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Steigende Coronazahlen

Klinikschließung in Haag: Warum dem Landkreis bei Corona-Maßnahmen die Hände gebunden sind

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser in der Region arbeiten während Corona besonders hart. Gleichzeitig gibt es eine massive Personalnot. Das hat für Patienten und Mitarbeiter Konsequenzen.
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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser in der Region arbeiten während Corona besonders hart. Gleichzeitig gibt es eine massive Personalnot. Das hat für Patienten und Mitarbeiter Konsequenzen.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Der Landkreis Mühldorf ist massiv von der Coronaherbstwelle betroffen. Jetzt muss das „InnKlinikum“ sogar das Krankenhaus Haag zusperren, weil zu viele Mitarbeiter in Coronaquarantäne sind. Kann der Landkreis zusätzliche Schutzmaßnahmen verordnen? Und was bedeutet die temporäre Schließung für die langfristige Zukunft der Klinik?

Mühldorf – Als unumgänglich angesichts der coronabedingten Personalausfälle hat Mühldorfs Landrat Max Heimerl die geplante dreimonatige Schließung der Klinik in Haag bezeichnet. „In den vergangenen Tagen hat sich die Situation noch einmal zugespitzt. Wir befinden uns erneut im Krisenmanagement.“ Damit die medizinische Versorgung in Mühldorf aufrechterhalten werden könne, unterstütze das Team aus Haag erneut den Standort Mühldorf. „Und das schon zum dritten Mal“, sagt Heimerl. „die kollegiale Zusammenarbeit und den engagierten Einsatz der Mitarbeiter an beiden Standorten bin ich sehr dankbar.“

Landrat Heimerl sieht keine Alternativen

Der Landrat sieht aber keine Möglichkeit, trotz der hohen Coronazahlen im Landkreis Mühldorf und der schwierigen Situation in den Krankenhäusern zusätzliche Coronamaßnahmen zu ergreifen. Der Landkreis darf schlicht und ergreifend nicht.

„Weder der Bund noch der Freistaat Bayern haben im Rahmen der Gesetzgebung dem Landkreis eine Möglichkeit zum Erlass von Allgemeinverfügungen in Bezug auf Corona vorgesehen“, sagt Heimerl. „Mangels Rechtsgrundlage können daher keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen für den Landkreis angeordnet werden.

Verantwortung liegt beim Einzelnen

„Wir haben aber in den vergangenen Pandemiewellen gelernt, mit steigenden Fallzahlen eigenverantwortlich umzugehen. Es empfehlen sich also wieder die gängigen Schutzmaßnahmen vor und bei Zusammenkünften: Testen, Abstände, Masken.

Nach Angaben von Medizinvorstand Richter helfen Mitarbeiter aus Haag seit dem 7. Oktober in Mühldorf bei Nachtdiensten.

„Der vorübergehende Personaltransfer soll im Laufe des Oktobers in mehreren Stufen ablaufen“, sagt der Chefarzt. Es sei geplant, dass dieser Transfer am 1. November abgeschlossen ist. „Zu diesem Zeitpunkt wird dann nur noch die Physiotherapie-Praxis und das Schlaflabor medizinisch in Haag aktiv sein.“

Komplette Schließung gab es bisher nicht

Nach Angaben von Klinik-Vorstand Thomas Ewald ist die Zahl der nicht mehr arbeitsfähigen Mitarbeiter im Laufe des Dienstags, 11. Oktober von 39 auf 110 gestiegen.

Trotz der Zusammenarbeit der beiden Krankenhäuser während der vergangenen Pandemiewellen: Die komplette Schließung ist neu, sie gab es so noch nicht. „Der aktuelle Personalnotstand in Mühldorf zwingt uns zu dieser Maßnahme“, sagt Chefarzt Richter. „Dieser konnte in der Vergangenheit noch besser kompensiert werden, sodass wir mit Transfers von Teilen der Mitarbeiter die Versorgung aufrechterhalten konnten.“ Die Verlegung von Patienten innerhalb des „InnKlinkums sei dagegen nicht neu und in den vergangenen Jahren immer wieder praktiziert worden.

Dauerhafte Schließung nicht geplant

Auf die Frage, ob der Klinik Haag ähnlich wie der Mühldorfer Geburtshilfe eine dauerhafte Schließung drohe, sagte Richter: „Das „InnKlinikum“ zieht mit diesem vorübergehenden Transfer von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Haag die Konsequenzen aus der sich massiv auftürmenden Corona-Herbstwelle.“ Er betont, dass Personalknappheit diese Maßnahme notwendig mache und auf drei Monate bis Ende Januar festgelegt sei. „Prinzipiell stehen alle Kliniken in Deutschland vor großen Herausforderungen.“ Dies gelte auch für die Region. „Wir müssen jetzt die Pandemie bewältigen und gleichzeitig alle vier Häuser des InnKlinikum fit machen für die Zukunft.“

Inzidenzwert liegt deutlich über 1000

Über das Wochenende sind im Landkreis 384 neue Corona-Infektionen bekannt geworden. Das teilte das Robert-Koch-Institut gestern mit. Damit liegt der Siebentagewert der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner, der sogenannte Inzidenzwert, bei 1278. Deutschlandweit liegt der Landkreis damit auf Platz 31 der aktuellen Neuinfektionen. Der Nachbarlandkreis Altötting ist mit einem Inzidenzwert von 1787 allerdings noch stärker betroffen. Der Landkreis Ebersberg hat einen Inzidenzwert von 2039.

Immer mehr coronainfizierte Patienten

Noch rasanter steigt die Belastung der Kliniken. Dort lagen gestern 78 Patienten, die mit Corona infiziert waren, am Vortag waren es nur 56. Fünf von ihnen werden auf der Intensivstation behandelt, zwei beatmet. Bereits am vergangenen Wochenende hatte die Klinikleitung darauf hingewiesen, dass geplante Operationen verschoben werden müssen, weil sich auch zahlreiche Mitarbeiter in Quarantäne befinden.

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