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Ukraine-Krieg und Energieversorgung

Wenn das Gas knapp wird: Das kommt auf Kunden und Firmen in der Region Mühldorf zu

Der Gashahn bleibt offen, sagt Stadtwerke-Chef Alfred Lehmann. Zumindest derzeit und für Haushaltskunden. Firmen müssen einen Fragebogen für die Bundesnetzagentur ausfüllen, die bei Gasknappheit über das Abschalten entscheidet.
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Der Gashahn bleibt offen, sagt Stadtwerke-Chef Alfred Lehmann. Zumindest derzeit und für Haushaltskunden. Firmen müssen einen Fragebogen für die Bundesnetzagentur ausfüllen, die bei Gasknappheit über das Abschalten entscheidet.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Gasembargo gegen Rußland, Lieferstopp durch Gasprom: Nach dem Einmarsch der Russen in der Ukraine fragen sich viele, ob ihre Wohnung im Winter noch warm ist.

Mühldorf – So viel Gas wie derzeit war noch nie auf dem Markt. Das sagt Alfred Lehmann, Chef der Mühldorfer Stadtwerke, zu denen auch der Gasversorger Evis gehört.

Grund zur Freude ist das für Lehmann aber nicht.

Gasversorgung ist nicht garantiert

Denn die aktuell noch großen Gasmengen garantieren weder eine sichere Versorgung noch einen niedrigen Preis.

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Für Russland bringe der Gashandel Devisen, sagt Lehmann, deshalb drehe Putin den Gashahn nicht komplett zu. „Aber wer weiß, wie lange?“, sagt Lehmann und weist auf einen zweiten Gefahrenpunkt hin: „Deutschland will kein Embargo. Aber wie lange kann sich Deutschland gegen den Druck aus der EU noch wehren?“

Gefahr droht vor allem Unternehmen

Zwei Fragen mit möglicherweise gravierenden Folgen für die Menschen und Firmen in der Region. Wobei Lehmann klarstellt: Auch wenn der Gashahn zugedreht wird, bleiben Wohnungen und Häuser warm.

Auch interessant: Fernwäme gegen Putin-Gas - Trotz Energiekrise tun sich viele in Mühldorf mit Alternativen schwer

Denn vorher geht es an die Firmen. Deshalb hat die Evis im Auftrag der Netzagentur einen Fragebogen an alle Kunden geschickt, die mehr als 100 000 Kilowattstunden Gas abnehme. Darin müssen sie unter anderem die Fragen beantworten, ob sie andere Heizmöglichkeiten haben und ob sie zur strategisch wichtigen Infrastruktur gehören.

Netzagentur entscheidet über Gaslieferung an Unternehmen

Die Antworten gehen an die Netzagentur, denn die entscheidet, wem im Notfall der Hahn abgedreht wird. „Das macht nicht die Evis“, sagt Lehmann. Die Evis entscheidet aber darüber, was Gas in der Region künftig kostet. Zuletzt gab es nach Lehmanns Angaben zwei Preiserhöhungen, im Oktober 2021 und im März 2022, also vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine.

Für meiste Privatkunden ist der Gaspreis festgeschrieben

Jetzt sei der Gaspreis für die meisten Kunden für dieses Jahr festgeschrieben. „Was dann kommt, haben wir nicht in der Hand“, sagt der Stadtwerke-Chef. Eine Entscheidung über eine Erhöhung werde im Herbst getroffen.

Sonderregelung für Neukunden

Eine Sonderregelung gibt es für Neukunden, deren Gasversorger pleite geht. Die Stadtwerke müssen diese Kunden aufnehmen, bieten ihnen aber keinen der meist etwas preisgünstigeren Sondertarife an. Sie müssen den etwas teureren Grundtarif akzeptieren. „Das sind aber nur sehr wenige“, sagt Lehmann.

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Die Auswirkungen einer Liefereinschränkung für Industrieunternehmen lässt sich nicht generell beantworten, sagt Dr. Bernhard Langhammer, Vorsitzender der Initiative Chemdelta, die die Interessen der Chemie-Firmen in der Region vertritt. „Generell ist zu sagen, dass die chemische Industrie auf Erdgas als Rohstoff und Energieträger nicht verzichten kann, ohne dass es zu gravierenden Störungen von Lieferketten kommen dürfte, die sich dann auf eine Vielzahl von Branchen auswirken“, warnt Langhammer.

Chemieindustrie warnt vor Folgen

Nach seinen Angaben wird Erdgas im Chemiedreieck überwiegend in Kraftwerken zur Strom- und Wärmegewinnung eingesetzt. „Strom könnte auch über das Netz bezogen werden, jedoch zu deutlich höheren Kosten“, weist Langhammer auf eine schwierige Alternative hin. „Bei gleichzeitigem Abschalten dieser Eigenerzeugungen könnte auch die Netzkapazität eine Rolle spielen.“

Warnung vor Folgen für Unternehmen

Deshalb warnt Langhammer deutlich vor den Folgen eines Gasstopps für Industrieunternehmen. Es gebe zwar wenige Anwendungen, die auf die Verfügbarkeit von Erdgas unbedingt angewiesen seien. „Falls kein Erdgaskontingent zur Verfügung steht, fehlen aber wichtige Zwischenprodukte mit erheblicher Auswirkung auf die nachfolgenden Prozesse.“