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Auch Pläne für Volksfest 2021

Nach Eklat im Stadtrat Mühldorf: Streit um Kultur-Veranstaltungen im Sommer geht weiter

Auf Distanz, übers Internet aber direkt ins Wohnzimmer: Andreas Seifinger, Martin Markert, Selina Seifinger und Simon Kraus spielten das erste Internetkonzert aus dem Aktiv-Studio. Weiter sollen folgen.
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Auf Distanz, übers Internet aber direkt ins Wohnzimmer: Andreas Seifinger, Martin Markert, Selina Seifinger und Simon Kraus spielten das erste Internetkonzert aus dem Aktiv-Studio. Weiter sollen folgen.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Einen zweiten Corona-Sommer ohne Kultur und Feste soll es nicht geben. Darüber sind sich in Mühldorf alle einig. Wie das aber aussehen soll, darüber ist in Mühldorf ein Streit entbrannt.

Mühldorf – Wie Angebote aussehen können, darüber gibt es weit auseinandergehende Ansichten zwischen der Stadt und Kulturvereinen. Claudia Hungerhuber (SPD) hatte die Diskussion über Kultur in Corona-Zeiten im vergangenen Herbst angestoßen, in der jüngsten Stadtratssitzung legte die Kulturreferentin nach. „Das Kulturprogramm in Mühldorf ist seit einem Jahr tot. Wann setzen sie die Ressourcen der Stadt Mühldorf in diesem Bereich endlich ein, um Alternativkonzepte zu entwickeln und umzusetzen“, fragte sie Bürgermeister Michael Hetzl (Reaktion des Bürgermeisters unten).

Heimische Künstler ohne Perspektive

Auf Anfrage verdeutlichte die Kulturreferentin ihn Anliegen. „Auch ich würde mir wünschen mit Freunden auf dem Altstadtfest zu feiern. Aber bei Betrachtung der aktuellen Situation erscheinen Großveranstaltungen, wie das Altstadtfest und das Volksfest, nicht durchführbar.“

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Deshalb sei die Verwaltung in der Pflicht: „Die Stadt hat die Infrastruktur, die technische Ausstattung und vor allem mit dem hervorragenden Team vom Kulturamt das erforderliche Know-how, entsprechende Alternativkonzepte zu entwickeln und umzusetzen.“ Hungerhuber präsentiert zwei konkrete Vorschläge. Sie regt einen „Sommer in der Stadt“ als Ersatz für Großveranstaltungen in Zusammenarbeit mit Künstlern und Kulturvereinen, Gastronomie und Kaufleuten entwickelt und dezentral veranstaltet werden.

Stadt: Mehr Veranstaltungen denn je

Das Städtische Kulturprogramm könnte als Live-Übertragung oder als Open-Air-Veranstaltung durchgeführt werden. „Bei vergleichbaren Infektionsschutzauflagen, wie im vergangenen Jahr, sind damit bis zu 400 Zuschauer möglich, die sich im Freien sicherer fühlen als in einem geschlossenen Raum.“

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Damit gäbe es auch eine Möglichkeit, lokalen Musikern und Kulturvereinen eine Bühne zu bieten. Denn die, das befürchtet Hungerhuber massiv, stehen bei den derzeitigen Planungen im Regen.

Die Stadt erklärt als Antwort auf eine Anfrage der Grünen, „dass das Kulturprogramm im Jahr 2021 – wenn eine Durchführbarkeit erlaubt wird – so groß ist wie noch nie.“ Dazu kämen Stadtführungen, Öffnungen des Naglschmiedturms, Altstadtfest und Volksfest. „Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass das Traditionsvolksfest durchgeführt werden kann“, erklärte Bürgermeister Hetzl auf Anfrage. Die Durchführbarkeit werde aus Regierungskreisen signalisiert. „Daher wird aktuell kein Alternativprogramm verfolgt.“

Vereine bitten um Unterstützung

Einige Mühldorfer Kulturvereine wollen nicht warten und haben bereits eigene Pläne entwickelt. Marianne Zollner ist Vorsitzende des Kulturschuppns.

Der Theaterverein habe eine „zermürbende Zeit“ hinter sich, auch mit gescheiterten Vorhaben im vergangenen Jahr, die wegen der zweitenCoronawelle ausgefallen seien. Die Leidenschaft der Mitglieder aber sei ungebrochen sagt Zollner, derzeit suchten sie Auftrittsmöglichkeiten im Sommer.

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Einzelne, kleinere Theaterszenen sollen aufgeführt werden, an verschiedenen Orten in der Stadt.Zollner, die bis zum vergangenen Frühjahr Bürgermeisterin war, hält sich mit grudnsätzlicher Kritik an der Stadt aber zurück. Sie bedauert die derzeitige Polarisierung der Diskussion, sagt aber auch: „Manches hat man im vergangenen Jahr schon bedauert und gefragt, warum es wo anders geht und bei uns nicht.“

Symphonieorchester erwartet Hilfe von der Stadt

Josef Rixinger, Vorstand des Symphonieorchesters Mühldorf, wird deutlicher: „Ich erwarte mir nicht, dass etwas von der Stadt kommt“, sagt er. Dabei bräuchte das Orchester dringend Hilfe, vor allem bei der Suche nach einen geeigneten Proberaum, für den Tag, an dem sich die Musiker wieder treffen dürften. Der alte, die Aula der Berufsschule ist abgerissen.

Ehrenamtliche Musiker hoffen auf Auftritte

Auch für erste Auftritte seien die ehrenamtlichen Musiker auf die Stadt angewiesen. Rixingers Idee: Ein Benefizkonzert im überdachten Haberkasten-Innenhof mit verschiedenen Musikgruppen. „Es ist aber fraglich, ob uns die Stadt unterstützt oder sich überhaupt Gedanken macht“, ist Rixinger pessimistisch.

Im Stadtrat erhielt Hungerhuber von den Grünen Unterstützung. Kathrin Enzinger sagte: „Es wird kein Nachcorona geben, sondern ein Mitcorona. Es wird Möglichkeiten geben müssen, auch mit einer hohen Inzidenz Veranstaltungen möglich zu machen.“ Stefan Schinko kritisiert: „Man versteckt sich hinter Corona und es passiert nichts.“

So sehen Bürgermeister und Kulturamtsleiter die Lage in Mühldorf

Bürgermeister Michael Hetzl und Kulturamtsleiter Walter Gruber verwehren sich in einer Stellungnahme gegen die Darstellung, in Mühldorf sei die Kultur „seit einem Jahr tot“, wie die Kulturreferentin sagte. „Vor dem ersten Lockdown am 11. März 2020, trat der Kabarettist Michael Altinger das letzten Mal am 10. März im Haberkasten auf“, erklärt Gruber. Die für den Zeitraum bis 1. September 2020 geplanten Veranstaltungen habe man wegen des Lockdowns verschieben müssen.

„Bereits am 13. Juli traf man sich zu einem Abstimmungsgespräch für Veranstaltungsmöglichkeiten für einen ,Sommer in der Stadt‘“, betont Gruber. Ab 1. September 2020 habe man das städtische Kulturprogramm mit einem Hygienekonzept wieder hochgefahren: „Bis 31. Oktober wurden elf Kulturveranstaltungen durchgeführt“, sagt Gruber.

Für den Haberkasten seien 50 Sitzplätze, für den Stadtsaal 200 behördlich genehmigt gewesen. „Teilweise haben wir Veranstaltungen, die überbucht waren, doppelt angeboten“, erklärt der Kulturamtsleiter. Ende Oktober habe man versucht, die heimischen Blaskapellen dazu zu animieren, ein Wohnzimmerkonzert zu spielen, die Kosten hierfür hätte die Stadt übernommen. Aufgrund der Corona-Bestimmungen habe man diese Konzerte aber nicht durchführen können.

Auch der Weihnachtszauber sei bei der Bevölkerung trotz der Einschränkungen gut angekommen. Hetzl versteht die Kritik nicht, denn er selbst oder eine seiner Vertreterinnen waren von Mitte September bis Mitte November 2020 bei acht Kulturveranstaltungen, die von anderen Veranstaltern durchgeführt wurden. „Die Kultur in Mühldorf lebt“, sagt Hetzl.

So machen es die anderen

In vielen vergleichbaren Kommunen gab es im Sommer 2020 Kulturveranstaltungen. Zum Teil unter Federführung der Kommunen, zum Teil in Privatinitiative.

Haunzenberg, Burg Frauenstein, Rosenheim: Konzerte in einem Park, auf dem Burggelände oder auf dem Max-Josef-Platz. Zuhörer saßen laut Coronaregeln auf Stühlen, die auch zu kleinen Gruppen zusammengestellt werden konnten.

Töging: Musiksommer, Klassikkonzerte im Freien.

Burgkirchen: Kabarett im Hof des Bürgerzentrums Burgkirchen, ausverkauft trotz Regens.

Altötting: Kulturprogramm bis Oktober im Freien neben dem Kulturzentrum

Wasserburg: Biergarten mit Konzertangeboten

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