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Startup-Unternehmer aus Taufkirchen

Vom All auf den Bauernhof - Taufkirchner entwickelt Hilfe für Landwirtschaft per Satellit

Christian Mittermaier ist einer der Gründer von Constellr.
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Christian Mittermaier ist einer der Gründer von Constellr.

Christian Mittermaier stammt von einem Bauernhof in Taufkirchen. Beruflich hat der Betriebswirt zwar nichts mit Landwirtschaft zu tun, seine Kenntnisse und Kontakte zur High-Tech-Szene stellt er aber in den Dienst der Landwirte.

von Jessica von Ahn

Taufkirchen – Mitte Februar ist eine Rakete auf den Weg zur internationalen Raumstation (ISS) gestartet.

Vier Tonnen Fracht wurden verschickt. Zwei Tage später kam sie sicher auf der Raumstation an.

Mit im Gepäck: Ein Spiegelteleskop mit Kamera und Computer zur Datenverarbeitung, entwickelt vom Startup Constellr. Mitbegründer Christian Mittermaier kommt aus Taufkirchen. Seine Eltern betreiben im Nebenerwerb eine Landwirtschaft.

Eine Kamera auf der ISS schaut Bauern zu

Die Kamera auf der internationalen Raumstation ist jetzt zwar weit entfernt, entspringt aber den Wurzeln des Taufkircheners: Die Kamera soll künftig den Wassergehalt von Pflanzen erkennen und Landwirten so beim Bewirtschaften helfen. „Oftmals sind die Blätter noch grün, aber die Wurzeln so trocken, dass es bereits zu Ertragsausfällen kommen kann“, sagt Mittermaier.

Nach dem Realschulabschluss in Waldkraiburg absolvierte der 29-Jährige eine Ausbildung, legte sein Abitur an der Berufsoberschule in Altötting ab. Schließlich studierte er an der LMU München Betriebswirtschaft und erhielt ein Stipendium der TU München.

Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft

Zwei Ansichten des gleichen Hofes: Auf der normalen Aufnahme sind Gebäude und Wiesen zu erkennen.
Zum Vergleich die thermische Aufnahme. Auf ihr können Fachleute erkennen, wie es den Pflanzen geht.

Im Rahmen einer Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft hat Mittermaier schließlich den Physiker Dr. Max Gulde und den Luft- und Raumfahrt-Ingenieur Marius Bierdel kennengelernt. „Neue Patente wurden da auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft“, erzählt Mittermaier von den Innovationstagen, die die Forschungsgesellschaft veranstaltet hat. „Max hatte eine Methode entwickelt, kosteneffizient und doch hochpräzise die Erde mithilfe von Thermalinfrarot zu beobachten. Das ist eine Temperaturmessung der Erdoberfläche im langwelligen Infrarotbereich aus dem Weltall.“

Zwar gibt es bereits die Möglichkeit, Felder oder auch Waldbrände aus dem Weltall zu betrachten. „Jedoch liefern die bisherigen Systeme entweder eine zu geringe räumliche Auflösung oder es fehlt ihnen an der notwendigen zeitlichen Relevanz.“

Damit ist die Dauer gemeint, bis der Satellit ein neues Bild des Feldes macht, sagt Mittermaier. Schließlich unterscheiden sich die Lösungen darin, wie oft das Bild von einem Landstrich aufgenommen wird, wie lange es dauert, bis die Bilder zum Anwender gelangen und wie hochauflösend und präzise die Messergebnisse sind.

Und dann kommt Mittermaier so richtig ins Schwärmen. Nicht nur den Wasserbedarf könne man ermitteln. Zusammen mit Aufnahmen anderer Satelliten und Messinstrumente ließe sich Landwirtschaft präzise betreiben.

Gesundheitszustand der Pflanzen erkennen

„Der gesamte Gesundheitszustand der Pflanzen, lässt sich ableiten: Der Bedarf an Düngern, Schädlingsbefall, Hitzestress“, verdeutlicht er. Auch könnte damit die Bodenanalyse unterstützt werden, um so das Bodenleben zu verbessern und gleichzeitig CO2 im Boden zu speichern. „Nur wenn Wasser, Pestizide und Düngemittel gezielt eingesetzt werden und auf die Erde geachtet wird, lässt sich ressourcenschonend und klimaresilient wirtschaften.“

Der Unternehmer ist sich sicher: Künftig werden Bauern auf solche Satellitenbilder angewiesen sein. Auch in Städten und Industriegebieten sieht Mittermaier Einsatzmöglichkeiten.

Schon 25 Mitarbeiter

Die Idee hat also Potenzial. Und so startete das Projekt Mitte 2018, im April 2020 gründeten die drei Männer ihr Unternehmen in Freiburg. Inzwischen beschäftigt das Startup 25 Mitarbeiter. Mittermaier entwickelte das Geschäftsmodell und den Businessplan, er kümmert sich nun um die Kundenkontakte und die Finanzplanung.

Eigenen Satelitten ins All schicken

Die Gründer konnten für ihr Vorhaben drei Kapitalgeber sowie mehrere öffentliche Fördergelder gewinnen: Kürzlich bewilligte die Rentenbank ein Darlehen von 800 000 Euro. Davon werden nun Teile für einen ersten Satelliten bestellt und die Entwicklung vorangetrieben. Dieser soll im Herbst 2023 seine Umlaufbahn einnehmen.

Vier Satelliten sollen ins All fliegen

Mindestens vier Satelliten wollen die Jungunternehmer ins All schicken. Bis es so weit ist, forschen die Macher von Constellr mit ihrem Prototyp an der ISS, werten Daten aus und bereiten sie für andere Unternehmen auf. Diese können sie dann Landwirten zur Verfügung stellen. „Ich wünsche mir, dass auf dem Bildschirm im neuen Bulldog von Papa steht: Mit Unterstützung von Constellr“, sagt der Taufkirchener.

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