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Selbsttest

Im Kreis Mühldorf testen sich Schüler selbst auf Corona, Schulleiter fürchten dennoch Risiken

Edanur Can und Jamie Freimoser waren zwei von fünf Jugendlichen, die sich gestern in der zehnten Klasse der Mittelschule Mühldorf selbst testeten. Die Selbsttests sollen zu mehr Coronasicherheit führen, reichen nach Ansicht der Lehrer aber nicht.
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Edanur Can und Jamie Freimoser waren zwei von fünf Jugendlichen, die sich am Montag in der zehnten Klasse der Mittelschule Mühldorf selbst testeten. Die Selbsttests sollen zu mehr Coronasicherheit führen, reichen nach Ansicht der Lehrer aber nicht.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Seit Montag (22. März) können sich Schüler in den Schulen im Landkreis Mühldorf selbst auf Corona testen. Damit soll sicherer Unterricht möglich werden. Schulleiter und Lehrer halten das für zu wenig.

Landkreis Mühldorf – Erster Tag der Corona-Selbsttests an Schulen im Landkreis Mühldorf. Nur kurz verzieht Edanur Can das Gesicht, als sie sich das dünne Stäbchen in die Nase schiebt. Sie dreht es, genau fünfmal, so wie im Erklär-Video beschrieben, das Lehrerin Margit Holzapfel zu Beginn der Schulstunde gezeigt hat. Dann kommt das andere Nasenloch dran, bevor das Teststäbchen in die Testlösung getaucht wird.

Nur die Hälfte der Schüler testet sich selbst

Edanur Can sitzt zusammen mit neun anderen Jugendlichen im Klassenzimmer der 10b der Mittelschule Mühldorf. Die Abschlussschüler sind seit Wochen im Wechselunterricht. Am Montag stand zum ersten Mal ein Corona-Selbsttest an. Lehrerin Holzapfel hat ihn akribisch vorbereitet und den Test an sich selbst ausprobiert.en

Jamie Freimoser taucht den Teststab in die Flüssigkeit ein, die einen Coronainfektion anzeigen soll.

Zustimmung der Eltern ist nötig

Auf ihrem Pult liegen Einverständniserklärungen der Eltern, fünf von zehn Kinder haben sie dabei. Die anderen: vergessen, die Eltern wollen nicht, Schulterzucken. Wer die Zustimmung der Eltern hat, hat zweimal in der Woche die Möglichkeit zum Test.

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Die Kinder müssen den Test alleine durchführen, erläutert Schulleiterin Regina Horning. „Die Lehrer dürfen nicht eingreifen, sondern nur anleiten.“ Während die Kinder auf die Ergebnisse ihrer Tests warten, macht Holzapfel klar, dass sie dringend ein Angebot des Staates erwartet, das über das Testen hinaus geht: einen Impftermin. Die 63-Jährige unterricht bereits seit Wochen ihre Abschlussklasse, die stellvertretende Schulleiterin Pia Gierden nennt das „ein bisschen riskant“. Denn wenn der Schnelltest anschlage, sei es unter Umständen schon zu spät.

Lehrerin: Unverschämt, dass es kein Impfangebot gibt

Holzapfel wird deutlicher. Sie nennt es „unverschämt“, dass es derzeit kein Impfangebot für Lehrer an weiterführenden Schulen gibt. Priorisierungsgruppe drei, nach derzeitigem Impfverlauf kann es noch Wochen dauern, bevor sie sich wirklich schützen kann. „Dabei stehen wir jeden Tag vor den Schülern.“

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Wie dicht Lehrer an den Infektionen dran sind, zeigen die Erfahrungen der Mittelschule. Im Dezember 2020 mussten laut Horning alle neunten Klassen in Quarantäne. Deshalb erwartet Holzapfel dringend ein Impfangebot im gleichen Maße, wie es Lehrer an Grundschulen erhalten sollen, die eine Priorisierungsstufe höher einsortiert sind. So lange bleibt Lehrern nur der morgendliche Schnelltest, die die Mittelschulsekretärin durchführt, eine gelernte Arzthelferin.

Ein grundsätzliches Problem, Kinder zu testen oder Selbsttests anzubieten, sehen die Lehrerinnen im Gegensatz zum bayerischen Elternverband (BEV) nicht. Zuletzt hatte der BEV mobil gemacht, von „Beunruhigung und Verunsicherung“ gewarnt, davor, dass Kinder ihre Persönlichkeitsrechte verlören, im Fall eines positiven Tests bloßgestellt würden.

Es kitzelt: kein Kind hat geweint

Martin Wiedemannott, Rektor der Grundschule in Mühldorf, hat schon seit Wochen Erfahrungen mit den Tests. „Seit zwei Monaten testen wir die Kinder in der Notbetreuung, auf freiwilliger Basis.“ Anfangs seien die Eltern zögerlich gewesen, dann seien es immer mehr geworden, die ihre Zustimmung erteilt hätten. „Den Kindern hat das gar nichts gemacht, sie sagen, es kitzelt. Es gab kein Kind, das geweint hat.“

Tests auch bei Kleinen kein Problem

Eine Mutter, die Krankenschwester sei, habe das Testen der Kleinen übernommen. Wie das mit Selbsttests im Klassenzimmer bei den Jüngsten funktionieren wird, müsse sich aber erst zeigen.

Bei den Großen in der 10mB der Mittelschule läuft alles glatt. Allmählich färben sich die Teststreifen, einer von fünfen hat versagt, er zeigt kein Ergebnis an. An diesem Tag dürfen alle in der Klasse bleiben.

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