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Serie „Summa dahoam“

Nicht alles war früher Gaudi bei der Feuerwehr: „Es brennd im Ofa, und des wia“

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Die Feuerwehr beim Einsatz.
  • Josef Bauer
    VonJosef Bauer
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Mit diesem Bericht über die Mühldorfer Feuerwehr beenden wir unsere Sommerserie mit Geschichten rund um die Stadt Mühldorf und über die Menschen, die sie dazu geprägt haben, was sie heute ist: Heimat im besten Sinne des Wortes.

Mühldorf – Es war Mitte der 60-er Jahre ein besonderes Erlebnis, wenn die Freiwillige Feuerwehr Mühldorf zu einem Einsatz gerufen wurde. Das Gerätehaus stand damals noch in der Spitalgasse. Von den gegenüberliegenden Häusern war für uns Buben das Eintreffen und das Ausrücken der Mühldorfer Wehr immer ein ganz besonderes Erlebnis.

Es gab nicht für alle Stiefel

Damals heulte noch die Sirene und alle Feuerwehrler wussten, dass sie schnell zum Gerätehaus kommen mussten. Man musste sich auch deswegen beeilen, weil es nicht für alle Floriansjünger Stiefel zum Ausrücken gab. Man sollte tunlichst unter den schnellsten 15 sein, damit das mit den Stiefeln klappte. Gerätewart Wast Nöthling öffnete mit der ihm eigenen Ruhe die Tore des Feuerwehrhauses und gab sich so, als wollte er einen Sonntagsausflug machen.

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Gustl Reiter war immer einer der Ersten

Als einer der Ersten kam Gustl Reiter vom Stadtplatz eingebogen und verschwand im Gerätehaus. Sein Gegenüber, Wirt Max Schreindl, folgte immer etwas später. Der Grund: Er musste erst das Geld aus seinem grauen Mantel bei der Mama abliefern und konnte erst danach zum Spurt in die Spitalgasse ansetzen. Bei den von den Fenstern aus zuschauenden Buben war er sehr beliebt. Auf die Frage: „Wo brennt‘s denn?“, kam immer die gleiche Antwort: „Es brennt im Ofa, und des wia.“

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Sepp Loibl eilte mit seinem Radl vom Schwimmbad in die Spitalgasse, stieg immer schon beim Spital ab – und sein Radl krachte an die Mauer des Feuerwehrhauses, wo es achtlos liegenblieb, bis der Einsatz wieder beendet war.

Aus allen Richtungen strömten die Wehrmänner in die Spitalgasse. Die am Boden liegenden Radl wurden immer mehr. Sie lagen dort in sich verschlungen, als wären sie ein Kunstwerk des Aktionskünstlers Joseph Heinrich Beuys.

Absprung vom Radl, und das krachte gegen die Hauswand

Für einige der Feuerwehrmänner – Frauen gab es damals bei der Feuerwehr nicht – konnte es gar nicht schnell genug gehen. Sie risen sich schon Meter vor dem Feuerwehrhaus die Klamotten vom Leib, um ja Zeit zu sparen. Es allerdings führte allerdings zu sehr merkwürdigen Bewegungen, wenn die Hose begann zu rutschte.

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Betriebsame Hektik im Feuerwehrhaus – dann ging das Blaulicht an

Aus dem Gerätehaus waren laute Stimmen zu hören, betriebsame Hektik, man drängte zur Eile. Dann hörten wir Buben die ersten Türen der Feuerwehr-Fahrzeuge knallen und das Blaulicht wurde eingeschaltet. Die Spitalgasse wurde in blaues Licht getaucht, fast gruselig strich über die Fassaden der aneinandergeschmiegten Häuser.

Kampf um die besten Plätze im Feuerwehrauto

Die Einteilung der Fahrer und weiteren Mitfahrer waren eigentlich immer gleich. Später wurde uns dann erzählt, zu welche Kämpfen es in den Fahrzeugen kam: Max Schreindl wollte nämlich immer neben dem Fahrer sitzen. Diese Position sicherte ihm zu, die Klingel im Feuerwehr-Fahrzeug zu betätigen. Ein wichtiges Ritual, denn ohne Klingel war es kein Einsatz. Als er einmal zu spät dran war, wurde er auf die Rückbank verbannt. Von dort schien es unmöglich an den Klingelknopf neben dem Fahrer zu kommen. Doch der Maxe war ein ziemlich findiges Kerlchen und zwängte sich Kopf voraus von der Rückbank nach vorne, quetschte den Beifahrer auf die Seite und kam zu seiner Klingel, die er bis zum Einsatzort kräftig drückte.

Einsätze waren nicht ungefährlich

Einmal bekamen wir einen solchen Einsatz beinahe hautnah mit: Als es bei der damaligen Metzgerei Meindl in der Spitalgasse brannte, wurde uns direkt vor Augen geführt, wie gefährlich solche Einsätze waren. Wir konnten hautnah miterleben, welche Leistungen diese Männer ehrenamtlich erbrachten, mit welchem Einsatz sie bei der Hilfe für den Mitbürger zu Werke gingen. Da wurde uns klar, dass die Feuerwehrsache nicht nur eine reine Gaudi war.

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