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NACHRUF

Tiefe Trauer um ein Töginger Original: Springerwirt Gerhard „Hatte“ Röder gestorben

Mit Metzgerhemd und stets wallendem Haar, so kannte man den „Hatte“ Röder, der mit Leib und Seele Wirt war.
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Mit Metzgerhemd und stets wallendem Haar, so kannte man den „Hatte“ Röder, der mit Leib und Seele Wirt war.

40 Jahre lang führte er den Springerwirt in Töging. Doch Gerhard Röder, der „Hatte“ war mehr als ein Gastronom, er war eine Institution in der Stadt. Am Sonntag ist er gestorben. Ein Nachruf auf einen Wirt, um den man die Töginger beneiden durfte.

Töging – So wie jedes bayerische Gemeinwesen einen Pfarrer braucht und eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister, so braucht es auch einen gescheiten Wirt. Einen Wirt, der da ist, wenn die Leute Hunger und Durst haben und niemals auf die Uhr schaut, solange sie noch ein Bier begehren und noch eins und noch eins, einen Wirt, der den Vereinen seinen Saal überlässt und sie, wenn sie auswärts feiern, mit zweierlei Fleischpflanzln (scharf und nicht scharf), Leberkas und am liebsten mit Rollbraten versorgt, der sein Wirtshaus für alle Anlässe offenhält, für den Weiberfasching wie für den Leichenschmaus, für Schafkopfer wie für Weihnachtsfeiern, einen Wirt schließlich, der den Menschen seines Gemeinwesens, den wohlhabenderen und den armen Schluckern, den grantigen und den schweigsamen und den zünftigen, den alten und den jungen, Zuflucht bietet und Ansprache und mit gelegentlichem Schabernack sowie mit Schnaps gute Laune spendet. Extrem gute Laune sogar. Einen solchen Wirt bräuchte jedes Dorf und jede Stadt. Einen Wirt wie Gerhard Röder, den in Töging alle „Hatte“ nannten.

Vor 40 Jahren wurde er zum Springerwirt

Als Bürgermeister kannst du dich wählen lassen. Als Pfarrer und Wirt aber erlebst du eine Berufung. Und so wurde Gerhard Röder, Spross einer Großfamilie aus der Ludwig-der-Bayer-Straße, im Dezember 1980 mit 27 Jahren Springerwirt von Töging.

Es gibt keine Worte dafür, was „Hatte“ geleistet hat

Mit seiner Frau Pina versah er diesen Dienst am Gemeinwesen und an den Tögingern 40 Jahre lang nicht als gastronomischer Geschäftsmann, sondern wie der Inhaber eines hochoffiziellen Weiheamtes. Wie nennt man das? Zeremonienmeister? Integrationsfigur? Heimatgeber? Zentrales Sozialorgan? Beim Springerwirt muss man kapitulieren, für das, was er in Töging leistete, gibt es noch keine Worte.

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Seine Dienstkleidung war das Metzgerhemd

Seine Dienstkleidung war das Metzgerhemd, denn Metzgermeister war er mit Leib und Seele. Der Meisterbrief hängt im Nebenzimmer und gehört zum Inventar des Hauses wie sein Weißbierglas, das mit dem Geißbock-Emblem seines Lieblingsvereins geschmückt ist. Wie er, der Töginger, ausgerechnet auf den 1. FC Köln kam? Er wusste es selbst nicht, der Bock habe ihm halt gefallen.

„A Matzgabluad is koa Rührmilli.“

„A Matzgabluad“, sagte er einmal, „is koa Rührmilli.“ Was er damit meinte? Nun, zum Beispiel die Geschichte von den fünf Kerlen, die ihm im Jugendalter auflauerten, als er damals in Altötting seine Pina besuchte, und ihn vermöbelten. Fünf gegen einen – der Reihe nach knöpfte er sich im Lauf der Jahrzehnte jeden einzeln vor. Manchmal ging es schon wie im Alten Testament zu, wenn „Hatte“ ins Erzählen kam.

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Zufrieden, wenn die Leute es waren

Dazu passte das wallende Haar und der Vollbart, weil er vor lauter Wursten wieder keine Zeit gehabt hatte, zum Bader nach Eisenfelden zu fahren. Neben seinen allabendlichen Runden im Lokal und seinen Treffen mit den Schulfreunden des Jahrgangs ‘53 gönnte sich „Hatte“ wenig. Ein paar Tage mit der Harley zum Faaker See, das war schon das Höchste. Zufrieden war er daheim, wenn die Leut‘ zufrieden waren.

Springerwirt zu sein, war eine Lebensaufgabe

Springerwirt zu sein, war Gerhard Röder, eine Lebensaufgabe. Und eine Ehre. Rief man ihn während seiner Leidenszeit im Krankenhaus an, meldete er sich nicht mit „Hatte“ oder mit „Röder“, er meldete sich mit „Springer“.

Töging trauert um einen wichtigen Töginger

Wer einen so großartigen Wirt hat, muss froh und dankbar sein. Wer einen so feinen Menschen verliert, darf weinen. Wegen seiner schweren Krankheit musste der Springerwirt am Samstag wieder ins Krankenhaus gebracht werden, am Sonntag ist er gestorben. Töging trauert um einen wichtigen Töginger.

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