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Heimische Wirtschaft „zutiefst beunruhigt“

Wird das Heizöl knapp? So trifft die Ukraine-Krise den Landkreis Mühldorf

Probleme bei der heimischen Energieversorgung sind die mögliche Folge des Kriegs, den Russland gegen die Ukraine führt.
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Probleme bei der heimischen Energieversorgung sind die mögliche Folge des Kriegs, den Russland gegen die Ukraine führt.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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Die Folgen des Krieges dürften schon bald spürbar sein. Höhere Energiepreise, Exportprobleme, Rohstoffmangel. Das sagen Experten.

Mühldorf – Der Krieg in der Ukraine wird sich auch auf die Region auswirken. Die Konsequenzen für Menschen, Firmen und Einrichtungen an Inn und Salzach werden nicht vergleichbar sein mit dem Leid der Menschen in der Ukraine.

Die Folgen des Krieges dürften aber schon bald spürbar sein. Höhere Energiepreise, Exportprobleme, Rohstoffmangel. Das sagen Experten.

Telefone bei Gashandel laufen heiß

Füllen derzeit mehr Gas- und Heizölkunden im Landkreis ihre sich leerenden Tanks auf? „Die Nachfrage nach Heizöl ist in den letzten eineinhalb Wochen gestiegen, vorher war es eher ruhig“, hat Martina Hermann vom Mineralölhandel Kaiser in Mühldorf festgestellt. „Viele Kunden füllen derzeit ihre Tanks auf, weil sie nach dem Winter leer sind. Es kommen aber auch viele Bestellungen herein, um sich in der jetzigen Lage mit 1000 bis 2000 Litern auf Vorrat einzudecken, obwohl noch ausreichend Öl im Tank ist.“ Mit diesem „Sicherheitskauf“ wollen sich die Kunden vor den täglich steigenden Preisen schützen. „Die Preise für Heizöl ändern sich täglich“, so Hermann. „Im Moment gehen sie stetig um ein bis zwei Cent nach oben.“

„Die Reaktionen unserer Kunden fallen gemischt aus“, berichtet Bastian Cziczek von Schnürer-Energie in Mühldorf. „Diejenigen, die noch genügend in Ihren Heizöl-Tanks haben, warten lieber ab, wie sich die Krise weiterentwickelt. Die Mehrheit der Kundschaft versucht allerdings, sich zu bevorraten. Als gestern die Nachricht über den Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine kam, lief das Telefon heiß.“

Halbleere Tanks auf Vorrat auffüllen, um so möglichen weiteren Preissteigerungen zu entgehen, oder Ruhe bewahren und auf eine preisgünstigere Phase warten?

Peter Pospischil, Vorsitzender der Energieagentur Chiemgau-Inn-Salzach eG: „Die Preisentwicklung in den nächsten Tagen und Wochen ist kaum seriös vorherzusagen und kann auch massiv sein.

Für eine strategische Entscheidung, die Tanks kurzfristig aufzufüllen, kann die verbleibende Reichweite als Basis dienen. Wer noch problemlos durch die Heizperiode kommt oder sogar noch deutlich länger, kann die Entwicklung auch abwarten. Dass eine Entspannung in der Preisentwicklung erst längerfristig wieder stattfinden wird, kann aber nicht ausgeschlossen werden.“

Wie wirkt sich der Russland-Ukraine-Konflikt auf die Geschäfte heimischer Firmen aus? Ingrid Obermeier-Osl, Vizepräsidentin der IHK München und Oberbayern und Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting- Mühldorf: „Der sich über Nacht zugespitzte Konflikt zwischen Russland und der Ukraine beunruhigt die heimische Wirtschaft zutiefst. Unternehmen aus der Region mit Niederlassungen in der Ukraine oder mit Reisetätigkeiten in die Ukraine raten wir dringend, sich an die Anweisungen und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts.

Besonders angespannt betrachten die hiesigen Unternehmen die Preisentwicklung an den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten und die möglichen Folgen der gegen Russland verhängten Sanktionen. Hier ergeben sich große Risiken für die Wirtschaft, insbesondere bei den Energiepreisen.

Sanktionen gegenüber Russland. Betrifft das auch den Absatzmarkt der heimischen Rinderzüchter?

Josef Frank blickt in seiner Funktion als Verbandsverwalter des Zuchtverbandes Mühldorf relativ emotionslos auf die möglichen Konsequenzen für den Verband. Dass der Absatzmarkt von Rindern nun unter den kriegerischen Auseinandersetzungen und den damit angedrohten Sanktionen gegenüber Russland zusätzlich leiden könnte, diese Sorge teilt er nicht. „Seit gut einem Jahr sind die Tiertransporte nahezu auf Null runtergefahren. Es kann sich nicht noch mehr verschlechtern.“ Die Nachfrage im Osten wäre zwar vorhanden, auch das Angebot. Aber aus Tierschutzgründen seien Lebendtransporte nicht mehr gewollt.

Für den Zuchtverband sei es ein Glücksfall, dass Rindfleisch hierzulande aktuell sehr gefragt sei und sich auch die Fleischpreise auf einem stabil hohen Niveau befänden.

Wie treffen die Sanktionen den Hersteller von Bio-Knuspermüsli, Barnhouse Naturprodukte in Mühldorf?

„Wir beziehen unseren Dinkel und Weizen nur aus der Region“, so Andreas Bentlage, Leitung Marketing. „Wir sind demnach nicht von Getreidelieferungen aus der Ukraine oder Russland abhängig und von möglichen Handelsbeschränkungen betroffen.“

Agrartechnik Fliegl aus Mühldorf liefert viele Produkte nach Russland. Wie bewertet die Firma die Entwicklung?

Russland ist für die Firma Fliegl Agrartechnik ein wichtiger Absatzmarkt. Inwieweit sich der Krieg in der Ukraine auf den Absatzmarkt auswirken könnte, vermochte man gestern noch nicht zu sagen. „Wir werden jetzt erst einmal abwarten“, hieß es seitens des Geschäftsführers Josef Fliegl. Genau Zahlen der Agrarprodukte, die nach Russland gehen, nannte die Firma nicht. Nur soviel: 65 Prozent aler Produkte sind Exportgüter, nach Russland gehen in erster Linie Erntemaschinen, konkret Überlade- und Abschiebewagen.

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