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Hilfen für Menschen in Not

THW ist unverzichtbar für Mühldorf: In Corona-Zeiten sind die Hilfskräfte besonders gefordert

Das THW ist eine wichtige Hilfsorganisation, die schnell und kompetent Hilfe brint.
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Das THW ist eine wichtige Hilfsorganisation, die schnell und kompetent Hilfe bringt.
  • Hans Rath
    VonHans Rath
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Die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen, Rheinland Pfalz und auch im Berchtesgadener Land hat wieder gezeigt, wie unverzichtbar einsatzbereite Hilfskräfte sind. Einen besonderen Stellenwert nimmt das Technische Hilfswerk (THW) ein. Der Ortsverband Mühldorf feiert im nächsten Jahr seinen 70. Geburtstag.

Mühldorf – Im THW-Ortsverband Mühldorf leisten 65 aktive Helfer ihren Dienst. Derzeit absolvieren 14 Helferanwärter ihre Grundausbildung, diese jungen Menschen sind in einem Alter von 16 bis 25 Jahren. Erfreulicherweise sind circa die Hälfte davon Mädchen und junge Frauen. In der Mühldorfer Jugendgruppe, Alter zwischen 10 und 16 Jahren, werden derzeit 16 Jugendliche an den aktiven Dienst herangeführt. Auch hier gibt es mehrere Mädchen.

16 Jugendliche werden derzeit ausgebildet

Auf die Frage, wie er als Ortsbeauftragter – so heißt beim THW der 1. Vorstand – die für alle Vereine und Organisationen wichtige Frage der Gewinnung von Nachwuchs löse, nennt Florian Seemann drei Eckpfeiler:

Die Jugendarbeit, die bundesweite Werbeaktion des THW „Deine Zeit ist jetzt!“ (auch in Mühldorf wird hierzu plakatiert) und als drittes die Möglichkeit, im THW den Bufdi-Dienst zu absolvieren. Bufdi, also der Bundesfreiwilligendienst, ist die Nachfolgeregelung für den Zivildienst.

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Diesen konnten junge Menschen früher, als es noch den verpflichtenden Wehrdienst gab, wählen, wenn sie nicht zur Bundeswehr gehen wollten. Laut Florian Seemann brachte diese Möglichkeit dem THW Mühldorf fünf neue Mitglieder.

Erstschlagsfahrzeug wiegt 16 Tonnen und ist vielseitig einsetzbar

Das Erstschlagsfahrzeug des THW-Ortsverbandes ist der Gerätekraftwagen, der GKW, eine Werkzeugkiste auf Rädern. Er wiegt 16 Tonnen und kann bis zu neun Helfer und Werkzeuge an eine Einsatzstelle bringen.

Unter ‚Werkzeug‘ ist Kleinwerkzeug wie Hammer, Zangen, Schrauben und Nägel ebenso zu verstehen wie große Werkzeuge, von der Schaufel über ein mobiles Notstromaggregat, eine Krankentrage, ein Abseilgerät bis hin zu Leitern und Stützen für einsturzgefährdete Häuser.

Wunderwerke der Technik im Fuhrpark

Geräte zum Anheben sind in diesem Wunderwerk der Technik ebenso enthalten wie eine Seilwinde, die direkt bis zu fünf Tonnen, mithilfe eines Flaschenzugs bis zu zehn Tonnen ziehen kann. Der GKW, das vielseitigste Fahrzeug des Ortsverbandes, besitzt Allradantrieb, um überall hinzugelangen, zum Schutz der Helfer gibt es in der Fahrerkabine Pressluftatemgeräte.

Vom Kombi bis zum Kranfahrzeug alles vorhanden

Es steht jedoch für jede Fachgruppe und somit für jede Aufgabe ein passendes Fahrzeug zur Verfügung: Vom Kombi über ein Kranfahrzeug bis hin zu einer Führungsstelle (für die Einsatzleitung), die aus einem Koffer-Lkw und einem ausklappbaren Anhänger besteht, in dem dann ein ganzer Stab arbeiten kann und ein Besprechungstisch vorhanden ist.

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Zusätzlich besitzt der OV Mühldorf noch ein vom Förderverein beschafftes Wechselladerfahrzeug. Für Einsätze auf dem Wasser stehen insgesamt vier Motorboote und eine Pontonfähre zur Verfügung. Die Übungsabende sind von der Pandemie insofern betroffen, dass die Anzahl der Aktiven, die daran teilnehmen, reduziert wurde.

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Um auf dem hohen Leistungsstand zu bleiben, sind der Ortsbeauftragte Florian Seemann und seine Kollegen auf die Idee gekommen, zusätzlich zum regulären Freitagabend einen zweiten Termin anzubieten, nämlich den Mittwochabend. Die Ausbildung beim THW darf per Sondergenehmigung auch bis 22 Uhr dauern, obwohl ja eine Ausgangssperre ab 21 Uhr besteht beziehungsweise bestand. Jeder Helfer hat einen diesbezüglichen Sonderausweis.

THW leistet wichtige Logistikdienste

Infolge der Pandemie ist das THW vielerlei im Einsatz und leistet für den Landkreis Mühldorf Logistikdienste. Zwei bis dreimal pro Monat werden in einem der beiden großen Pandemie-Zentrallager, eines in Garching bei München, eines auf dem Fliegerhorst Penzing im Landkreis Landsberg, etwa Schnelltests für Altenheime oder Masken sowohl für das Pflegepersonal als auch für pflegende Angehörige abgeholt und im Landkreis verteilt.

Beim THW seit dem zehnten Lebensjahr

Tim Schmid, ein junges Mitglied des THW Mühldorf, bringt es auf den Punkt, warum er bei dieser tollen Organisation Mitglied wurde: „Ich bin beim THW, seit ich zehn Jahre alt bin.“ Anfangs sei es Neugier gewesen, was ihn antrieb, später die Begeisterung für Technik. „Und jetzt ist es vor allem die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen.“

Tim Schmid fühlt sich in THW-Familie wohl

Das THW sei fester Bestandteil seines Lebens, er spricht sogar von der „THW-Familie“. „Denn wo sonst hat man die Möglichkeit, im Team zu arbeiten, mit Technik zu helfen und sich regelmäßig neuen Herausforderungen zu stellen?“

1952 in Mühldorf gegründet

Im Jahr 1952 ist der Zweite Weltkrieg erst seit sieben Jahren beendet. Doch es geht wieder aufwärts, das deutsche Wirtschaftswunder nimmt seinen Anfang – auch wenn immer noch Kriegsgefangene in Russland ausharren müssen und die Spuren des Krieges noch überall sichtbar sind.

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In Mühldorf gründet Kreisbaumeister Franz Eggerndorfer, der gleichzeitig auch 1. Ortsbeauftragter wird, am 15. Oktober 1952 den THW-Ortsverband Mühldorf. Untergebracht war die Ortsgruppe in der damaligen Flussmeisterstelle oberhalb der Innbrücke. Die Ausstattung war in den 50er Jahren minimalistisch, sie beschränkte sich auf einige Kleinteile und ein selbst gebautes Holzboot. Der erste Einsatz der neugegründeten Ortsgruppe erfolgte beim Hochwasser 1953 in Aschau. Fahrzeuge gab es damals noch keine.

Erster Einsatz nach Ungarnaufstand 1956

Der Ungarnaufstand von 1956 führte zum ersten Auslandseinsatz: Franz Schubert und Alois Wilhelm bauten in Salzburg an einem Lager für geflüchtete Ungarn mit. 1959 wurde das erste selbst gebaute Motorboot in Dienst gestellt, 1960 war ein Opel Blitz das erste Fahrzeug.

Der erste Umzug stand an: Aus Teilen einer Krankenhausbaracke wurde in Eigenleistung eine Unterkunft zwischen Rennbahn und Inn errichtet. Am 29. August 1964 kam der große Sturm über das Mühldorfer Volksfest, beide Festzelte wurden umgerissen. THW-Helfer durchsuchten die Trümmer nach verschütteten Personen. Es gab allerdings keine größeren Schäden, da sich alle Besucher ins Freie gerettet hatten. Die Aufräumarbeiten dauerten dennoch zwei Tage. 1965 stand der Umzug in die Elbestraße an.

1970 Auslandseinsatz im damaligen Jugoslawien

1970 erfolgte ein Auslandseinsatz im damaligen Jugoslawien, die Stadt Banja Luka war zu 75 Prozent von einem Erdbeben zerstört worden. 1970 wurde Siegfried Inninger neuer Ortsbeauftragter, während 1975 die erste Jugendgruppe, hauptsächlich aus Söhnen von Helfern bestehend, gegründet wurde.

Das heutige Domizil gibt es seit 1978

1978 zog das THW in das heutige Domizil in der Färberstraße. Weitere herausragende Einträge in die Vereinschronik bilden die Einsätze beim Papstbesuch in Altötting (November 1981) und beim Erdbeben in Süditalien (Januar 1981). Alois Wilhelm hieß 1982 der Nachfolger von Siegfried Inninger, ihm folgte 1988 Günter Bartesch.

Einsatz nach Explosion in der Walzmühle

Am 3. August kam die Ortsgruppe bei einer Explosion der Mühldorfer Walzmühle am Bahnhof zum Einsatz. Nach der Maueröffnung am 9. November 1989 war die Mühldorfer THW-Gruppe mit der Aufnahme von Flüchtlingen aus der ehemaligen DDR betraut worden.

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Im Frühjahr 1990 bescherten die Wirbelstürme Vivian und Wibke monatelange Aufräumarbeiten. Im Sommer 1992 gab es ein Sommerlager für 300 THW-Jugendliche auf dem Gelände an der Färberstraße. Dies war die gelungene Generalprobe für ein Bundesjugendlager des THW, 900 Jugendliche wurden bei hochsommerlichen Temperaturen auf dem Mühldorfer Volksfestplatz untergebracht, versorgt und mit einem Programm beschäftigt.

1996 ist ein einschneidendes Jahr beim THW

Das Jahr 1996 ist durch zwei Todesfälle gekennzeichnet. Der Ortsbeauftragte Rainer Burdak wird beim Einreißen einer Mauer tödlich verletzt, und auch Alois Wilhelm stirbt. Der neue Ortsbeauftragte heißt Andreas Wageneder. Die Umstrukturierung des THW, nach der deutschen Wiedervereinigung notwendig, bedingt größere Umbauten auf dem THW-Gelände. 2001 wird Matthias Müller neuer THW-Chef.

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Die Hochwasserkatastrophe in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg bedeutet im Sommer 2002 viel Arbeit für das THW. Auch im Sommer 2005 war Hochwasser ein Thema, in Mühldorf erreichte der Inn eine Höhe von 7,80 Metern.

Seit Juli 2018 führt Florian Seemann das THW Mühldorf

Nach über 16 Jahren als Ortsbeauftragter wird Matthias Müller im Juli 2018 von Florian Seemann abgelöst, der bis heute an der Spitze dieser für den Landkreis Mühldorf – und weit darüber hinaus – unverzichtbaren Organisation steht.

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