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Die Weide als Naturparadies

Bei Langenstegham pflegen Rinder und Wasserbüffel von Biobauer Matthias Reißaus erfolgreich eine artenreiche Offenlandschaft.  Kretschkoi
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Bei Langenstegham pflegen Rinder und Wasserbüffel von Biobauer Matthias Reißaus erfolgreich eine artenreiche Offenlandschaft. Kretschkoi

Mettenheim – Wenn Biobauer Matthias Reißaus auf die von ihm genutzte Weide nördlich der A 94 auf der Höhe von Langenstegham kommt, braucht er sein Dutzend „Murnau-Werdenfelser“-Rinder und asiatischer Wasserbüffel nicht lange zu rufen.

Die vierbeinigen Landschaftspfleger hören auf ihn und setzen sich sofort in Trab.

Der studierte Landschaftsarchitekt, der mittlerweile als glücklicher Biobauer mit Frau Josefine den Reiserer-Hof in Oberneukirchen bewirtschaftet und mit seinen Tieren zugleich Landschaftspflege auf zehn Beweidungsplätzen in den Landkreisen Mühldorf und Altötting betreibt, lockt seine Schützlinge mit Leckerlis zur fast fertigen Beobachtungsinsel an die Straße nahe Gaymoos. Dort und an zwei weiteren Aussichtspunkten sollen bald Informationstafeln stehen, um vorbeikommende Besucher auf den Wert ambitionierter Landschaftspflege und der daraus resultierenden Artenvielfalt aufmerksam zu machen.

Das deckt sich mit den Interessen der Autobahndirektion Südbayern als Grundbesitzer, die den Tierhalter bei der vertraglich vereinbarten, auf Naturschutz ausgerichteten Pflege der Ausbreitungsfläche für die Isen-Hochwasser unterstützen muss.

Trotz windigen Nieselwetters blickt Matthias Reißaus überaus zufrieden auf seine munteren tierischen Landschaftspfleger, die unregelmäßig das Gelände abfressen und für eine gesunde Mischung aus Weiderasen, höherem Gras, Buschwerk, Schilf, Wassergräben und -lachen sorgen. Gerade beobachtet er die 800 Kilogramm schwere Wasserbüffelkuh Ilfi und ihre nicht minder Respekt einflößenden Gefährten, wie sie ungestüm durch Gestrüpp und Wasserlachen springen. Er sieht es gern, wenn sich die Büffel im Schlamm suhlen, Biobagger spielen und anstelle dichter Sumpfvegetation offene und besonnte Wasser- und Uferflächen für Laub-, Seefrosch, Eidechse & Co. schaffen.

Die weniger mächtigen Rasserinder, die mit ihren harten Hufen bestens für ihren Gang durchs unebene Gelände gerüstet sind, knabbern indessen genüsslich an trockenen Binsen, Sauergras und Baumspitzen. Pro Hektar der extensiv genutzten Weidefläche bedarf es einer „Großvieheinheit“, drückt es Matthias Reißaus im Fachjargon aus. Gewisse Grenzen setzt er dennoch den Vierbeinern in Form der von ihm regelmäßig kontrollierten Elektrozäune. Diese „Hütesicherheit“ wissen die Nachbarn zu schätzen und nicht zuletzt auch Mettenheims Bürgermeister Stefan Schalk, der den Biobauern ob seiner Zuverlässigkeit lobt.

Auch beim Schutz seltener Vogelarten auf der Weidefläche arbeiten Gemeinde und Matthias Reißaus gut zusammen. Für die Erhaltung dreier Kiebitz-Nester auf dem Pachtgebiet zahlt die Gemeinde heuer einen Betrag von jeweils 25 Euro und beteiligt sich so an der Aktion des Vogelschutzbundes und Bauernverbandes. Dass in der Flachmoorlandschaft noch viele weitere schützenswerte Brutvögel laut Roter Liste zu Hause sind, weiß am besten Vogelkundler Alexander Scholz, der diese hier regelmäßig vor Ort beobachtet. Ihn fasziniert es, wenn er Wasserralle, Wiesenpieper, Bekassine, Blau- und Braunkehlchen, Feldschwirl, Rohrammer und andere verlorengeglaubte Arten plötzlich hören und manchmal sehen kann. Das ist vor allem der Vielzahl der Insekten zu verdanken, die wiederum auf die Hinterlassenschaften der Reißausschen Weidetiere zurückgehen.

Die Einzigartigkeit dieses beweideten Offenlandes zu bewahren, den Artenreichtum zu fördern, die Menschen für diese Werte zu sensibilisieren und nicht zuletzt die Gesellschaft zum konsequenten Umdenken zu bewegen, das hat sich Landschaftsschützer Matthias Reißaus auf seine Fahne geschrieben. Denn: „Nur, was man kennt, schützt man auch!“, meint er. Deshalb kann er sich neben gezielten Führungen für Erwachsene auch sorgfältig begleitete Veranstaltungen für Ferienkinder in der neu erwachten Landschaft vorstellen.

Er selbst lebt seine Grundüberzeugung, dass immer mehr Landwirte und Landschaftspfleger aufeinander zugehen und die Umwelt schützen sollten.

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