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Angeblicher Tod nach Corona-Impfung

Tod von Lukas Hüller missbraucht - AfD spekuliert über Impfschaden des jungen Taufkirchners

Bildcollage Hüller-AfD
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Lukas Hüller ist nach knapp drei Jahren an einem schweren Krebsleiden gestorben. Der AfD-Kreisverband Altötting missbraucht seinen Tod, in dem er einen Zusammenhang zur Corona-Impfung zieht.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Lukas Hüller ist nach knapp drei Jahren an einem schweren Krebsleiden gestorben. Der Taufkirchner wurde nur 21 Jahre alt. Der AfD-Kreisverband Altötting missbraucht seinen Tod, in dem er einen Zusammenhang zur Corona-Impfung zieht.

Taufkirchen/Altötting – Taufkirchens Bürgermeister Alfons Mittermaier ist fassungslos. „Das ist allerunterste Schublade. Mir fehlen die Worte.“ Was Mittermaier so aufbringt, ist eine Aktion der AfD-Kreistagsfraktion Altötting.

Die Rechtsaußenpartei hatte auf ihrer Facebook-Seite den Nachruf für einen jungen Taufkirchner geteilt, der mit 21 Jahren an einem schweren Krebsleiden gestorben ist, und spekuliert ohne jeden Anhaltspunkt darüber, ob zwischen dessen Tod und einer Corona-Impfung ein Zusammenhang bestehe.

„Zu viele junge Menschen sterben seit dem Aufruf der CSU, sich in Bayern impfen zu lassen“, ist da zu lesen. Und weiter: „Ob ein Zusammenhang besteht, wissen wir aber nicht, würden es aber gerne wissen!“

Mittlerweile gelöscht: der Facebook-Post, in dem die AfD Altötting ohne jeden Anhaltspunkt über den Tod von Lukas Hüller (nicht Lukas Hiller) aus Taufkirchen spekuliert. Der Fehler in der Überschrift des Nachrufs auf OVB-online ist korrigiert.

Tod für politische Zwecke missbraucht

Für Taufkirchens Bürgermeister ist die Absicht der AfD klar: „Das erweckt eindeutig den Eindruck, als will da jemand den Tod eines jungen Menschen für politische Zwecke instrumentalisieren.“ Die Familie wusste nichts von dem Post. Erst von den OVB-Heimatzeitungen wird Franz Hüller darüber informiert.

Tod hat nichts mit Corona zu tun

Er kann nicht glauben, was da in den sozialen Medien verbreitet wird. Nichts, aber auch gar nichts habe der Tod seines Sohnes mit einer Corona-Impfung zu tun, sagt er. „Da besteht überhaupt kein Zusammenhang.“

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Als Lukas Hüller, das vierte und jüngste Kind der Familie, am 29. Juli daheim bei seinen Lieben gestorben ist, ging eine lange Leidenszeit zu Ende. Im Oktober 2019 hatte sie mit der Diagnose Sarkom-Krebs begonnen. Zahlreiche Chemo- und Strahlentherapien schienen im Spätherbst 2020 eine Besserung des Gesundheitszustands herbeizuführen. Doch im Januar 2021 wurde wieder ein Tumor im Bereich der Nasenhöhle festgestellt.

Erste Impfung verlief problemlos, zweite Impfung gab es nicht mehr

Wie sein Vater berichtet, wurde der 21-Jährige am 10. Juni dieses Jahres erstmals geimpft. „Das war völlig problemlos.“ Es habe keinerlei Nebenwirkungen gegeben, sagt Franz Hüller. Der zweite Impftermin am 20. Juli kam nicht mehr zustande. Die Ärzte am Klinikum rechts der Isar waren der Meinung, die Impfung habe keinen Sinn mehr. „Sie sagten uns, der Tod sei abzusehen.“

Vater nennt AfD-Vorgehen pietätlos und unverschämt

„Pietätlos“ und „unverschämt“ nennt Franz Hüller, was mit dem Andenken seines Sohnes geschehe. Auf Empfehlung eines Rechtsanwalts hat die Familie am Dienstag Anzeige gegen den Pressesprecher der AfD in Altötting erstattet.

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Thomas Schwembauer, Sprecher der AfD-Kreistagsfraktion Altötting, verteidigt den Post: „Wir haben die kritisierte Frage aus Verantwortung für das Leben gestellt und nicht, wie uns – völlig unzutreffend untergeschoben wird –, aus politischem Kalkül“, teilt er in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Schwembauer warnt darin vor angeblich unerforschten Impfrisiken insbesondere bei Jugendlichen und verweist auf mehrere Berichte im Internet, wonach es eine hohe Dunkelziffer bei Impftoten gebe.

AfD-Kreisrat Schwembauer verteidigt Vorgehen

„Es ist unserer Überzeugung nach daher gerade eine Pflicht verantwortungsvoller Mandatsträger, bei derartig seltenen Todesereignissen junger Menschen nachzufragen, ob solche Zusammenhänge bestehen könnten, um Leben zu schützen und gegebenenfalls auch Leben zu retten.“ Und weiter: „Dieser Pflicht kommen wir als Mandatsträger nach und zwar unabhängig davon, ob das Umfeld eines Verstorbenen der AfD wohl gesonnen ist.“

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Schwembauer konnte Artikel nicht lesen, postete aber trotzdem

Dabei lässt der Nachruf, der auf OVB-online erschienen ist, keine derartigen Fragen offen. Ausführlich wird darin die Krankengeschichte des jungen Mannes geschildert. Dazu Schwembauer: Aufgrund einer Bezahlschranke habe er den Nachruf selbst nicht lesen können.

Facebook-Post inzwischen gelöscht

Inzwischen habe die Fraktion „glaubhafte Informationen“, dass dieser Tod in keinem Zusammenhang mit Corona oder Impfungen steht. Der Post, der tagelang auf der Facebook-Seite stand, wurde gelöscht.

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