Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Was passiert bei extremen Niederschlägen?

Sturzflut über Aschau am Inn simuliert: Bei Starkregen hat das Dorf am Hügelrand ein Problem

Das „Dorf am Hügelrand“ wird im Aschauer Lied besungen. Die wunderschöne Lage kann bei Starkregenereignissen jedoch zu einem großen Nachteil werden, weil enorme Wassermengen sich von den Bergen der Umgebung den Weg zur Ortsmitte suchen.
+
Das „Dorf am Hügelrand“ wird im Aschauer Lied besungen. Die wunderschöne Lage kann bei Starkregenereignissen jedoch zu einem großen Nachteil werden, weil enorme Wassermengen sich von den Bergen der Umgebung den Weg zur Ortsmitte suchen.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
    schließen

Was passiert bei einem Extremregenereignis, bei dem in einer Stunde bis zu 100 Liter Wasser pro Quadratmeter auf Aschau am Inn niedergehen? Darüber wollten Kommunalpolitiker und 40 Bürger mehr wissen, als Ingenieur Alexander Reindl eine sogenannte Sturzflutsimulation im Gemeinderat präsentierte.

Aschau am Inn – Bewusstseinsbildung für Risiken, denen ein Ort wie Aschau bei einem Starkregenereignis ausgesetzt ist, vor allem darum ging es Alexander Reindl bei seinem Vortrag im Gemeinderat. Hundertprozentigen Schutz könne es nicht geben, betonte er. Und: Schutzmaßnahmen seien nicht allein Sache der Kommune. Jeder Grundstückbesitzer müsse seinen Teil beitragen.

Auswirkungen auf den Kernbereich des Dorfes untersucht

Auf der Grundlage digitaler Geländemodelle des Vermessungsamtes hat der Ingenieur Auswirkungen auf einen fast drei Quadratkilometer großen Dorfbereich betrachtet.

Die Ortsmitte und das Siedlungsgebiet Wiesengrund wären bei Niederschlagsmengen, die sich in Bereichen bewegen wie bei den Katastrophen in den Regionen an Ahr und Erft, am stärksten betroffen, das Rathaus und weitere öffentliche Gebäude. Dort könnten Wasserstände von 50 Zentimetern erreicht werden.

Die Lage wird zum Problem

Als Problem erweist sich die topografische Situation, das große Einzugsgebiet. Das Dorf liegt inmitten von Hügeln und Bergen. Enorme Wassermengen suchen sich vom Rattenberg, Tödtenberg und Bräuberg den Weg zur Ortsmitte.

Neue Baugebiete noch nicht berücksichtigt

Reindl stellte die Ergebnisse der Untersuchung jedoch unter einen Vorbehalt: So sind in den Modellen des Vermessungsamtes die neuen Baugebiete noch nicht aufgenommen, Durchlassbauwerke zwar aufgenommen, nicht aber Mauern und Hochborde und deren lokale Auswirkung auf Wasserstände und -richtungen.

Konkrete Handlungsempfehlungen erst nach Hochwasserschutzkonzept

Reindl hielt sich deshalb zurück, schon auf dieser Grundlage Empfehlungen für bauliche und andere Schutzmaßnahmen abzugeben, die einige Gemeinderäte und Bürger gerne gehört hätten.

Dies sei aber erst möglich, wenn ein integrales Hochwasserschutzkonzept vorliege, das die Bäche in die Untersuchung einbezieht. Erst dann seien konkrete Handlungsempfehlungen, wie Rückhaltemaßnahmen, Bachrenaturierungen, Flussbettvergrößerungen, lokaler Objektschutz, und die dazu gehörigen Informationen über Kosten und Förderungen möglich.

Bürger sehen große Gefahren, die von Bächen ausgehen

Mehrere Bürger meldeten sich zu Wort, sehen große Gefahren, die von Steinbach, Thalerbach und Howaschen ausgehen, etwa durch Verklausungen, weil die Bäche zu wenig geräumt würden und die Schutzmaßnahmen nicht oder nicht ausreichend greifen.

Lesen Sie auch:

Brief an Markus Söder: Oberwöhrer wollen geplantes Wohngebiet stoppen

Die Gefahr, dass es bei Starkregenereignissen an den bebauten Hängen zu Erdrutschen kommen könnte, schätzt Reindl bei intakten Böden, als nicht so groß ein. In steileren Bereichen könnte eher die Fließgeschwindigkeit zum Problem werden.

Bürgermeister: Beim Hochwasserschutz ist schon einiges passiert

Christian Mayerhofer (AWG), Zweiter Bürgermeister, der die Sitzung leitete, betonte allerdings, dass die Gemeinde mit den bisherigen Schritten zum Hochwasserschutz „nicht schlecht unterwegs“ sei. Das Regenrückhaltebecken im oberen Bereich der Howaschen leiste „supertolle Arbeit“. Bei den jüngsten Regenereignissen habe das Biotop im unteren Bereich das Wasser aufgefangen.

Bürgermeister Christian Weyrich (CSU), der in seinem Urlaub auf Zwischenstation an der Sitzung teilnahm, ergänzte: Das Regenrückhaltebecken werde im Herbst geräumt. Für einen mittleren fünfstelligen Betrag habe die Gemeinde die Howaschen ausräumen lassen. Ziel sei es, die Maßnahmen mit dem Naturschutz in Einklang zu bringen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden wie Heldenstein, die bei diesem Thema unabdingbar ist, laufe.

Hohe Förderung für Konzept und Maßnahmen

Das integrale Hochwasserschutzkonzept sei in Auftrag gegeben, so Christian Mayerhofer. Im nächsten Jahr werden Ergebnisse erwartet. 90 Prozent staatliche Förderung gibt es für das Konzept, 70 Prozent für daraus abgeleitete Maßnahmen, so Geschäftsstellenleiter Stefan Kirchbuchner.

Das Gemeindegebiet bis Ampfing und Heldenstein wird in diese Untersuchung einbezogen, nicht aber Fraham und Aschau-Werk. Der Grund: Fördermittel gibt es nur für Untersuchungen im Zusammenhang mit Fließgewässern.

Wasser – die unterschätzte Gefahr

Die Gefahr, die vom Wasser ausgeht, wird von vielen unterschätzt. Dabei kann schon ein Wasserstand von 50 Zentimetern dazu führen, dass auch Erwachsene eine Tür nicht mehr aufdrücken können. Solche Wasserstände können in der Ortsmitte von Aschau und im Siedlungsgebiet Wiesengrund bei einem Starkregenereignis, bei dem in einer Stunde 100 Liter pro Quadratmeter fallen, erreicht werden. Ein Druck von 125 Kilo laste bei 50 Zentimetern auf der Türe, so Ingenieur Alexander Reindl in seinem Vortrag. Schon ab 30 Zentimeter und einem Wasserdruck von 45 Kilo werde es für Kinder und schwächere alte Menschen schwierig, die Türe noch aufzukriegen.

Ähnlich verhält es sich beim Thema Strömung. Bei vermeintlich geringen Fließgeschwindigkeiten von einem Meter pro Sekunde – das entspricht 3,6 Kilometer pro Stunde – werden Kinder vom Wasser mitgerissen. Bei zwei Metern pro Sekunde, also etwas mehr als Schrittgeschwindigkeit, könne sich bei einem Wasserstand von 70 Zentimetern kein Erwachsener mehr halten. In Teilbereich der Siedlung seien Fließgeschwindigkeiten jenseits der zwei Meter pro Sekunde möglich.

Mehr zum Thema

Kommentare