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Brunnen im Landkreis Mühldorf sollen Flaschen füllen

Streit um Tiefenwasser in Weiding: So lief das Gespräch von Gegnern und Innfood

Lena Koch vor dem Werk Weiding: Dort stellt die Firma Innfood Babynahrung her. Künftig will das Unternehmen auch Mineralwasser abfüllen. Dagegen mobilisiert sich Widerstand.
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Lena Koch vor dem Werk Weiding: Seit dem Sommer sammeln Aktivisten wie sie Unterschriften gegen die Nutzung von Tiefenwasser zur Mineralwasserherstellung. Jetzt gab es ein Gespräch von Gegnern und Unternehmen.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Gegner einer Nutzung von Tiefenwasser in Weiding haben sich jetzt mit der Firmenleitung von Innfood zum Gespräch getroffen. Dabei kamen alle Streitpunkte auf den Tisch. So geht es nach dem Gespräch weiter.

Mühldorf - Ohne Annäherung ist ein Gespräch über die Nutzung von Tiefenwasser zur Herstellung von Mineralwasser in Polling verlaufen. Vertreter der Bürgerinitiative BINT und der Geschäftsführung der Innfood hatten sich getroffen, das Unternehmen hatte die Gegner einer Wassernutzung eingeladen. Frank Bremauer und Toni Dingl als Vertreter der Bürgerinitiative Netzwerk Trinkwasser (BINT) kristisieren weiterhin die Pläne der Innfood. „Hier wird die betriebswirtschaftliche Logik gegen die Belange der Umwelt ausgespielt“, betonten sie nach dem Gespräch. „Betriebliche Belange erscheinen vordergründig wichtiger als für den Mensch existentielle Belange.“

Innfood spricht von gutem regionalem Projekt

Die Innfood-Geschäftsführer Stefan Kost und Christian Sommer sind dagegen weiterhin davon überzeugt, ein für die Region positives Projekt umzusetzen. „Das Vorhaben setzt Maßstäbe in punkto Nachhaltigkeit“, erklärten sie auf Anfrage. Mittelfristig werde vollständig mit selbst erzeugter Energie produziert und nur vollständig recyclete PET-Flaschen verwendet. „Das nachhaltige und regionale Konzept dient dem Ausgleich ökonomischer und ökologischer Interessen.“

Innfood will im Werk Weiding aus bestehenden Brunnen Wasser für die Mineralwasserproduktion fördern. Die Unternehmensführer betonten dabei, dass sie selbst das größte Interesse daran hätten, dass der Wasservorrat nicht reduziert werde. Gemeinsam mit den Behörden werde darauf geachtet, dass dies in jedem Fall und auch in Zukunft gewährleistet sei. Um das sicherzustellen, verwende Innfood ein digitales Überwachungssystem. „Damit können die zuständigen Behörden den Pegelstand des Tiefenwassers permanent überprüfen.“ 

BINT kritisiert Zusammenarbeit mit französischer Firma

BINT geht dagegen nach eigenen Angaben davon aus, dass Innfood durch den Zugriff auf das Tiefenwasser versuche, „die am Standort vorhandene, aus alten Tagen überdimensionierte Versorgungsstruktur, mit Energie, Dampf, Druckluft, auf mehrere zusätzliche Produktionsbetriebe neu zu verteilen“.

Vor allem kritisiert BINT die Zusammenarbeit Innfoods mit dem französischen Unternehmen Roxane. „Die geplante Kooperation des regionalen Familienunternehmens mit dem international agierenden Mineralwasserhersteller“ mache „die Argumente Familienunternehmen und regional unwirksam“. Die Initiative kritisiert auch, dass ein Brunnen an Roxane verkauft werden solle.

Brunnen bislang nicht verkauft

Das sei bisher nicht geschehen, betonen dagegen die Innfood-Vertreter. „Die Förderung und die Aufbereitung des Wassers geschieht in Zusammenarbeit zwischen Innfood und Roxane, die Abfüllung und Vermarktung des Mineralwassers übernimmt Roxane. Es wurde bisher an die Roxane GmbH kein Brunnen verkauft. Die Gründung der gemeinsamen Gesellschaft „Innfood Mineral Waters GmbH“ diene der Aufsicht und Kontrolle. „Bei dem Projekt hat sich Innfood bewusst für den Partner Roxane entschieden“, erklärten Kost und Sommer. Roxane sei für seine regionale Vermarktungsstrategie bekannt. „Das Weidinger Wasser soll an regionale Einzelhändler in Bayern geliefert werden“, versprechen die Geschäftsführer. „Dieses ersetzt Wasser von weit entfernten Erzeugern und spart große Mengen CO₂ im Transport ein.“

Nicht für die nähere Umgebung des Werks, rechnen dagegen die BINT-Vertreter vor. Denn dort steige nicht nur der LKW-Verkehr massiv. Auch der Kohlendioxid-Fußabdruck von Mineralwasser und Trinkwasser unterscheide sich erheblich. „Der von Mineralwasser ist bei 273,9 Gramm Kohlendioxid je Liter um das 49fache höher als der von Trinkwasser“, erklären Bremauer und Dingl. Dies bedeute, dass der Kohlendioxid-Ausstoß von zehn Litern Mineralwasser so hoch sei wie die Verbrennung von einem Liter Heizöl.

Genehmigung steht noch aus

Ob es zur Nutzung des Tiefenwassers als Mineralwasser kommen wird, ist weiter offen. Nicht nur zahlreiche Nachbarstädte und Dörfer laufen gegen das Vorhaben Sturm. Sie fürchten um ihr eigenes Grundwasser. Auch die Genehmigung durch das Landratsamt steht aus und ist noch nicht beantragt.

Derzeit arbeitet Innfood nach eigenen Angaben an der Erstellung eines hydrogeologischen Gutachtens. Dies sei inzwischen fortgeschritten und werde mit Fertigstellung den Behörden zur Prüfung vorgelegt. „Innfood ist parallel in der Vorbereitung für die Antragsstellung zur Weiternutzung der vorhandenen Brunnen“, teilt das Unternehmen mit. „Das Projekt nutzt die vorhandenen Brunnen und derzeit genehmigten Fördermengen.“

Umliegende Gemeinden protestieren

Im Streit mit den umliegenden Gemeinden geht es derzeit nur um den Bau einer Halle für die Abfüllung von Mineralwasser, nicht aber um die Nutzung selbst.

BINT würdigte trotz der bleibenden Differenzen das Gespräch als „wesentlichen Schritt im Diskurs der beteiligten Interessenvertreter“. Gleichzeitig kündigte die Initiative an, weiter Widerstand gegen die Tiefenwassernutzung leisten und Unterschriften für die Petition sammeln zu wollen.

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