Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ritter schick in Strick

Stricken bis die Nadeln heiß laufen – 30 Frauen sorgen für die Kampfkleidung bei „1322“

Fleißig stricken die Damen um Monika Ettenhuber an den Rüstungen der Ritter für 1322: (v.l.) Hildegard Müller, Monika Ettenhuber (Leiterin der Strickgruppe), Sabine Beck, Rosmarie Gillhuber, Elsa Kern und Maria Stöger.
+
Fleißig stricken die Damen um Monika Ettenhuber an den Rüstungen der Ritter für 1322: (v.l.) Hildegard Müller, Monika Ettenhuber (Leiterin der Strickgruppe), Sabine Beck, Rosmarie Gillhuber, Elsa Kern und Maria Stöger.
  • Rita Stettner
    VonRita Stettner
    schließen

Die Damen vom „Orden der gekreuzten Nadeln“ kleiden mit ihren Strickwerken die Darsteller des Historienspiels um die Schlacht von Ampfing ein

Ampfing- – Obwohl das Atelier am Marktplatz in Ampfing voller Strickerinnen ist, ist es sehr leise. Jede schaut bedächtig auf ihr Stück, das sie gerade in Arbeit hat. Derzeit werden Kettenhemden und Beinlinge gestrickt. Das Strickgarn ist ein Jutegarn, sehr kratzig und auch sehr fusselig. Mit 6er-Stricknadeln wird gestrickt. Immer wieder werden die Teile, die gerade in Arbeit sind, mit dem Papiermuster verglichen, das vor den Damen auf dem Tisch liegt. Jede der Strickerinnen hat einen Ritter zugewiesen bekommen, für den sie strickt.

Sabine Beck kommt extra aus München und durch das Stricken hat Sie schon Garnrillen am Finger.

Der Orden der gekreuzten Nadeln

Monika Ettenhuber – ihres Zeichens Chefin vom „Orden der gekreuzten Nadeln“ – so nennt Sie sich selber, steht für Fragen zur Verfügung und kann als alter Strickhase auch viele Tipps geben. Monika ist eine Perfektionistin. Die fertigen Teile die sie in Empfang nimmt werden kritisch beäugt und sie lässt schon mal auftrennen, wenn das Werk nicht ganz ihren Wünschen entspricht.

Lesen Sie auch : „Dark Brightness – Neu geboren“: Neumarkt-St.Veit hat mit Brigitte Häglsperger eine neue Buchautorin

Nachdem die Teile die Endkontrolle bestanden haben, werden sie, -damit nichts durcheinander kommt, sofort beschriftet: Welches Teil es ist, für wenn es bestimmt ist und wer es gestrickt hat. Auch selbst legt Monika Hand an, und strickt fleißig mit. Die Schwierigkeit: Die großen Teile haben richtig Gewicht und gehen in die Arme. Und das Garn ist warm. „Da kommt man schon mal in den Schwitzmodus, wenn man so ein Strickteil vor sich auf den Knien hat“, so Monika Ettenhuber.

Genau nach Vorlage Stricken: Maria Stöger prüft, ob es passt.

Über ihre Tochter Johanna, die in dem Stück „1322“ die „Ella von Pottenstein“ verkörpert, hat Monika vom Aufruf, dass Strickerinnen gesucht werden, erfahren. Sofort hat Sie sich bei den Kostümmeisterinnen gemeldet und jetzt leitet Sie die Strickgruppe. Während der Strickstunde herrscht ein stetiges Kommen und Gehen. Das Team, das rund 20 Strickerinnen umfasst, ist gut gemischt. Die Jüngste ist um die 30 und die Älteste, Kathi Steinberger, bringt es sogar auf 91 Jahre. Die, die im Team dabei sind, arbeiten auch in Heimarbeit und bringen zum Nähtreff ihre fertigen Arbeiten mit. Manche Strickerinnen kommen von weit her. Von Münster bis Starnberg sind sie dabei, alle wollen mithelfen um das Spektakel „1322“ auf die Beine zu stellen.

Auch interessant: Süßkartoffel-Pionier Manfred Auer hat mit so mancher Widrigkeit zu kämpfen

Sabine Beck beispielsweise, kommt sogar mit dem Motorrad aus München nach Ampfing, um gemeinsam mit den anderen zu arbeiten. Nach kurzer Zeit hat ihr Finger schon eine Strieme vom Halten des rauen Garns. „Das wird mir eine zeitlang bleiben“, meint sie lachend, denn es gibt noch einiges zu tun. „Gleich zu Beginn hatten wir Startschwierigkeiten“, weiß Monika Ettenhuber zu berichten. „Der erste gestrickte Prototyp zog sich eher in die Länge als in die Breite, und wir mussten ein anderes Garn testen.“ Mit dem neuen Garn klappt es besser. Alois Ettenhuber hat extra für die Strickerinnen einen Garnhalter kreiert. Dafür musste ein alter Lampenschirmständer herhalten, der fachgerecht umgebaut wurde. Ist ein Strickteil fertig, wird es vom späteren Träger anprobiert. Gestrickt werden Ärmel, Beinlinge, Kettenhemden, Kettenhandschuhe, Hauben und vieles mehr. Momentan sind, laut Monika Ettenhuber, 21 Rüstungen für die Schauspieler auf der Bühne in Arbeit. Hinzu kommen später noch die Schwertkämpfer und Bogenschützen. Also noch viel zu tun für das Team.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Mühldorf

Maria Stöger erzählt von ihren Erfahrungen beim Stricken: „Am Anfang konnte ich nur etwa zehn Zentimeter stricken, dann musste ich aufhören, denn die Finger machten nicht mehr mit und auch die Schultern schmerzten. Jetzt hat sich der Körper daran gewöhnt und es flutscht.“

Die Garnfussel kitzeln in der Nase

Monika Ettenhuber ergänzt: „Man kann sagen, dass das Stricken zum Suchtpotenzial, geworden ist. Jede freie Minute wird genutzt, auch wenn man sich oft schnäuzen muss, weil die Fussel des Garns in der Nase kitzeln.“

Sind die Teile fertig, kommen Sie zur Weiterverarbeitung wieder zurück zu Reingard Wallner und ihrem Team in der Kostümmeisterei. Nach dem Zusammennähen geht es zur Anprobe. So bleibt nur zu hoffen, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat und die Gewandung auch passt und es für die Schauspieler dann bestens gekleidet auf die Bühne von „1322“ gehen kann.

Mehr zum Thema

Kommentare