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Im Landkreis Mühldorf

Wenn die Jugend (keine) Politik macht: Nur wenige Jugendliche gehen zur U18-Bundestagswahl

Engagieren sich in der Jugendpolitikgruppe vom Kreisjugendring: Leiterin Sophia Aigner, Besa Murati und Samira Lübben.
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Engagieren sich in der Jugendpolitikgruppe vom Kreisjugendring: Leiterin Sophia Aigner, Besa Murati und Samira Lübben.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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  • Kirsten Meier
    Kirsten Meier
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Dem Klimaschutz messen viele Jugendliche eine große Bedeutung bei. Das hat sich auch bei der U18-Bundestagswahl im Landkreis Mühldorf abgezeichnet. Was aber enttäuscht hat, war die Wahlbeteiligung: Nur 13,7 Prozent aller Jugendlichen hat die Chance genutzt und sein Kreuzchen gemacht.

Waldkraiburg – Wenige Tage vor der Bundestagswahl stehen die Ergebnisse bereits fest. Zumindest die, wie Jugendliche unter 18 Jahren gewählt hätten. Während der Bayerische Jugendring mit 68.000 Teilnehmern eine Rekordbeteiligung an der U18-Bundestagswahl verzeichnet, zeigt sich im Landkreis ein Desinteresse an der Politik: Nur 919 Jugendliche setzten ihr Kreuz bei der Wahl, die der Kreisjugendring (KJR) in Waldkraiburg organisierte. Nicht einmal jeder Sechste der Wahlberechtigten. Ein Thema treibt aber viele um.

„Für uns ist Klimaschutz enorm wichtig. Desto früher wir in der Politik mitsprechen dürfen, umso schneller kann man zu Themen wie Klimaschutz etwas voranbringen“, ist die 17-jährige Samira Lübben aus Soyen überzeugt. Sie engagiert sich mit fünf weiteren Jugendlichen bei der Jugendpolitikgruppe des Kreisjugendrings in Waldkraiburg. Klima-, Umwelt-, Natur-, und Tierschutz ist nicht nur der 17-Jährigen eine Herzensangelegenheit, sondern auch der 15-jährigen Besa Murati aus Waldkraiburg.

Politik erst spät Thema an Schulen

Solche Themen sollten in ihren Augen mehr Beachtung in der großen Politik finden. Umgekehrt ist jedoch bei Jugendlichen das Interesse an der Politik gering. Nur 13,7 Prozent haben bei der U18-Wahl im Landkreis ihre Stimme abgegeben – obwohl im Vorfeld der Kreisjugendring viel dafür geworben hat. „Zu den Gründen können wir nur Vermutungen anstellen“, sagt KJR-Geschäftsführerin Andrea Lübben. Dass man aber Jugendliche durchaus für Politik interessieren könne, hätten die Teilnehmer der KJR-Wahlgruppe gezeigt. „Sie wollen verstehen, was passiert und daran partizipieren“, sagt Lübben. Doch es braucht auch ein Verständnis dafür, das gefördert werden muss.

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Auch die beiden Mädchen sind der Ansicht, dass Politik stärker in den Fokus rücken sollte. „Es sollte schon viel früher darüber gesprochen werden.“ Stattdessen spiele Politik erst spät eine Rolle im Schulunterricht. Ganz anders in manchen Familien.

„Bei uns zu Hause sprechen wir viel über Politik. Vor der Bundestagswahl verstärkt“, sagt Samira Lübben. Wo Politik zu Hause kein Gesprächsthema ist, der könne sich in der Jugendpolitikgruppe seine politische Meinung bilden. Lübben ist, wie auch Murati, schon seit der Gründung der Jugendpolitikgruppe in Waldkraiburg dabei. „Politik betrifft uns alle. Wenn man die Chance hat, bei der U-18 Wahl mitzumachen, dann sollte man das nutzen“, sagt Besa Murati. Dass Jugendliche kein Mitspracherecht haben, bedauert sie. „Die Jugendlichen sind doch die Zukunft des Landes.“ Deshalb wünscht sie sich, dass man schon ab 16 Jahren wahlberechtigt ist.

Alles rund um die Bundestagswahl 2021 finden Sie in unserem Dossier.

„Es ist sehr wichtig, dass die Wahlbeteiligung der jungen Generation möglichst hoch ist. Sie sind zahlenmäßig der älteren Generation unterlegen. Je höher die Wahlbeteiligung ist, umso höher ist ihre Chance, politisch Einfluss zu nehmen“, erklärt Sophia Aigner (25) vom Kreisjugendring. Sie leitet die Jugendpolitikgruppe und weiß, dass das Thema Politik die Jugend sehr wohl beschäftigten kann. „Man sah bei den U-18-Wahlen, dass Themen wie Umwelt und Tierwohl sehr wichtig sind und sie sich damit befassen.“

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Ginge es nach den Jugendlichen deutschlandweit, würde die Tierschutzpartei sogar in den Bundestag einziehen. Im Landkreis Mühldorf haben sie knapp die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt. Die stärkste Partei war hier die CSU, gefolgt von den Grünen. Deutschlandweit lagen die Grünen auf Platz eins, gefolgt von SPD und CDU/CSU. Die U18-Wahl fand heuer zum ersten Mal flächendeckend im Landkreis Mühldorf statt.

Vermutungen über die Gründe

Angesichts der niedrigen Beteiligung sieht Andrea Lübben Handlungsbedarf. „Ist es einfach nur Desinteresse oder ist die Jugend überfordert einzuschätzen, welche Partei für was steht? Verstehen sie die Zusammenhänge? Oder wählen sie bewusst nicht, weil es in ihren Augen nichts bringt? Über die Gründe können wir bislang nur vermuten.“ Darauf aufbauend will der KJR neue Angebote entwickeln, denn: „Die Jugendlichen sind bald Wahlberechtigte. Und diejenigen, die schon immer zur Wahl gehen, werden weniger.“

Interview mit Sophia Aigner: „Den Jugendlichen das Wissen an die Hand geben“

Wie beurteilen sie das Wahlergebnis?

Sophia Aigner: Wir waren ein wenig darüber enttäuscht. Schließlich hatte der Kreisjugendring sehr viel unternommen, die Jugend für das Thema Politik zu begeistern. Wir waren an Schulen, boten Bildungsangebote an. Wir waren in zehn Schulklassen und machten Workshops zum Thema Demokratie und Politik. Das Feedback der Schulen und Jugendlichen zeigte uns, dass sie das toll fanden. Trotzdem haben die meisten Jugendlichen ihre Chance nicht genutzt, ihre politische Stimme abzugeben. Woran es lag, wissen wir leider nicht.

Die Wahlen sind nun vorbei. Wie geht es politisch mit der Jugend im Landkreis weiter?

Aigner: Unsere Politikjugendgruppe vom Kreisjugendring wird auch weiterhin aktiv bleiben. Der Kreisjugendring ist überparteilich und völlig neutral. Mir geht es darum, dass wir die Jugendlichen aufklären und ihnen das Wissen an die Hand geben, welche Partei sie selbst wählen würden. Die Jugendpolitikgruppe bietet ihnen die Möglichkeit, Dinge zum Guten zu verändern, ohne sich für eine Partei entscheiden zu müssen. Sie können auch neutral bleiben.

Sind weitere Aktionen geplant?

Aigner: Am kommenden Donnerstag sind wir beim Jugendzentrum in Haag und machen dort eine Party für die Jugendlichen unter dem Titel ´Cocktails und Politik`. Die Getränke sind selbstverständlich alkoholfrei. Wichtig ist uns, dass wir auch in Zukunft politische Aufklärung betreiben.

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