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Futterpreise ziehen deutlich an

Problem für Eier-Produzenten: Steigende Produktionskosten für Betriebe im Kreis Mühldorf

Die Packstation ließ sich die Europa-Abgeordnete Ulrike Müller von Franz-Josef Lohner genau erläutern. (Ulrike_Müller+Franz_ Lohner_1)
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Die Packstation ließ sich die Europa-Abgeordnete Ulrike Müller von Franz-Josef Lohner genau erläutern.

Die Europaabgeordnete Ulrike Müller war zu Gast auf dem Hof der Familie Obermeier-Lohner in Niederbergkirchen. Das kommende Jahr, so die Botschaft an die Politikerin, werde für die Eierproduzenten hart. Steigende Futterpreise und die „Bruderhahn-Debatte“ müssten ein Ei eigentlich deutlich teurer machen.

Von Dietmar Fund

Niederbergkirchen - In der breiten Öffentlichkeit und in der Bauernschaft gilt die Europäische Union oft als Erreger neuer bürokratischer Ärgernisse. Dass das ein falsches Bild ist, erklärte Ulrike Müller (MdEP), Abgeordnete des Europa-Parlaments für die Freien Wähler, bei einer Austauschrunde in Niederbergkirchen. Die Familie Obermeier und Ulrich Niederschweiberer, Mühldorfer Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, hatten sie in den Familienbetrieb Obermeier-Frischeier eingeladen.

Extensive Bewirtschaftung

„Anders als in der bayerischen und der Bundespolitik ist die Zusammenarbeit im Europäischen Parlament parteienübergreifend“, erklärte die Landwirtin aus Missen-Wilhams im Allgäu, die in der zweiten Legislaturperiode Europa-Abgeordnete ist und Milchkühe melkt, wenn sie zu Hause ist. „Oft hauen der Bund und die Bayern noch eins drauf.“ Als Beispiel nannte die langjährige Kreisbäuerin, Kommunal- und Landespolitikerin die Klimaschutzpolitik, für die Bayern an seinem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) eigentlich nichts ändern müsste.

Michaela Obermeier-Lohner und ihr Sohn Franz-Josef (von links) erklärten der wissbegierigen Europa-Abgeordneten Ulrike Müller die Eierfärbe-Anlage, beobachtet von Hans-Jörg Steinberger (VfL-Vorsitzender für Mühldorf), Heidi Schmidinger (BBV-Kreisvorstand) und Anna Senftl (Kreisbäuerin Mühldorf).

Trotzdem wollten die Bayern nun die extensive Bewirtschaftung und Biobetriebe fördern. Ihr Fazit: „Im Bund kommunizieren das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium nicht miteinander und in Bayern bestimmt die Staatsregierung, was in ihrem Landwirtschaftsministerium gemacht wird. Deutschland schießt sich mit der Klima- und CO2-Diskussion selbst ins Aus“.

Informationen zur Eier-Produktion

Müller folgte ihrer Devise, Fachwissen in die europäische Politik mitzunehmen. Sie nahm beim Rundgang durch den Betrieb alle Informationen zur Eier-Produktion auf, die ihr Franz-Josef Lohner, seine Mutter Michaela Obermeier-Lohner und sein Vater Josef Lohner geben konnten. Der Senior ist als Landwirtschaftsmeister für den Ackerbau zuständig, mit der der Betrieb das Futter für seine Hühner selbst erzeugt. Der Junior, ebenfalls ein Landwirtschaftsmeister, leitet die Färberei, die Verpackung, die Logistik und den Handel.

Die Verantwortung der Chefin liegt bei den sechs Vollzeitkräften im Büro des Geflügelhofs, seiner Nudelproduktion, bei der Beschickung von sieben Wochenmärkten und nebenbei auch beim Eierlikör. Zu den insgesamt vier eigenständigen Betrieben der Familie kommt die Region aktiv Vermarktungsgenossenschaft e.G. für die Region 18 und ihre fünf Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Rosenheim und Traunstein hinzu. Über diesen 2008 gegründeten Zusammenschluss von 55 Genossen werden zum Beispiel gefärbte Eier deutschlandweit vermarktet. Zur Abrundung baut die Tochter Anna-Katharina Lohner völlig eigenständig einen Bio-Zweig auf.

12 000 Eier pro Stunde verarbeiten

Auf 10 Hektar baut der Betrieb Raps, auf 40 Hektar Weizen und auf 50 Hektar Mais an. In der Färberei können bis zu 12.000 Eier pro Stunde verarbeitet werden, die aus Freiland- und Bodenhaltung stammen und auch für andere Eier-Produzenten gefärbt werden. Die Eier-Färbemaschine durchlaufen im Jahr 20 bis 25 Millionen Eier, die zuvor über eine Sortiermaschine nach Größen aufgeteilt wurden. Über die Färbe-Sprühanlage kann Obermeier-Frischeier demnächst auch Halloween-Eier herstellen, die an mehrere Discounter deutschlandweit geliefert werden.

Die Sortieranlage durchlaufen auch circa 50 Millionen Frischeier pro Jahr. Dreimal die Woche werden unter der Obhut der Chefin insgesamt rund zwei Tonnen Nudeln pro Woche produziert, ebenfalls auch im Lohnauftrag für andere Betriebe. In einer eigenen Halle werden Lieferungen für die Genossenschaft kommissioniert.

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Weil der Betrieb aus allen Nähten platzt, plant die Familie seit zwei Jahren eine Erweiterung um rund 3.000 Quadratmeter, die bislang als Bauvorhaben im Außenbereich nicht genehmigt worden ist. Wegen der Privilegierung der Landwirtschaft haben dort nur Neubauten landwirtschaftlicher Gebäude eine Chance. Nicht nur das sorgt für Frust in der Familie, sondern auch die vielen Kontrollen.

Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer (v.l.) und vlf-Vorsitzender Hans-Jörg Steinberger diskutierten in der Kommissionierhalle mit Franz-Josef Lohner, der Europa-Abgeordneten Ulrike Müller, Michaela Obermeier-Lohner und Franz Lohner.

„Im Januar und Februar 2021 allein hatten wir acht unangemeldete Kontrollen“, berichtete Josef Lohner der Abgeordneten. „An 72 Tagen im Jahr ist jemand da, der meint, er müsse irgendetwas auditieren, das kostet alles Zeit und Geld. Nicht alles ist von der EU gemacht, das ist zum Teil auch eigene Dummheit“, ergänzte der Junior. Er stimmte der Einschätzung der Europa-Abgeordneten zu, dass die Bauern lieber keine Fördergelder mehr wollten, wenn sie im Gegenzug von vielen damit verbundenen Aufzeichnungspflichten entbunden würden.

Steigende Futterpreise

Ulrike Müller nahm auch die Einschätzung des Seniorchefs mit, dass das kommende Jahr für die Eierproduzenten hart werde. Steigende Futterpreise und die von den Discountern angezettelte „Bruderhahn-Debatte“ müssten ein Ei eigentlich um insgesamt rund vier Cent teurer machen, von denen 1,5 bis 2 Cent auf die Aufzucht von männlichen Küken entfielen.

Sie soll das Töten von männlichen Küken vermeiden. Sein Sohn ist skeptisch, ob die Discounter diese Mehrkosten in Gänze übernehmen. Auf dem Eiermarkt versuchten viele Betriebe, über die Übernahme kleinerer Erzeuger größer zu werden und wenigstens regional ein größeres Verhandlungsgewicht zu erlangen. Daher ließen sich gesteigerte Produktionskosten nur schwer auf breiter Front beim Verkauf wieder hereinholen.

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