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GLOSSE

Waldkraiburg und die Welt: Es wäre zum Haare raufen, wenn man welche hätte

Auch dieser Zeitungsleser wird sich selbst bei bestem Willen nie mehr an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen können.
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Auch dieser Zeitungsleser wird sich selbst bei bestem Willen nie mehr an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen können.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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In der Waldkraiburger Wochenschau rauft sich unser Autor Hans Grundner aus gegebenem Anlass das spärliche Haupthaar, ordnet den Lockdown kultur- und religionsgeschichtlich ein und lässt den Leser schließlich an seinen Erfahrungen beim trendigen Homecutting teilhaben.

Als der liebe Gott – lang ist’s her – in seinem richtungsweisenden Schöpfungswerk die Accessoires verteilte, wurden einige Stammväter reichlich bedacht. Andere dagegen hat der Unergründliche aus unerfindlicher Ursache damals äußerst kurz gehalten. Mangel und Überfluss wurden über Jahrtausende hinweg weitergegeben, von Generation zu Generation. Die Folgen sind bis auf den heutigen Tag unübersehbar.

Zeugen eines unausweichlichen Verfallsprozesses

Die einen Herren der Schöpfung tragen mächtige Mähnen, sind bis ins hohe Alter mit üppigem Haupthaar ausgestattet oder – um der Provokation die Krone aufzusetzen – mit verspielt onduliertem Schopf unterwegs. Hier: Frisuren, die halten. Dort: Freie Sicht auf blanken Grund, von Restbeständen mühsam kaschiert. Jeden Tag aufs Neue starren fassungslose Zeugen eines unausweichlichen Verfallsprozesses in die Spiegel dieser Welt. Zermürbt von der Gewissheit, sich selbst bei bestem Willen nie mehr an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen zu können.

Kein Sozialgesetz, kein Gleichstellungsparagraf, keine Revolution hat an dieser Ungerechtigkeit der Natur je etwas ändern können.

Der Autor (vor dem Homecutting).

Bis der Lockdown nach Deutschland, nach Bayern und Waldkraiburg kam, um für einen kurzen Moment für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen. Während die üppig Gelockten und Gewellten bei den Hair-Stylern der Stadt verzweifelt vor versperrten Türen stehen, seit Wochen nicht wissen, was tun mit ihren Mähnen und Strähnen, spüren jene, die über Jahrtausende den Mangel, schüttere Reste, verwaltet hatten, in stiller Freude: Weniger ist manchmal mehr.

Jetzt schlägt die Stunde der Zu-Kurz-Gekommenen. In dieser Zivilisationskrise, die die Menschheit just am Sprung in eine digitalisierte Zukunft jäh zurückwirft in graue Vorzeit, als sich die Errungenschaften einer erfolgreichen, arbeitsteiligen Gesellschaft noch nicht herum gesprochen und Bahn gebrochen hatten. In die frühe Ackerbauerperiode, wo Wohnen und Arbeiten eins waren. Und Homeworking die Regel.

Homeworking, Homeschooling, Homecutting – all das ist gerade modern

Heimarbeit ist grade wieder modern. Homeworking, Homeschooling, Homecutting. Ja, was liegt näher, als auf diesen Trend auch bei der Haarpflege aufzuspringen? Selbst ein Waldkraiburger Zeitungsredakteur, dem der Ruf vorausgeht, handwerklich nur leidlich geschickt zu sein, wurde neulich grenzüberschreitend tätig. Vor dem großen Lockdown hatte er die Zeichen der Zeit erkannt und beim Kauf eines neuen Rasierapparats auf die multifunktionale Variante gesetzt.

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Bro Flow, Fade Cut oder derlei Schnickschnack verbieten sich – mangels Masse. Ja, das Ergebnis Marke „Kahlschlag konsequent“ wird für den Staatspreis im Friseurhandwerk vermutlich nicht reichen. Und doch überwiegt ein Gefühl, mit sich und Welt im Reinen zu sein, vor allem mit dem lieben Gott, der damals in seiner weisen Voraussicht alles recht gemacht hat.

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