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Weniger Wasser für Strom und Brunnen

Trockene Sommer – wenig Strom: Mühldorfer Stadtwerke spüren Klimaveränderung

Ein Schmuckstück: Das Isenkraftwerk. Geschäftsführer Alfred Lehmann freut sich über jede Kilowattstunde Strom, die dort erzeugt wird. Durch Trockenheit ist deren Zahl um eine Million gesunken, das kostet die Stadtwerke 120000 Euro.
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Ein Schmuckstück: Das Isenkraftwerk. Geschäftsführer Alfred Lehmann freut sich über jede Kilowattstunde Strom, die dort erzeugt wird. Durch Trockenheit ist deren Zahl um eine Million gesunken, das kostet die Stadtwerke 120000 Euro.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Mit einem Gewinn von 600000 Euro werden die Stadtwerke auch heuer wieder zu den Einnahmen Mühldorfs beitragen. Denn als Unternehmen, das der Stadt gehört, geht das Geld in den städtischen Haushalt. Der größte Teil des Gewinns stammt aus dem Verkauf und der Erzeugung von Strom.

Mühldorf – Eine Million plus erwirtschafteten die Stadtwerke nach Angaben von Geschäftsführer Alfred Lehman im vergangenen Jahr mit dem Strom. Neben dem Vertrieb schlägt dabei die Eigenerzeugung zu Buche. Auf eigenen Gebäuden und vielen städtischen Häusern haben die Stadtwerke laut Lehmann Fotovoltaikanlagen installiert die 500 000 Kilowattstunden Strom erzeugen.

2,3 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft

200 000 Kilowattstunden stammen aus Blockheizkraftwerken und 2,5 Millionen Kilowattstunden aus der Wassererzeugung im Isenkraftwerk bei Winhöring – mit deutlich sinkeneder Tendenz. Zu Hochzeiten flossen dort 3,5 Millionen Kilowattsunden aus den Turbinen. Das Problem in den letzten Jahren: „Die Niederschläge wurden immer weniger“, sagt Lehmann, „das war in den letzten Jahren sehr schwierig.“

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Durch den fehlenden Regen in den letzten trockenen Sommern sank der Wasserspiegel in Isen und Isensee und damit die Wassermenge, die Strom erzeugen konnte. Zu trocken ist zu schlecht, sagt Lehmann, zu viel – wie heuer aber auch. Denn die schnell kommenden übergroßen Wassermengen können die Stadtwerke auch nicht zur Stromerzeugung nutzen.

Aufgabe des Kraftwerks ist nicht möglich

Ein Ausstieg aus der Herstellung von umweltfreundlichem Strom in dem Wasserkraftwerk sei aber auch nicht denkbar. „Wir können das Kraftwerk nicht zurückbauen“, sagt der Geschäftsführer, „wir werden es also immer betreiben.“

Denn von einem Rückbau wären nicht nur das Kraftwerk, sondern auch der See und der Isenkanal betroffen, eine Maßnahme, die viel zu teuer und unwirtschaftlich wäre. Stattdessen investieren die Stadtwerke weiter, in den kommenden Jahren unter anderem in zwei Fischtreppen am Düker Lindloh und am Sägewerk Aufham.

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Den Betrieb von Fotovoltaikanlagen will der Energieversorger dagegen ausbauen. In Planung sind neue Anlage auf dem Kindergarten an der Harthauser Straße und auf dem Mittelschulneubau. Der dort erzeugte Strom soll vor allem der Eigenversorgung der Schule dienen.

Sanierung der Wasserleitungen geht voran

Weniger Sorgen als in den vergangenen Jahren bereiteten den Stadtwerken die Wasserversorgung. Der Austausch alter Asbestleitungen sei weit fortgeschritten, die Zahl der Rohrbrüche und Wasserverluste dadurch deutlich zurückgegangen.

230 Kilometer Wasserleitungen betreiben die Stadtwerke in Mühldorf, sieben Kilometer haben die Stadtwerke seit 2013 erneuert, vier Kilometer mit Asbestleitungen sind noch übrig. „Aber derzeit haben wir kein Problem mit diesen Leitungen.“ 773 000 Euro haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr für Sanierung und Neuerschließungen ausgegeben. Ein Ende des Leitungsaustauschs ist aber nicht absehbar. Bei einer Lebensdauer von 50 bis 60 Jahren müssen die Stadtwerke laut Lehmann im Jahr zwei Prozent sanieren, um das Netz in Schuss zu halten.

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Auch für das große andere Sorgenkind im Bereich der Wasserversorgung besteht inzwischen Hoffnung, auch wenn weiter ein langer Atem gebraucht wird. Derzeit sieht es aber so aus, als ob das seit Jahrzehnten gewünschte Gutachten kommen könnte. „Es gibt endlich eine Stichtagsmessung, die jetzt in das Gutachten eingearbeitet werden muss“, sagt Lehmann. Denn nur mit einem solchen Gutachten kann es eine neue wasserrechtliche Beurteilung und Neuausweisung des Wasserschutzgebiets im Mühldorfer Hart geben.

Fortschritte bei der Nutzung von Brunnen

Die aber ist notwendig, um die dortigen Brunnen nutzen zu können. Bereits von Jahrzehnten haben die Stadtwerke durch einen einen gemeinsamen Zweckverband mit Waldkraiburg (WIN) die Voraussetzungen dafür geschaffen. Trotzdem ist das Vorhaben noch lange nicht umgesetzt. Zunächst muss das Landratsamt das Schutzgebietsverfahren durchführen, Lehmann rechnet dann mit Klagen gegen die Ausweisung, „weil sie manchen Betroffenen Einschränkungen bringt“. Das dürfte vor allem für Landwirte gelten, die unter Umständen in ihren Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt werden.

Grundwasserspiegel sinkt weiter ab

Brunnen im Mühldorfer Hart müssen dringend ans Netz

Und damit schließt sich der Kreis zu den wegen der Trockenheit der letzten Jahre sinkenden Erzeugungsmengen im Isenkraftwerk. Noch liefern die Brunnen vor allem in Mößling ausreichend und qualitativ gutes Wasser. Die maximal 16 Meter tiefen Brunnen dürften jedoch auf weitere Trockenheit und ein Absinken des Grundwasserspiegels reagieren. Um trotzdem weiterhin aus dem Oberflächenwasser fördern zu können, wären die Brunnen im Mühldorfer Hart nötig. Das Anbohren tieferer Schichten im sogenannten Tertiär hält Lehman derzeit für nicht sinnvoll. „Dieses Wasser soll für nachfolgende Generationen aufgehoben werden.“

Düsteres Jahr für Eisbahn, Hallenbad und Co.

Die sogenannten Freizeitbetriebe haben den Stadtwerken im Coronajahr wenig Freude gemacht. So haben sich die Zahlen in allen Bereichen gegenüber dem Jahr 2019 nahezu halbiert: Eisbahn 13 000 Besucher, Feibad 45 000, Hallenbad 24 000, Innfähre 2200.

Mitarbeiter bei den Stadtwerken

Die Stadtwerke beschäftigen 39 Mitarbeiter selbst und 30 bei der Gas-Tochter Evis. Das sind zwei mehr als 2019. Darunter sind drei Auszubildende im technischen Bereich und eine Umschülerin in den Freizeitbetrieben.

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