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„Hier herrscht noch kein WM-Fieber“

Unser Mann in Katar: Welche Hauptrolle ein Mühldorfer bei der Fußball-WM spielt

Stefan Vitzthum an seinem Arbeitsplatz. Von hier aus verteilt er die WM-Spiele an TV-Sender in 219 Ländern.
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Stefan Vitzthum an seinem Arbeitsplatz.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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Die erste Fußball-Weltmeisterschaft im Winter steht vor der Tür. Mit dabei in Katar ist auch ein Mühldorfer: Stefan Vitzthum. Er hat dabei eine entscheidende Aufgabe.

Mühldorf/Doha – Am 20. November startet die erste Winter-Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Auch ein Mühldorfer ist dabei. Stefan Vitzthum (48) hat in der Hauptstadt Doha eine entscheidende Aufgabe.

Was genau machen Sie bei der WM in Katar?

Stefan Vitzthum: Bei Weltmeisterschaften bin ich nicht in irgendeinem Stadion, sondern im International Broadcast Center IBC. Dort laufen alle Signale aus sämtlichen Stadien auf, werden geprüft, verarbeitet und an Fernsehsender in diesmal 219 Länder auf der ganzen Welt verteilt.

Außerdem betreiben die großen internationalen Sender ihre Studios im IBC, hier finden die Pressekonferenzen am Tag vor den Spielen statt und die Videoschiedsrichter sind hier. Auch für Social Media wird viel Material verarbeitet und gestreamt. Insgesamt arbeiten mehrere tausend Menschen im Sendezentrum.

Wie ist das Wetter in Doha, ist das Klima für unsere Nationalmannschaft erträglich?

Vitzthum: Es ist sehr heiß. Aktuell täglich zwischen 30 und 35 Grad bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit und auch nachts kühlt es höchstens auf 28 Grad ab. Natürlich ist alles klimatisiert, aber allein der Gang zur U-Bahn ist schon schweißtreibend. Die Nationalspieler spielen natürlich in klimatisierten Stadien, aber ihr tägliches Training im Team-Basecamp wird wegen der Hitze bestimmt eine Umstellung sein, schließlich kommen die europäischen Mannschaften gerade aus einem kühlen Herbstklima.

Mit der Hitze im Wüstenstaat hat Vitzthum zu kämpfen. Sogar nachts ist es noch 28 Grad heiß.

Können Sie während der Arbeit die Spiele sehen?

Vitzthum: Ich kann die Spiele schon verfolgen. In so einem Sendezentrum gibt es massenhaft Monitore. Allerdings sind bei so einer WM auch sehr viele Spiele dabei, die man nicht unbedingt sehen muss.

Wie ist die Stimmung vor Ort. Herrscht Fußballfieber?

Vitzthum: Obwohl in der ganzen Stadt überall WM-Fahnen wehen und alles WM-gebrandet ist, von der U-Bahn bis zu Werbetafeln, die die Fläche riesiger Hochhäuser einnehmen, herrscht aktuell noch kein WM-Fieber. Man sieht aber auch noch überhaupt keine Fußballfans hier.

Müssen Sie besondere Verhaltensregeln beachten?

Vitzthum: Wir hatten hier zu Beginn ein Briefing, was die Verhaltensregeln angeht. Da waren kuriose Sachen dabei. Zum Beispiel sollte man in der U-Bahn sitzend nicht die Beine übereinanderschlagen und dem Gegenüber somit die Schuhsohle zeigen, da das respektlos ist. Geahndet wird so was natürlich nicht. Dass man sich mit politischen Äußerungen zurückhalten sollte, hatten wir ja im Vorfeld schon gehört.

Ist Doha eine Großstadt wie andere auch?

Vitzthum: Ich habe noch nie eine so saubere Großstadt gesehen. Hier wirft keiner auch nur einen Kaugummi oder eine Zigarettenkippe auf den Boden.

Von Katars Hauptstadt Doha ist Vitzthum beeindruckt: „Ich habe noch nie eine so saubere Großstadt gesehen.“

War die Vergabe der WM an Katar richtig?

Vitzthum: Trotzdem bin ich der Meinung, dass es sehr fragwürdig ist, eine WM in ein solches Land zu vergeben, bei allen Dingen, die man mittlerweile gehört hat. Und ganze Stadien runterzukühlen ist natürlich gerade in diesen Zeiten, in denen wir so viel von Klimazielen und Energieeinsparungen sprechen, absolut absurd. Aber es geht einfach ums Geld. Es wird übrigens erwartet, dass die Spiele von bis zu fünf Milliarden Zuschauern weltweit verfolgt werden, was mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist.

Sind Sie Fan und haben Sie einen Tipp fürs Finale?

Vitzthum: Ich selbst bin Fußballfan und schon seit Kindheitstagen 1860-Fan. Ich habe selber als Stürmer beim RSV Mößling und später beim FC Mühldorf gespielt.

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Da ich beim Tippen meistens falsch liege, wäre mein Tipp fürs Finale Frankreich gegen Brasilien. In der Hoffnung, dass unsere Nationalmannschaft vielleicht doch ein Wörtchen mitreden kann.

In der ganzen Stadt wehen WM-Fahnen. Werbetafeln nehmen die Fläche riesiger Hochhäuser ein.

Sind Sie Weihnachten wieder daheim in Mühldorf?

Vitzthum: Ich bin seit Ende Oktober hier und bleibe bis zwei Tage nach dem Finale am 18. Dezember, also bis 20. Dezember. Weihnachten bin ich bei der Familie in Mühldorf. Im Januar geht es schon wieder mit der Handball-WM weiter. Dafür muss ich aber Gott sei Dank nicht weit weg, den Job kann ich von München aus erledigen.

Zur Person

Stefan Vitzthum (48) arbeitet seit über 25 Jahren freiberuflich in der Fernsehbranche. Früher als Cutter, mittlerweile als Bildmischer und TV-Regisseur, vorwiegend im Sportbereich. Dazu gehört die Übertragung von Handball-Bundesligaspielen oder die Sky-Bundesligakonferenz. 2006 war Vitzthum erstmals bei einer WM tätig, auch Europameisterschaften hat er schon betreut. Unter anderem im letzten Jahr ein Heimspiel in der Münchner Arena.

cl

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