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Waldkraiburger Wochenschau

Von anderen fordert AfD die Einhaltung von Regeln ein, die sie selbst verachtet

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Hans Grundner
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Bei ihrer Arbeit kommt den OVB-Reportern in Waldkraiburg allerhand unter: Menschelndes wie der runde Geburtstag des Altbürgermeisters und Menschenverachtendes wie die AfD-Aktion, die nicht einmal vor der Totenehre Halt macht. Von anderen fordert diese Partei Regeln ein, die sie selbst verachtet, findet unser Autor Hans Grundner.

Im Geburtstagsinterview mit unserer Zeitung hat es der Altbürgermeister eingestanden: Es war Liebe auf den zweiten Blick. Nein, natürlich nicht bei seiner Helga, die Siegfried Klika nach 54 Ehejahren noch immer anhimmelt wie am ersten Tag. Sondern bei Waldkraiburg.

Das kann ihm niemand verdenken. Der Siggi, der in den 1960er-Jahren vom Starnberger See kam, hat ein Weilchen gebraucht, bis er die Reize und Vorzüge der spröden Industriesiedlung im Landkreis Mühldorf erfassen konnte. Auch dabei hat ihm seine Helga auf die Sprünge geholfen. Schlagartig hat sich seine Sicht auf Waldkraiburg verändert, als er sie kennenlernte.

Integration gelingt, wo Menschen offen aufeinander zugehen

Ja, auf die Menschen kommt es an. Das war auch bei Bernd Fabritius so, als er 1984 mit seiner Familie aus Siebenbürgen in Rumänien nach Deutschland, Bayern, Waldkraiburg aussiedelte und neu anfing. Heute ist der Mann Vertriebenenpräsident und Migrationsbeauftragter der Bundesregierung und verbindet mit Waldkraiburg positive Erinnerungen, schwärmt von einem unbeschreiblichen Gefühl von Freiheit.

Das können wohl nur jene verstehen, die – wie er und viele Deutsche aus Rumänien und anderen kommunistischen Staaten – einem menschenfeindlichen, diktatorischen Regime den Rücken gekehrt hatten. Die wussten und wissen, was Freiheit und Demokratie wert sind.

Und dass Beheimatung und Integration keine Einbahnstraße ist, sondern ein Aufeinander-Zugehen. Jeder, der neu kommt, muss wissen, dass er einen Beitrag leisten muss, um dazuzugehören. Und wer schon da ist, auch. Damit die Neuen sich bald zurecht finden und sich ohne Scheu einbringen, was von ihnen ja erwartet wird. Integration gelingt dort besonders gut, wo Menschen offen und auf Augenhöhe mit einander umgehen. Waldkraiburg beweist bis heute immer wieder, wie gut das gehen kann.

Deutschland – ohne zynische rechte Regelverächter

„Unser Land. Unsere Regeln.“ Plakatiert draußen auf den Straßen Waldkraiburgs eine Partei, die wieder in den Bundestag will. Welche Regeln? Die Regeln, gegen die Vertreter derselben Partei in den vergangenen vier Jahren regelmäßig im Parlament verstoßen haben, wie es ihnen gerade gefällt? Die Regeln des Anstands, die die Vertreter dieser Partei zuletzt auf unsägliche Art mit Füßen getreten haben, als sie den tragischen Tod eines jungen Mannes aus dem Landkreis Mühldorf in übelster Absicht für ihre Impfgegner-Propaganda missbrauchten?

Nach einem schweren Krebsleiden ist ein junger Mann aus dem Landkreis Mühldorf gestorben. Der AfD-Kreisverband Altötting hat seinen Tod missbraucht, indem er einen Zusammenhang zur Corona-Impfung zieht.

„Deutschland, aber normal“ – steht auch auf den AfD-Plakaten. Das wünschen sich viele, die derlei geschmacklose Aktionen satt haben: Deutschland, aber wieder normal – ohne zynische rechte Regelverächter, ohne ständige provozierende Entgleisungen und kalkulierte Tabu-Brüche.

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