Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Tanzlmusi rockt Mühldorf: Warum die jungen Leute plötzlich auf Blasmusik und Tanz stehen

Virtuosen, die die Tanzlmusi wiederentdeckt haben, die „Berghammer Tanzlmusi“, von links: Andreas Jodl (Flügelhorn), Rainer Amasreiter (Ziach), Matthias Hoffmann (Tuba), Sepp Asanger (Flügelhorn) und Martin Stadler (Toenorhorn). Berghammer Tanzlmusi

Polka, Walzer, Dreher – der „Boarische Tanz“ liegt voll im Trend. Es ist aber nicht die betagte Generation, die das gemeinsame Tanzen für sich wieder entdeckt hat: Die Jugend stürmt den Tanzboden. Musiker Rainer Amasreiter erklärt die neue Faszination rund ums Tanzen.

Mühldorf – Er in der schneidigen Lederhose, sie im schmucken Dirndl. Die Hände sanft um die Hüfte des Tanzpartners gelegt und schon geht’s dahin: Zwei links, zwei rechts;  auseinand‘ und wieder z’samm. Eigentlich würde man die beiden Jugendlichen ob ihres Alters eher in einer Disco verorten, doch weit gefehlt: Es ist der „Boarische Tanz“, dem sie frönen. Ein Trend, der immer populärer wird.

Volksmusik boomt

„Die Volksmusik boomt“, weiß auch Rainer Amasreiter, der als Ziachspieler bei der „Berghammer Tanzlmusi“ mittendrin in diesem Hype steckt. „Blasmusik findet vermehrt Zuspruch bei der jungen Generation, entsprechende Festivals bestätigen diesen Trend“, erklärt Amasreiter, der das „Woodstock der Blasmusik“ als Steckenpferd dieser Bewegung nennt. Seine Gruppe hat Anfang Juli selbst auf der Bühne gestanden, auf einem Festival, wo sich 65000 Menschen getroffen haben, um unbeschwert der traditionellen Töne zu frönen. „Das muss man sich vorstellen wie ein Rockkonzert – nur dass die Leute jünger sind“, erzählt Amasreiter, der sich mit seinen 45 Jahren schon eher zu den Senioren zählen lassen darf.

Wie bei einem Rockkonzert, nur ist das Publikum jünger

Viele der 16 bis 30-Jährigen haben ihre eigenen Blasinstrumente dabei, steigen munter mit ein, ob gesanglich oder mit Blech, wenn „Dem Land Tirol die Treue“ geschworen wird oder der Klassiker „Auf der Vogelwiese“ intoniert wird.

Woher kommt die neue Faszination an der Blasmusik? Was begeistert die jungen Leute an der Musik eines Ernst Mosch, die aus einer Zeit stammt, in der das Fernsehen noch schwarz-weiß war und nun wieder in den Meldelisten der Gema bei den meist gespielten Bierzeltlieder ganz oben auftaucht? „Es ist handgemachte Musik, die viel Energie transportiert“, erklärt Amasreiter.

+++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Der Musiklehrer aus Mühldorf weiß, wovon er spricht. In erster Linie beschallt er zwar mit seiner Band „Starmix“ hochkarätige Abendverstaltungen mit bodenständiger Rockmusik. Doch die zweite Leidenschaft Amasreiters ist die Volksmusik. Mit der ist er groß geworden, zumal auch seine Mutter Brigitte fest in diesem Genre verankert ist, zahlreichen Mühldorfern das Zitherspiel beigebracht hat und vor fünf Jahren mit einem Zither-Ehrenpreis ausgezeichnet worden ist, weil sie Pionierarbeit auf diesem Gebiet geleistet und mehrere Liederbücher herausgebracht hat. In gewisser Hinsicht kann man die Volksmusik, virtuos gespielt, mit Rockmusik vergleichen, meint Amasreiter: „Wir zumindest geben immer Vollgas“, sagt er, wenn er von seiner Gruppe, der „Berghammer Tanzlmusi“ spricht, die mit erstklassigen Solisten besetzt ist. Martin Stadler, Sepp Asanger, Andreas Jodl und Matthias Hoffmann sind allesamt bekannte Gesichter in der hiesigen Blasmusikszene. Ihr Lehrmeister war entweder der Musemoaster höchstpersönlich, Sepp Eibelsgruber, sie haben Musik in Salzburg studiert oder ihr Können und Talent mit dem Blasmusik-Ensemble „Musikatzen“ in höchste Vollendung gebracht. „Lauter Wahnsinnige“, meint Amasreiter, „in positiver Hinsicht versteht sich!“

20 bis 30 Mal pro Jahr mit dem Quintett unterwegs

20 bis 30 Mal ist Amasreiter mit seinem Quintett pro Jahr unterwegs, begeistert mit Volksmusik die Massen. Zuletzt eben beim „Woodstock der Blasmusik“ in Ort im Innkreis. „2000 passen in den Stadl rein, aber 4000 wollen rein“, schildert Amasreiter die Begeisterung im benachbarten Österreich.

Immer mehr Blasergruppen formieren sich

Doch auch hierzulande ist seine Musikgruppe nicht allein auf weiter Flur. In den Blaskapellen der Umgebung formieren sich vermehrt kleinere Bläsergruppen, die der „Berghammer Tanzlmusi“ nacheifern, ihre Liebe zu den alten Liedern entdecken. Und wenn sie selbst nicht spielen, dann mischen sie sich unter das tanzfreudige Publikum. Und hier setzt Amasreiter an, wenn er zum 1. Tanzlmusitreffen am Mühldorfer Volksfest zusammen mit dem Trachtenverein Edelweiß Mühldorf einlädt. Am Sonntag, 8. September, soll dann nachmittags nach dem Schützen- und Trachtenzug im Bierzelt der Festwirtsfamilie Nagel das Tanzbein geschwungen werden. Einen „Boarischen Tanz im Bierzelt“, kündigt Amasreiter an und kann sich dabei auf musikalische Unterstützung verlassen, die mit der „Schladl Musi“ Musiker aus den Landkreisen Altötting und Traunstein unter sich vereint. Oder die „Weißngroaner“, die von sich sagen, dass sie „rassige Musi aus der Gegend zwischen Irschenberg und Chiemsee“ spielt.

Das könnte Sie auch interessieren: Blasmusi-Crossover bringt alle Musikstile zusammen und „Stadler-Brass“

Amasreiter ist davon überzeugt: Die Veranstaltung wird die Jugend in Scharen locken. Warum er sich da so sicher ist? Mit der „Berghammer Tanzlmusi“ hat der Profimusiker erst Ende Mai beim „Boarischen Tanz“ des Trachtenvereins Wasentegernbach aufgespielt. „1500 Besucher waren da, zu 70 Prozent Jugendliche!“ Was auf dem Land funktioniert, könne schließlich auch in der Stadt das Zelt füllen. „Die Tracht und das bairische Lebensgefühl ist wieder ,in‘. Traditionen werden heute nicht mehr so verkrampft gesehen. Das Brauchtum lebt wieder auf!“.

Lesen Sie dazu auch: Bayerisch, böhmisch – des fetzt

Keine strikte Figurenvorgabe beim Tanz

Zumal es beim „Boarischen Tanz“ nach Ansicht Amasreiters nicht so streng zugeht wie etwa bei einem Volkstanz, wo eine strikte Figurenvorgabe einzuhalten sei.

Im Hammerwirt-Festzelt soll sogar ein Tanzboden aufgebaut werden, auf den sich dann die Besucher zum Rhythmus von Ziach, Zupf- und Blasinstrumenten bewegen. Dann aber nicht nur der Bua in Lederhose oder das Dirndl im Dirndl. Der „Boarische Tanz“ ist allgemeinkompatibel. Und so kann es durchaus sein, dass sich die internationale Gästeliste später auch auf dem Parkett im Zelt wieder findet. Wenn hiesige Trachtler mit slowakischen Damen tanzen, Schweizer Einscheller einen Dreher mit den Goldhauben aus der Wachau wagen. Oder Südtiroler Musiker bulgarische Folkloretänzerinnen zum Tanz bitten. „Auseinand‘ und wieder z‘samm“ – kann Völkerverbindung harmonischer sein?

Kommentare