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Waldkraiburger Wochenschau: Der gute alte Pranger

Hans Grundner
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Hans Grundner
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    VonHans Grundner
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In der Waldkraiburger Wochenschau erinnert unser Autor aus gegebenem Anlass an ein bewährtes Erziehungsinstrument aus dem Mittelalter: den Pranger. Mit all seinen Vor- und Nachteilen, die den Menschen des 21. Jahrhunderts nur allzu bekannt sind.

So eine Schweinerei. Diese Saubären, die ihre Zigarettenkippen fallen lassen, wie und wo es ihnen gefällt. Wer ärgert sich nicht über die Verschandler der Natur und Verschmutzer von Straßen und Plätzen, denen kaum beizukommen ist? Da könnte man..., genau: Nicht nur bei geschichtskundigen Leuten könnte da der Wunsch aufkommen, den Pranger zu reaktivieren. Wenigstens versuchsweise.

Wer für jede Kippe und jeden Kaugummi, den er achtlos auf den Bürgersteig ausgespuckt hat, nur ein paar Minuten am Schandpfahl den Schmähungen der Passanten ausgesetzt wäre, würde sich vermutlich beim nächsten Mal gut überlegen, ob er für seine Hinterlassenschaften oder auch die seiner vierbeinigen Begleiter nicht doch lieber für eine sozial verträgliche Entsorgungsvariante entscheidet.

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In Kraiburg, wo sich der Gemeinderat grade mit dieser ekelhaften Thematik befassen musste, würde sich der Pranger natürlich besonders gut einfügen ins historische Marktbild. Vermutlich könnte die rührige Bürgermeisterin damit sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, für ein blitzblankes Erscheinungsbild des Ortes sorgen und den Markt zum Erlebnis-touristischen Hotspot machen. Umweltsünder im rauen Büßergewand vor dem Portal der Bartholomäus-Kirche – ohne Frage, das hätte Event-Charakter.

Bei entsprechender Nachfrage der Tourismuswirtschaft nach mittelalterlicher Alltagskultur ließe sich der Kanon der Ehrenstrafen, die am Pranger vollstreckt werden, problemlos erweitern, um Falschparker oder Corona-Leugner.

Mühldorf, Haag, Neumarkt könnte aufspringen auf den Trend. Auch dort hätte der Pranger geschichtlich gesehen einen natürlichen Sitz im Leben. Nur die Waldkraiburger, die könnten wieder mal das Nachsehen haben. An Umweltsündern, Saubären, die ganze Haushalte wild an Wertstoffinseln ablagern, fehlt es in der Stadt zwar nicht, aber am historischen Umfeld. Wo bitte soll Waldkraiburg ein authentisches Pranger-Ambiente schaffen? Am brutalistisch betonierten Rathaus des 20. Jahrhunderts vielleicht?

Das funktioniert nicht. Das leuchtet jedem ein. Und bei näherem Hinsehen wahrscheinlich auch, dass das mit dem Pranger, so verständlich der Wunsch nach wirksamen Strafen sein mag, keine ernsthafte Option sein kann. Bleiben wir lieber beim Bußgeld.

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Im Übrigen: Wir haben ihn ja längst, den Pranger. Er feiert fröhliche Urständ. Ekelhaft. Der Schandpfahl des 21. Jahrhunderts steht im Internet. Man muss gar nichts falsch gemacht haben, um daran angekettet zu werden. Es reicht, eine Meinung zu vertreten, die irgendwelchen Kreuz- und Querdenkern nicht passt. Schon setzt es Beleidigungen, Beschimpfungen, Drohungen. Und die „Passanten“ in den sozialen Netzwerken, die nicht müde werden, ihre Schmährufe unters Volk zu bringen, geben sich oft nicht einmal zu erkennen.

So hässlich ist, was da an geistiger Umweltverschmutzung ausgekippt wird, dass die analoge Variante, der gute alte Pranger aus dem angeblich so finsteren Mittelalter, beinahe sympathisch wirkt.

J.Grundner@ovb.net

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