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KAPPENABEND-PREMIERE IM STADTSAAL

Die Stadt der großen Baumeister

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„Yo, wir schaffen das!“ Bob, der Baumeister, lässt grüßen. Und Angela Merkel auch. Zweieinhalb Stunden drehte sich bei der abwechslungsreichen und unterhaltsamen Kappenabend-Premiere am Donnerstagabend im ausverkauften Stadtsaal alles um die kleinen und großen Baustellen in Stadt und Land.

Mühldorf – An vorderster Stelle um Mühldorfs spektakulärste Baumaßnahme der letzten Jahre: Das öffentliche WC im Rathaus. Über zwei Jahre Bauzeit, über 170 000 Euro Kosten: Der „goldene Schiss“ ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Baumeister des Kappenabends, die – zwei Jahre nach dem Zwergenaufstand – den Mund gleich wieder ziemlich voll nehmen: „Wir sprengen Pfosten, bau’n nen Platz für den Sport, wir machen Mühldorf zum fantastischen Ort.“

Obwohl? Noch fantastischer? Geht das überhaupt? Die Baumeister nehmen ihre Helme ab und schlüpfen in andere Rollen, lästern gekonnt als Nagelschmiedturm und Altöttinger Tor über die „beleuchteten Bettdecken“ der Weihnachtsbeleuchtung; entdecken als Müllmänner in der Tonne von Landrat Georg Huber einen Flüchtling aus Aleppo; landen als Außerirdische auf dem Zentralparkplatz, wo die grünen Schleimlinge samt Raumschiff „Edelweiß“ ohne Parkscheibe natürlich nicht stehen bleiben dürfen. Die Lösung? Ab nach Waldkraiburg. „Da kann man zwar nicht einkaufen, aber parken so lang man will.“

Helme wieder auf, zurück nach Mühldorf. Auf der Suche nach dem Rathaus-Fundament und der Ursache für die WC-Instabilität landen die Bauarbeiter schließlich im „Horst vom Horst“: Seehofers Keller wird zur großen Bühne für Parodie-Genie Sigi Merkl, der dem bayerischen Ministerpräsidenten bis ins kleinste Detail Witz und Bosheit einhaucht.

Während unten der Horst an seinem Miniaturland-Bayern samt Stephan-Mayer-Tunnel bastelt, zerbricht sich oben der Stadtrat den Kopf, wie sich die Effektivität der Sitzungen dank Buchstabenkürzung steigern lässt. Eine Meisterleistung in Sachen Schmalspur-Kommunikation – und sauber einstudiertem Schauspiel. Die Szene endet in einem wunderbaren Lied („Mir san de Stadträte“) mit wunderbar bissigem Text. Eine Hymne für alle leidgeprüften Sitzungsbesucher.

Musikalisch bleiben ohnehin keine Wünsche offen, dafür sorgt einmal mehr die großartige Kappenabend-Band um Fritz Killermann, die zusammen mit Sänger Wolfgang Baierlein gleich noch einen neuen Wiesn-Hit einstudiert hat: „Oanemoinenamino“. Die letzte Mass des Tages wird auf dem Volksfest künftig im Sprechgesang bestellt.

Raus aus dem Bierzelt, rein ins Dschungelcamp. Am Sauloch buhlen unter anderem die Stadträte Georg Gafus, Oskar Stoiber und Rainer Schratt sowie Porno-Sternchen Natalie Hot humorvoll um die Gunst des Publikums. Spätestens an diesem Punkt geht mit dem Lili Marleen-Solo von Sissi Winzinger alias Natalie Hot ein neuer Stern am Kappenabend-Himmel auf. Auch der zweite Neuzugang – Franziska Schuhbeck – ist eine echte Verstärkung für die gut eingespielte Kappenabend-Mannschaft, zu der noch Sonja Garbe, Adi Hager, Thomas Enzinger und Markus Honervogt gehören.

Nicht zu übersehen und nicht zu überhören: Ann-Kathrin Lenz-Honervogt in vorderster Front, die als Domina Marianne Zollner den Stadtrat-Machos die Leviten liest. Wenn das kein Aufstieg ist: Vor zwei Jahren noch als „Ahnungslos“ besungen, heißt es für die Bürgermeisterin jetzt: „Ich bin die Marianne. Und mische Mühldorf mächtig auf.“

Mächtig aufgemischt wird auch im Wilden Westen, wo sich „Marshall Big Knofi“, Häuptling „Graues Brot aus dem Backshop-Tipi an der Dampfrossstraße“ und „Tommes Dschi Gräss“, Bewacher der Stadtkasse, in einer herrlich pointierten Szene gegenüberstehen und ihre private Fehde in aller Öffentlichkeit austragen.

Nach 150 Minuten ist dann auch die letzte Baustelle auf- und abgearbeitet – mal direkt mit vollem Spott, mal hintergründig mit viel Fantasie. Aber nie unter der Gürtellinie. Der Abend endet mit einem hohen Lied auf Mühldorf – und einem letzten kleinen Seitenhieb auf die Nachbarn: „Wir lieben die Parknot, den Stau vorm Münchner Tor, wir waren in Waldkraiburg, doch das kommt nie wieder vor.“

Letzte Kappenabend- Gelegenheit ist für Besucher am heutigen Samstagabend um 20 Uhr im Mühldorfer Stadtsaal. Restkarten gibt es noch an der Abendkasse.

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