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Wenn Corona vergessen ist

  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Für einen, der nie da ist, ist Wolfgang Nadvornik relativ oft in der Zeitung.

Das Neueste vom CSU-Stadtrat: Er hat das Ordnungsgeld in Höhe von 50 Euro, das der Stadtrat geschlossen gegen ihn verhängte, weil er unentschuldigt in Sitzungen fehlte, bezahlt. Immerhin.

Das war bislang allerdings die einzige Reaktion auf die heftige Kritik aus allen politischen Lagern. Der Sportmoderator gibt sich ungewöhnlich wortkarg, macht sich weiter rar. Dabei würden vor allem die Kollegen aus der CSU gerne mal ein ernstes Wort mit ihm reden.

Nicht nur in dieser Angelegenheit erweist sich Geduld als eine Schlüsseltugend der Lebensbewältigung in Krisensituationen. So schwer das fällt, gerade in Corona-Zeiten, in denen ganz Deutschland zum Warten verdammt ist. Zum Warten auf den Stoff. Die Impfteams ebenso wie die Senioren über 80, die sich die Zugehörigkeit zur Priorisierungsgruppe 1 verständlicherweise auch irgendwie anders vorgestellt hatten. Eine Waldkraiburgerin hat ihrem Ärger darüber in dieser Woche Luft gemacht.

Die einen können es nicht erwarten, geimpft zu werden. Andere scheint der Gedanke an eine Impfung weit mehr zu schrecken als Corona. Dass die Impfbereitschaft auch im Pflegepersonal so gering ist, irritiert. Müssten nicht gerade jene, die besonders nah dran sind an Risikogruppen, die deren Einschränkungen Tag für Tag erleben, besonders offen sein für dieses Mittel, das bei entsprechender Beteiligung Herdenimmunität herstellen und helfen könnte, das Virus einzudämmen?

Auch wenn Gefahren bei einem so neuen Impfstoff nicht völlig von der Hand zu weisen sind, am Ende läuft es immer auf eine nüchterne Abwägung von Risiken und Folgen ab, auf die Frage: Was ist schlimmer – die Seuche und neue, noch härtere Lockdowns, die Politiker in ihrer Ratlosigkeit beinahe im Stundenrhythmus ins Gespräch bringen? Oder die Impfung?

Jede Woche sind in dieser Zeitung schwerste gesundheitliche oder ökonomische Folgen der Pandemie Thema. Zuletzt zum Beispiel die Auswirkungen auf Suchtkranke, Menschen, die gefährdet sind, in Alkohol- oder Drogenabhängigkeit zu geraten. Dieser Gruppe setzt Corona besonders zu, weil es Angst macht und mit seinen Kontaktbeschränkungen den Risikofaktor Einsamkeit noch verschärft.

Keine Frage, da bleiben große Herausforderungen. Auch auf ganz anderen Feldern, die zurecht wieder in den Fokus rücken werden, wenn Corona hoffentlich vergessen ist. In den nackten Zahlen der Einwohnerstatistik, die die Stadt jetzt öffentlich gemacht hat, stecken solche Herausforderungen. Der hohe Ausländeranteil von 24 Prozent etwa fordert Zuwanderern ebenso wie der Aufnahmegesellschaft vieles ab. Vielfalt mag bereichern, Unterschiede bergen immer auch Konfliktstoff.

Noch eine Herausforderung für die Zukunft und die Stadtentwicklung: Waldkraiburg ist nicht nur bei der nationalen Vielfalt seiner Einwohner in der Region vorn dabei – nur in Rosenheim sind mehr Herkunftsländer vertreten. Waldkraiburg ist auch eine der ältesten Kommunen weitum. Wie bitte? Ja, so ist es. Der Anteil der Senioren an der Stadtbevölkerung steigt. Gut 23 Prozent der Einwohner sind 65 Jahre plus. Ohne Ausländer wären es sogar über 28 Prozent. Viele Zuzügler werden gebraucht, nicht nur der Statistik wegen. Auch deshalb, weil sie in der Gastronomie, in Schlachthöfen, am Bau, in der Pflege arbeiten, alles Berufsgruppen, die ihre Arbeitskräfte längst nicht mehr aus der „Einheimischengesellschaft“ rekrutieren könnten.

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