilchen“ bekannt.

Heimlich zum Fußballspiel getroffen

„Geht in Vereine. Vor allem junge Menschen sollten das machen. Hier seid ihr gut aufgehoben und im Kreise netter Menschen“, wirbt Otto Schönstetter für den SVA. Zu seiner Zeit war es alles andere als selbstverständlich, dass man Sport treiben durfte.

„Wir konnten uns keine Fehltage im Beruf leisten“, so der 84-Jährige, der seit 1950 Mitglied ist. „Als ich mich im Alter von 14 für den Fußball begeisterte, war sportliche Aktivität wegen der Verletzungsgefahr nicht gern gesehen. Mein älterer Bruder Hans und ich spielten als junge Burschen immer heimlich.“ Der Vater, der eine Bäckerei besaß, sei ihnen aber draufgekommen und habe sie dann doch spielen lassen, auch deshalb, weil die Leute im Dorf begeistert waren von den beiden „richtig guten Fußballern“. Eins sei aber unumstößliche Regel gewesen: „Wer auf dem Spielfeld stehen kann, der kann auch in der Backstube stehen.“

Fußballvereine auf dem Dorf, das war damals eine Seltenheit

Vier Jahre nach Schönstetter fand Josef Huber zum Sportverein. „Meine zwei Brüder und ich spielten beim SV Aschau. Unsere Mama war froh, dass wir das machten. So wusste sie immer, wo wir waren.“ Der Rentner erinnert sich an die Anfänge. „Damals war es nicht einfach, eine Mannschaft zusammen zu bekommen.“ Fußballvereine auf dem Dorf waren recht selten. Bis Mitte der 1980er-Jahre war Huber aktiv, zuletzt bei den alten Herren. Zwischen 1972 bis etwa 1978 war er Trainer.

Gemütlich mit den Gegnern feiern

Solange war Otto Schönstetter nicht dabei. „Mit Anfangs 20 schwand bei mir das Interesse am Sport. Die schönen Madls fand ich viel besser“, berichtet er von einem Phänomen, das es heute auch noch geben soll. Schönstetter legte eine aktive Sportpause ein und entdeckte 1973 den Tischtennissport für sich. „Aufgestiegen sind wir nicht, aber auch nicht abgestiegen. Nach den Spielen saßen wir mit unseren Gegnern gemütlich zusammen, tranken, feierten, hatten Spaß. Freilich hat man gerne gewonnen, aber Erfolgsdruck wie es ihn heute gibt, gab es damals bei uns nicht.“

Die Werte des Sports immer hochgehalten

Auch Josef Huber betont die Werte des Sports, wie Kameradschaft, die ihn durch sein Leben begleiteten, zum Beispiel der Satz, den der ehemaligen Vorsitzende Dr. Alfred Sporer den jungen Leuten einschärfte: „Nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist.“ Das sei „einer meiner Leitsätze“, so der 77-Jährige, der sich auch an einen Spruch erinnert, der in der Umkleidekabine im Sportheim hing: „Seid fair, es ist nicht schwer.“ Huber: „Wir waren hart im Nehmen. Freundschaften gingen über den Ort hinaus und hielten ein ganzes Leben lang.“

Josef Huber schwört bis heute auf die Werte des Sports.

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Seit 1981 spielt Otto Schönstetter nicht mehr Tischtennis, am Leben im Sportverein nimmt er weiter Anteil und mit ihm die ganze Familie. Die Söhne kickten in der Jugend und heute die Enkel, seine Frau hat geturnt. „Die Spiele unserer Fußballer schaue ich mir noch heute gerne an.“

Nächstes Jahr wieder ein Sportabzeichen?

Ehrenbürger Huber hält sich beim Seniorenturnen fit. Seit etwa 15 Jahren ist er in der Sparte aktiv. Bis Corona habe er jedes Jahr das Sportabzeichen gemacht. „Mal schauen, vielleicht mache ich nächstes Jahr wieder eins.“ Wen die Leidenschaft für den Sport einmal gepackt hat, den lässt sie nicht mehr los...

Zu seiner Zeit war es nicht selbstverständlich, Sport im Verein zu treiben: Otto Schönstetter.

Viel mehr als Fußball

Es begann mit Fußball, aber bereits im Januar 1947 gründete der SV Aschau die Sparte Tischtennis. Damals wurde im Saal der Brauerei Ametsbichler auf den langen grünen Biertischen trainiert.

Im gleichen Jahr wurde die Schachabteilung ins Leben gerufen und wenige Jahre später wieder aufgelöst.

1947 kam auch die Sparte Handball dazu und im Herbst 1949 folgte das Ringen. Initiator war der erste Vorsitzende des Vereins Karl Tischler, der vor dem Zweiten Weltkrieg mehrfacher Bayerischer Ringer-Meister im Schwergewicht war. Damals besaß Aschau die einzige Ringerstaffel im ganzen Landkreis Mühldorf. Sonst gab es diesen Sport in Vereinen nur in München, Burghausen und Traunstein.

1956 das erste offizielle Skispringen in Aschau

Im Januar 1950 wurde die Sparte Wintersport gegründet. Die Aschauer waren damals mit etwa 20 Jugend- und Seniorensportlern die stärkste Sprungabteilung im Inngau. 1956 wurde das erste offizielle Skispringen in Aschau durchgeführt, 1957 die Jahnschanze eingeweiht, die schon vor vielen Jahren abgebrochen werden musste.

Sogar eine Skisprungschanze gabes in Aschau.

1951 kam die Sparte Tennis dazu. Einige Tennisfreunde zeichneten auf einem Betonplatz des Werkes Aschau Spielfelder auf. Mit bescheidenen Mitteln wurde trainiert und gespielt.

1970 wurde die Turnabteilung aus der Taufe gehoben. Diese beinhaltet auch den Bereich Leichtathletik. Seit 1978 gibt es die Jugendabteilung. 1982 wurde die Tanzsportabteilung gegründet. 1983 folgte die Sparte Kegeln, 1984 Volleyball. Im Laufe der Jahre kamen noch Badminton und Taekwondo dazu.

Mit 1160 Mitgliedern zählt der SV Aschau heute zu den größten Sportvereinen im ganzen Landkreis. Seit April 2018 steht Johannes Volk an der Spitze des Vereins, der zum 75-jährigen Jubiläum wegen Coronma keine größeren Veranstaltungen plant. Nächstes Jahr sei aber ein Freundschaftsspiel der „Veilchen“-Fußballer gegen den TSV 1860 München ge- plant.kme

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