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Chancen für die Region Mühldorf

Ukraine-Krieg und Corona-Krise: Warum der Tourismus in der Region Inn-Salzach immer beliebter wird

Gut ausgebaute und beschilderte Radwege kommen nicht nur Reisenden zugute. Für die Geschäftsführerin des Tourismusverbands profitieren auch Mühldorfer von den Angeboten für Gäste.
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Gut ausgebaute und beschilderte Radwege kommen nicht nur Reisenden zugute. Für die Geschäftsführerin des Tourismusverbands profitieren auch Mühldorfer von den Angeboten für Gäste.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Mühldorf – Der Tourismus hat sich nach Ansicht der scheidenden Chefin des Tourismusverbands Inn-Salzach, Andrea Streiter, zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Sie sieht auch durch Ukrainekrieg und Coronapandemie neue Chancen.

Wohin kann sich der Tourismus in der Region zwischen Coronakrise und Ukraine-Krieg entwickeln?

Andrea Streiter: Sie können und müssen auch als Parameter für eine Neuausrichtung des Tourismus verstanden werden. Nachhaltigkeit, Regionalität und Resilienz sind hier die wichtigsten Schlagworte. Die Reiselust der Menschen ist ungebrochen, aber Ziele werden bewusster und achtsamer gewählt, der Massentourismus verliert an Attraktivität. Vor diesem Hintergrund kann die Inn-Salzach Region als ländliche Destination bei Touristen und Tagesgästen gleichermaßen punkten, denn kurze Wege, Natur und Naherholung vermitteln ein Gefühl der Sicherheit.

Andrea Streiter.

Was müssen die Touristiker tun?

Streiter: Das beginnt schon bei einer persönlichen und authentischen Kommunikation, die das Lebensgefühl einer Region oder einer Unterkunft authentisch vermittelt. Es geht darum, Themen wie Besucherlenkung, lokale Wertschöpfung, fortschrittliche Mobilitätskonzepte oder Erlebnisgestaltung im öffentlichen Raum weiterzuentwickeln und voranzutreiben. Weg von der reinen Gästeausrichtung, hin zu ganzheitlichen Überlegungen, in denen die Belange der Einheimischen gleichberechtigt berücksichtigt werden.

Welche Angebote gibt es, die diese Voraussetzungen erfüllen?

Streiter: In den vergangenen Jahren wurden verschiedene touristische Produkte vom Verband gefördert und entwickelt. Schauspielstadtführungen in Mühldorf zum Beispiel, aber auch geführte Stand-Up-Paddeling-Touren auf Inn und Salzach, eine Bier-Wallfahrt nach Altötting oder interaktive GPS-Abenteuerwege. Zudem haben wir in den letzten Jahren konsequent an unserer radtouristischen Ausrichtung gearbeitet.

Gibt es schon Erfahrungen mit den neuen Angeboten?

Streiter: Besonders gefragt sind unsere 24 Themen-Radtouren quer durch die Region. Dass das Radtourismus-Konzept in der Region Inn-Salzach stimmig ist, bestätigt auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und hat die Radregion Inn-Salzach mit dem Qualitätssiegel Rad-Reise-Region ausgezeichnet. Das Qualitätssiegel setzt einen deutschlandweiten Standard und gibt dem Radurlauber eine Orientierungshilfe bei der Wahl des Urlaubsziels. Nur Regionen, die nachhaltig die Planung ihrer Radwege und ein darauf abgestimmtes touristisches Angebot über Jahre vorangetrieben haben, werden mit dieser Qualitätsauszeichnung belohnt. Auf Radfahrer eingestellt haben sich auch die Gastgeber der Region. Insgesamt 25 „Bett und Bike“-Betriebe haben sich zertifizieren lassen – die höchste Zahl an radfreundlichen Unterkünften in ganz Oberbayern.

Auch interessant: Wie der Tourismusverband Inn-Salzach die Zeit nach der Corona-Pandemie einschätzt

Wer in der Region profitiert davon?

Streiter: Gäste und Einheimische. Dazu kommen Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleistende oder Zuliefernde wie regional Produzierende und Handwerksbetriebe, es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiert. Tourismus spielt auch als Standortfaktor eine wichtige Rolle. Da bietet es sich für Unternehmen an, wenn man mit einem hohen Freizeitwert, einem reichen Kulturleben und familienfreundlichen Angeboten am Standort punkten kann. Unsere Gastgeber wiederum profitieren neben ihren touristischen Gästen auch von vielen Geschäftsreisenden.

Bei Regionalität spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. Auch im heimischen Tourismus?

Streiter: Das Thema Nachhaltigkeit in all seinen sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten spielt eine große Rolle, um sich zukunftsfähig aufzustellen und die regionale Wertschöpfung zu steigern. Das Preisargument spielt natürlich immer eine wichtige Rolle im touristischen Vertrieb, aber die Auswahl unserer Produkte und Angebote sollte künftig stärker unter Einhaltung von Standards in Bezug auf Nachhaltigkeit stehen.

Was ist Ihr größter Wunsch für die Region?

Streiter: Für die Tourismus-Region Inn-Salzach wünsche ich mir noch mehr mutige Akteure und Investoren, die das regionale Potential erkennen und neue attraktive Freizeit- und Lebensräume gestalten, von denen alle Akteure (Einheimische, Gäste, Unternehmen) profitieren.

Tourismus in Zahlen: Reisen mit 233 Millionen Euro Umsatz ein Wirtschaftsfaktor

2019 gab es 600 000 Übernachtungen, 227 649 Gästeankünfte und 7,8 Millionen Tagesgäste der Region Inn-Salzach. Sie brachten einen Umsatz von rund 233 Millionen Euro. Jeder Übernachtungsgast gibt pro Tag laut einer Studie durchschnittlich 134 Euro aus. Der Tagestourismus mit 7,8 Millionen Gästen kommt nach Angaben von Andrea Streiter Hotels und Gaststätten, Dienstleistern, Handwerks- und Handelsbetrieben zugute und spült durch 22 Millionen Euro Steuereinnahmen auch Geld in die Kassen der Städte und Gemeinden.

Der Tourismus in der Region Inn-Salzach sichert laut Streiter 3680 Arbeitsplätze.

Im Jahr 2021 konnte die Region Inn-Salzach insgesamt 300 584 Übernachtungen verzeichnen. Nach einem lockdownbedingten sehr schwachen ersten Halbjahr 2021, das noch schlechter als das erste Halbjahr 2020 war, kam das zweite Halbjahr 2021 immerhin wieder in die Nähe eines Normaljahres. Camping, Urlaub auf dem Bauernhof oder Ferienwohnungen konnten nach Angaben Streiters im zweiten Halbjahr 2021 sogar Umsatzsteigerungen gegenüber dem zweiten Halbjahr 2019 verzeichnen.

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