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ENERGIEWENDE

Trotz Kritik von Bauern: Gemeinderat Kraiburg gibt grünes Licht für zwei Solarparks

Der Einstieg in die Energiewende: Im Kraiburger Ortsteil Ensdorf sollen gut 14 Hektar landwirtschaftlicher Grund in Fotovoltaik-Freiflächenanlagen umgewandelt werden. Es sind die ersten Solarparks im Gemeindegebiet. Einstimmig hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen.
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Der Einstieg in die Energiewende: Im Kraiburger Ortsteil Ensdorf sollen gut 14 Hektar landwirtschaftlicher Grund in Fotovoltaik-Freiflächenanlagen umgewandelt werden. Es sind die ersten Solarparks im Gemeindegebiet. Mit klarer Mehrheit hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Fotovoltaik-Flächen in der Größe von 20 Fußballfeldern sollen in Ensdorf entstehen. So hat es der Gemeinderat Kraiburg beschlossen. Doch auch die Frage nach einer Begrenzung der Flächen für Solarnutzung wurde laut.

Kraiburg – Nach intensiven Diskussionen und trotz Kritik von Landwirten hat der Marktgemeinderat Kraiburg grünes Licht für zwei Solarparks im Bereich des Ortsteils Ensdorf gegeben.

Mit deutlicher Mehrheit bei einer Gegenstimme von Kathrin Seidinger (CSU) votierte das Gremium dafür, in die Bauleitplanung für die Fotovoltaik-Freiflächenanlagen auf einer Fläche von insgesamt gut 14 Hektar einzutreten. Doch in der Sitzung wurde auch die Frage aufgeworfen, wo die Grenzen für die energiewirtschaftliche Nutzung von landwirtschaftlichem Grund im Gemeindegebiet liegen.

Braunkohle und Atomstrom aus dem Ausland sind keine Lösung

Wo soll die klimaschützende Energiewende herkommen? Weder Braunkohle noch Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien seien eine Lösung, so Bürgermeisterin Petra Jackl (CSU). Sie sieht in den Fotovoltaik-Anlagen den Beitrag, den Kraiburg für den Klimaschutz leisten könne.

Viele Nachteile

Dabei gibt es eine Reihe von Nachteilen. Jackl nannte optische Reflexionen durch die Module, die Nachbarn befürchten. Das Gelände sei eingezäunt, könne nicht mehr betreten werden, falle für die Naherholung weg.

Und es bestehe eine Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nutzung. „Auch mir wäre lieber Braugerste auf guten Ackerböden.“ Doch es könnten dort ebenso Energiepflanzen angebaut werden, Mais für Biogasanlagen, die einen ungleich geringeren Energieertrag bringen als Solarparks.

Noch mehr Vorteile

Die Vorteile überwiegen aus Sicht der Bürgermeisterin. „Das ist ein Schritt in Richtung Energieautarkie. Die regionale Wirtschaftskraft wird gestärkt.“ Stark beanspruchte Böden können sich mit PV-Anlagen wieder biologisch regenerieren.

Das fördere die Artenvielfalt auch auf umliegenden landwirtschaftlichen Flächen, wegen des Wasserrückhalts und der Insektenbestäubung.

Einnahmequelle für Bauern, Bürger und Gemeinde

Und die Anlagen sind eine interessante Einnahmequelle für die Kommune. Bei einer genossenschaftlichen Betreiberstruktur bleiben 90 Prozent der Gewerbesteuer vor Ort.

Die Bürgerbeteiligung, die verhindert, dass dubiose Investoren einsteigen, ist ein Kriterium, das der Gemeinde zur Voraussetzung für diese Projekte macht. Die Anlagen müssen sich zudem ins Landschaftsbild einfügen. Und die Flächen sollen im Eigentum der Bauern bleiben. Diese Kriterien sind im aktuellen Fall erfüllt.

Die Bonität der Böden sei nicht entscheidend, so Jackl. Denn die Gemeinde habe keinen Einfluss darauf, was angebaut werde.

Landwirte sehen Projekt kritisch: Beste Ackerböden gehen verloren

Für großen Ärger unter Landwirten hatten im Vorfeld Aussagen des stellvertretenden Vorsitzenden der Energiegenossenschaft , Christoph Strasser, gesorgt, wonach es sich bei den Flächen in Ensdorf um wenig ertragreiche Böden handle. „Das sind beste Ackerböden, kein minderwertiger Grund“, betonte etwa Landwirt Georg Fürstenberger, der sich wie einige seiner Kollegen deshalb bei der Zeitung meldete. Die Flächen würden zudem derzeit für aktive Landwirtschaft genutzt.

BBV-Ortsobmann Josef Mitterreiter stellte gegenüber der Zeitung klar, dass er „zum jetzigen Zeitpunkt nicht für diese Anlagen“ sei. „Wir können nicht landwirtschaftliche Flächen mit Fotovoltaik zubauen. Es stehen auch noch Dach- und Industrieflächen zur Verfügung.“ Der BBV-Kreisvorsitzende Ulrich Niederschweiberer hatte die Solarparks in Ensdorf befürwortet.

Eine Frage des Maßes

Von „guten Ackerböden“ sprach auch Gemeinderat Anton Voglmaier (CSU), selbst Landwirt. Er stellte sich dennoch hinter die Projekte. Ihm kommt es auf das richtige Maß an. Zunächst war nach seinen Worten bei einem Antragsteller allein von 25 Hektar die Rede. „Da wäre ich dagegen gewesen.“

Lesen Sie auch: Ein Platz an der Sonne: Bürger finanzieren eigenen Solar-Park

Für Kathrin Seidinger (CSU), die als einziges Gemeinderatsmitglied gegen das Projekt stimmte, sind 14 Hektar schon eine „sehr große Fläche“, die für die Landwirte verloren sei und die Pachten in die Höhe treibe.

Mehrere Gemeinderäte stellten sich ausdrücklich hinter das Projekt. Franz Kifinger (UWG) hob hervor, die Leistung einer Solaranlage sei um ein Vielfaches höher als bei Biogasanlagen. Um mit diesen einen ähnlichem Energieertrag zu erzielen, müsste der Nahrungsmittelproduktion „viel mehr Fläche entzogen werden“.

Wo ist die Grenze nach oben?

Bürgermeisterin Petra Jackl sieht große Vorteile in dem Projekt.

Gerhard Preintner (UWG) und Zweiter Bürgermeister Werner Schreiber (SPD) tragen die Weg weisende Entscheidung aus voller Überzeugung mit. „Wir müssen aber auch sagen, wo die Grenzen sind“, so Preintner, der mit weiteren Anträgen rechnet. Es brauche „eine Bremse nach oben“, so Schreiber.

Die Bürgermeisterin stellte die 14 Hektar, die für die Solarparks genutzt werden sollen, den 1350 Hektar landwirtschaftliche Flächen im gesamten Gemeindegebiet gegenüber. Ob der Markt eine Flächenbegrenzung festlegen soll, darüber will sie in einer späteren Sitzung entscheiden. Jackl deutete an, dass sie sich eine Begrenzung auf zwei bis drei Prozent der Flächen vorstellen kann. Bei allen Anträgen gehe es aber um eine Einzelfallentscheidung.

So groß wie 20 Fußballfelder

Die Solarparks sollen auf drei Flächen im Ortsteil Ensdorf entstehen, die zwei Landwirten gehören. Die größere Fläche misst knapp sieben Hektar, die beiden kleineren, die nicht zusammenhängen, insgesamt 7,5 Hektar. Zusammen entspricht dies einer Fläche von etwa 20 Fußballfeldern.

Entwickelt und geplant werden die Anlagen von der Firma MaxSolar, betrieben von einer Genossenschaft, der Energiegenossenschaft Inn-Salzach (EGIS), an der sich Bürger aus Kraiburg beteiligen können. Über ihre Arbeit und die Möglichkeiten der Beteiligung berichtet die EGIS in einer Informationsversammlung für interessierte Bürger. Ein Termin steht dafür noch nicht fest.

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