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Coronaregeln im Freien

Verbote draußen sind gefährlich: Mühldorfer Arzt fordert völliges Umdenken im Corona-Kampf

Nur noch mit: Die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen in einigen Kommunen im Landkreis ist nicht nur bei Passanten umstritten. Auch ein pandemieerfahrener Arzt fordert, draußen mehr zu erlauben. Honervogt
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Nur noch mit: Die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen in einigen Kommunen im Landkreis ist nicht nur bei Passanten umstritten. Auch ein pandemieerfahrener Arzt fordert, draußen mehr zu erlauben.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Die Corona-Zahlen im Landkreis Mühldorf sind hoch, die Maßnahmen werden strenger, auch im Freien. Der Mühldorfer Arzt Peter Wapler hält die Regeln nicht nur für Quatsch, sondern sogar für gefährlich.

Mühldorf – Aktuell liegt der Landkreis Mühldorf auf Platz fünf in der Reihenfolge der am stärksten von Corona betroffenen Landkreise in Deutschland, gestern betrug der Inzidenzwert 339,2. Damit ist der Hunderttagewert der Corona-Neuinfektionen seit dem Tiefststand von 67,3 am 14. Februar fast ununterbrochen gestiegen. Am 10. April überschritt er die 200, seit 14. April liegt der Landkreis deutlich über 300. Als Konsequenz gibt es jetzt zusätzlich eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen.

Die ist umstritten, in Mühldorf und Waldkraiburg ignorieren nicht wenige die neue Vorschrift. Magdalena Bratu, Isabella Stasch und Selina Brandl sind auf dem Weg zum Waldkraiburger Stadtplatz.

Jugendliche kritisieren Draußenverbote

Die Schülerinnen fürchten, dass die neue Regel kontraproduktiv ist. „Die Leute treffen sich dann halt daheim und passen dort viel weniger auf.“ Die Folge: Mehr Ansteckungen. Das könne nicht im Sinne der Behörden sein. „Auch die Biergärten sollten wieder aufmachen“, finden sie. Junge Leute bräuchten Möglichkeiten, sich zu treffen.

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An genau diesem Punkt setzt Peter Wapler an. Er gehörte zu den ersten Ärzten im Landkreis, die sich auch außerhalb ihrer Praxis dem Kampf gegen Corona widmeten. Im Frühjahr 2020 war der Mühldorfer entscheidend am Aufbau und Betrieb der Notfallpraxis auf dem Volksfestplatz beteiligt.

Leute brauchen Hoffnung

Er hält den Kampf gegen das Virus weiter für eine herausragende Aufgabe. Zugleich betont er aber: „Die Leute brauchen Hoffnung. Und die gibt ihnen die Politik nicht.“ Dabei wäre das möglich, sagt Wapler und beruft sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse: Die Ansteckungsgefahr draußen ist danach äußerst gering. Tatsächlich haben Aerosolforscher erst in der letzten Woche darauf hingewiesen, dass sich Menschen im Freien höchst selten infizieren.

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Irische Wissenschaftler haben deren Zahl auf 0,1 Prozent aller Ansteckungen beziffert. Deshalb sagt er: „Die Maskenpflicht auf dem Stadtplatz ist Unsinn.“

Damit verbindet sich laut Wapler der Aspekt der Pandemiebekämpfung, die die Schülerinnen in Waldkraiburg angesprochen haben: „Man treibt die Leute nicht in die Innenräume, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, sich draußen legal zu treffen“, sagt Wapler. Ob Tennis, Reiten oder Biergarten: Begegnungsmöglichkeiten im Freien könnten helfen, Kontakte in Innenräumen zu senken. Denn je strenger drinnen die Einschränkungen seien, desto schneller sinken die Zahlen wieder.

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„Die jetzigen Restriktionen sind populistischer Aktionismus.“ Er erlebe in seiner Praxis zunehmend Menschen, die verzweifelt seien. „Sie sitzen bei mir und weinen, weil sie nicht mehr können.“ Ihnen müsse die Politik Zuversicht und eine Perspektive geben. Und die sei am leichtesten draußen zu finden.

Landrat verteidigt Maskengebot

Biergärten zu öffnen oder Sport zuzulassen – dafür ist das Landratsamt Mühldorf nicht verantwortlich, das ist Bundessache. Wohl aber für das Maskenverbot auf öffentlichen Plätzen. „Im Freien ist die Ansteckungsgefahr grundsätzlich geringer, daher gibt es auch keine generelle und unbeschränkte Maskenpflicht im Landkreis draußen“, sagt Landrat Maximilian Heimerl. „Aber an zentralen Begegnungsstätten halten sich Menschen gerne länger auf und kommen sich in Gruppen näher.“

Scheinbares Sicherheitsgefühl im Freien

Es bestehe ein scheinbares Sicherheitsgefühl, verteidigt er die Maßnahmen. „Daher ist die Gefahr im Freien größer, sich an solchen Plätzen anzustecken als beim Spazierengehen oder beim Joggen. Daher wurde eine Maskenpflicht an Orten festgelegt, an denen mehrere Menschen zusammentreffen und der Abstand nicht zuverlässig eingehalten werden kann.“

Maskenpflicht ist Teil von Maßnahmenbündel

Für ihn ist die Maskenpflicht Teil eines Bündels von Aktionen, die Verbote genauso umfassen wie schärfere Kontrollen, Impf- und Testangebote auch an diesem Wochenende. „All diese Maßnahmen sollen die Trendwende bringen“, sagt er. Er spricht von „konzertierten Gegenmaßnahmen“, die vor allem in Waldkraiburg umgesetzt werden Zu ihnen werden auch strengere Kontrollen gehören.

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