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WALDKRAIBURGER WOCHENSCHAU

O Täler, o Höhen

Die Spaziergänger sind los. Ob am Innkanal bei Pürten oder im Tannet – in und um Waldkraiburg streifen die Leute in Scharen durch Wald und Flur.
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Die Spaziergänger sind los. Ob am Innkanal bei Pürten oder im Tannet – in und um Waldkraiburg streifen die Leute in Scharen durch Wald und Flur.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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In der Waldkraiburger Wochenschau befasst sich unser Autor Hans Grundner mit einem Corona-Phänomen: der neuen Lust aufs Spazierengehen. Kein Spaziergang wird dagegen, was die Stadt bis 2024 vorhat.

Kommentar „Nach dem Essen sollst Du ruh‘n oder tausend Schritte tun.“ – „O Täler, o Höhen, o schöner grüner Wald, du meiner Lust und Wehen, andächt‘ger Aufenthalt.“ Ob nun Eichendorff oder der Volksmund schuld sind, oder keiner von beiden? Wer weiß? Jedenfalls hatten Spaziergänge und Spaziergänger lange, sehr lange das Image, von gestern zu sein.

Die Zeit der Ausreden ist vorbei

Was einst als besonders kultivierte Form der Fortbewegung galt, hatte zuletzt allenfalls noch Fürsprecher im gehobenen Alter. Jüngere machten sich vom Acker, wenn es zum Wandern gehen sollte. Und Männer, arme Tröpfe, die von ihren Frauen dazu genötigt wurden, suchten sich zu entziehen, indem sie unaufschiebbare Alternativen wie Stammtisch, Fußballplatz oder Muckibude in Stellung brachten. Manchmal half auch das nicht.

Heutzutage hilft eh nichts mehr. Corona hat fast alle faulen Ausreden ausradiert. Und so wie’s aussieht, eine neue Volksbewegung losgetreten. Erstaunlich, wer und was da plötzlich durch die Wälder und Fluren streift, in Scharen, allein, zu zweit oder im Familienverband. Selbst bewegte Männer sollen t gesichtet worden sein, im Tannet oder am Innkanal spazierend, und sogar junge Leute allen Ernstes immer öfter mehrere hundert Meter am Stück im Freien zu Fuß unterwegs sein.

All das ist nicht nur ein Waldkraiburger Phänomen. Und holla, die Waldfee: Die meisten, die da durch die Gegend spazieren, scheinen das auch noch zu mögen.

Renaissance der Naherholung?

Ob nach dem Ende all der Reisebeschränkungen der Spaziergang im Wettbewerb mit Langstreckenflügen und Kreuzfahrten doch wieder unter die Räder kommt? Wie Pessimisten glauben. Oder ob die Renaissance der Naherholung anhält und uns in einer gnadenlos beschleunigten Welt die Lust auf Langsamkeit erhalten bleibt? Spannende Fragen, die wohl erst beantwortet werden können, wenn der ganze Corona-Spuk vorbei ist. Vorläufig bleiben jedenfalls die Spaziergänger auf der Überholspur. An einem Wochenende wie diesem sowieso.

Ganz bestimmt kein Spaziergang wird, was die Stadt Waldkraiburg sich für die nächsten Jahre vorgenommen hat. Das wissen alle, die im Rathaus und im Stadtrat Verantwortung tragen. Zig-Millionen Euro sind aufzubringen, um ein neues Rathaus zu bauen, das alte Waldbad zu ertüchtigen, eine tragfähige Zukunftslösung für die dringend renovierungsbedürftige Liszt-Mittelschule zu finden, weitere Kapazitäten für die Kinderbetreuung zu schaffen und und und.

Beim Gedanken an den Schuldenberg, der dafür aufgetürmt werden muss, wird selbst geübten Bergwanderern schwindlig. Es wäre kein Wunder, bei einer Verdreifachung der Schulden auf 42 Millionen Euro, die da bis 2024 im Raum steht. Natürlich gibt es warnende Stimmen, besonders weil nicht auszuschließen ist, dass das Virus auch den Haushalt infiziert, und Waldkraiburg nicht in die Schuldenfalle tappen darf. Über das wann und wie der einzelnen Maßnahmen kann es also noch Streit geben. Dass der Etat 2021 und die weiteren Finanzplanungen von einer klaren Mehrheit mitgetragen werden, darum muss sich der Bürgermeister keine Sorgen machen.

Alles überfällige Aufgaben

Warum? Weil alle wissen, an diesen Herausforderungen kommt die Stadt nicht vorbei. Da steht ja kein Luxus-, kein Prestigeprojekt auf der Liste, sondern nur überfällige Aufgaben. Selbst beim Rathaus ist völlig klar: Das Ding samt Tiefgarage ist so marode, das was passieren muss. Und auch eine Sanierung mit all ihren Unwägbarkeiten würde den Schuldenstand nah an die 40 Millionen Euro heran treiben. Selbst dann, wenn es keine unliebsamen Überraschungen gäbe.

Hans Grundner

Johann.Grundner@ovb.net

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