Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Die Zahl der sogenannten "Komatrinker" hat von 2010 auf 2011 vor allem in den Altersgruppen bis 40 Jahre zugenommen

Trinken, bis der Arzt kommt

Ins Krankenhaus eingelieferte Komatrinker im Landkreis Mühldorf nach Altersgruppen und Jahren in den Jahren 2007, 2010 und 2011 im Vergleich. Grafik zs
+
Ins Krankenhaus eingelieferte Komatrinker im Landkreis Mühldorf nach Altersgruppen und Jahren in den Jahren 2007, 2010 und 2011 im Vergleich. Grafik zs

Mühldorf/München - Jugendliche, die sich ins Koma trinken, machen nicht nur Schlagzeilen, sie füllen auch die Statistik. Allerdings nicht allein: Kampftrinker gibt es in allen Generationen - und nicht zu knapp, wie der Blick auf die Zahlen zeigt.

In der Altersklasse unter 20 Jahren schauten im Kreis Mühldorf im letzten Jahr zwar 40 Trinklustige derart ins Glas, dass sie erst im Krankenhaus wieder aufwachten. Das sind "nur" 26 Prozent der registrierten 154 Vollrauschfälle.

Die Gruppe U30 kam auf einen Anteil von 18,2 Prozent, die U40-Fraktion auf 13,0 Prozent. Auch ältere Herrschaften sind vor dem Aufwachen im Krankenhaus nicht gefeit: Die 40-bis 50-Jährigen brachten es auf 20,8 Prozent der komatösen Vollräusche, bei den 50- bis 60-Jährigen waren es 13 Prozent. Der Rest von 9,1 Prozent betraf noch Ältere.

Alkohol in Massen statt in Maßen ist ein Problem, sagen die Krankenhausstatistik, die Polizeiberichte und die Krankenkassen. Beispiel Barmer: Vier von Tausend der dort Versicherten landen inzwischen jährlich wegen gefährlich hohen Alkoholkonsums in Kliniken, so viele wie nie zuvor. Erst danach folgen die früher häufigsten Diagnosen wie diverse Herz- und Kreislauferkrankungen.

Was für komatöse Patienten gilt, gilt auch für Steuereinnahmen, denn Handel und Hersteller machen vor allem Umsatz mit der trinkfesten Bevölkerung. Ein kleines Beispiel zum Mitrechnen: Beim Discounter kostet das 0,7er-Fläschchen Premium-Wodka 4,99 Euro. Da steckt 37,5-prozentiger Alkohol drin und der Finanzminister genehmigt sich einen kräftigen Finanzschluck aus dieser Pulle, denn pro Liter Alkohol fallen fixe 13,03 Euro Branntweinsteuer an. Also 13,03 Euro mal 0,7 mal 0,375 ergeben 3,42 Euro. Dazu kommt die 19-prozentige Mehrwertsteuer auf den Verkaufspreis von 4,99 Euro, was 80 Cent entspricht. So kassiert der Finanzminister von diesem Fläschchen also 4,22 Euro. Für Händler und Hersteller bleiben 77 Cent.

Nur zur Klarstellung: Wenn der Inhalt der gleichen Flasche in der Disco für 20 Euro ausgeschenkt wird, bleibt es bei den 4,22 Euro staatlichen Anteils. Es läppert sich aber: Mindestens drei Milliarden Euro jährlich zaubert der Staat für sich aus der Flasche.

Wegen der teuren Discodrinks hat die Jugend das Vorglühen erfunden. Deswegen sind die Discounter-Preise in der Szene wichtig. Die bayerische Jugend passt dabei ins Bild der trinkfreudigen unter 20-Jährigen: Sie stellt mit landesweit 26,9 Prozent die größte Gruppe der Krankenhausfälle.

Mit ihrem Anteil von 26 Prozent im Kreis Mühldorf liegen die hiesigen unter 20-Jährigen unter dieser Landesquote. Sie stellten wie gesagt 40 Komapatienten, von denen im Jahr 2011 sechs unter 15 Jahren alt waren. 2010 hatte die Zahl der Krankenhausfälle bei den Zehn- bis 20-Jährigen noch bei 34 gelegen. 2007 waren es 39 Patienten aus dieser Altersklasse gewesen.

Insgesamt waren es 2011 im Kreis Mühldorf 154 Komapatienten (2010: 129 und 2007: 133). Nach Altersklassen aufgeteilt, sieht es so aus, dass die Altersklasse 40 bis 50 im Jahr 2011 insgesamt 32 Vollrausch-Krankenhauspatienten stellte (2010: 24 und 2007: 34). Die Altersklasse 50 bis 60 war mit 20 Komatrinkern dabei (2010: 21 und 2007: 12.

Zum Vergleich noch die anderen Altersgruppen: 20 bis 30: 28 Einlieferungen (2010: 24 und 2007: 22), 30 bis 40: 20 Krankenhausaufenthalte (2010: 15 und 2007: 20), 60 bis 70: 11 (2010: 4 und 2007: 6) Komapatienten und in der Altersgruppe 70 und älter: 3 Vollräusche mit Klinikaufenthalt (2010: 7 und 2007: 0).

Die Daten basieren auf der Krankenhausstatistik, die beim Landesamt für Statistik geführt wird. In der sind sowohl die Fälle, die in die sogenannte Mitternachtsstatistik eingehen, also über Nacht im Krankenhaus bleiben, als auch die sogenannten Stundenfälle, die am Tag der Aufnahme in die Klinik auch wieder entlassen werden, erfasst. Wobei es da vor allem die jüngeren Menschen sind, die schnell wieder aus dem Krankenhaus kommen. zs

Kommentare