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Mann aus Töging in wichtigem Amt

Schwieriger Start: Wird die „Reserve-Maschine“ Martin Huber glücklich als CSU-Generalsekretär?

CSU-Generalsekretär Martin Huber
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Der neue CSU-Generalsekretär Martin Huber.
  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
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Söders neuer Generalsekretär Martin Huber hat einen sehr schwierigen Start erlebt. In den drei Monaten seiner Amtszeit musste der Mann aus der Region schon viele Krisen bewältigen. Eine Zwischenbilanz.

Töging – Generalsekretäre müssen in Fotos denken. Also klettert Martin Huber auf die monströse blaue Turbine im Wasserkraftwerk Töging, ein hundert Jahre altes Trumm, das schon Generationen mit grünem Strom versorgt hat. Eigentlich könnte nichts besser seine These illustrieren, dass die CSU schon immer-immer-immer voll auf erneuerbare Energie gesetzt hat. Wäre da nicht das große Schild neben ihm: „Reserve-Maschine“ steht da.

Klug und besonnen

Das passt – besser als ihm lieb ist. Huber, 44, ist die Reserve-Maschine der CSU. Seit drei Monaten ist er Generalsekretär, der dritte in diesem Jahr, und erste Wahl war er nie. Vorvorgänger Markus Blume wechselte ins Kabinett, Vorgänger Stephan Mayer scheiterte an einem Brüllanfall. Dann winkten so viele Kandidaten ab, bis jemand auf ihn deutete, den als klug und besonnen geltenden, aber nur Fachkreisen bekannten Umweltpolitiker. Allmählich wird es Zeit für eine Zwischenbilanz, ob die Reserve-Maschine, Baujahr 1977, schnurrt oder stockt. Es gibt kaum Schonfrist, in einem Jahr ist schon Landtagswahl, er organisiert den schicksalhaften Wahlkampf.

Er sieht das kommen. Huber lädt deshalb in diesen Tagen gezielt Journalisten aus München und Berlin, zwei Busse voll, in seine Heimat im Südosten Oberbayerns ein, um ein bisschen am Bild von sich zu malen. Chemiedreieck (Wirtschaft!), Altötting (Werte!), und eben die Turbine, denn auch das Wasserkraftwerk steht in Hubers Heimatort am Inn. Es ist tatsächlich eines der größten, wichtigsten in Bayern, gerade für eine Viertelmilliarde Euro modernisiert, Wiedereröffnung Ende September, versorgt 200 000 Haushalte.

Hubers Job als General ist derzeit auch: Mit aller Macht den Eindruck verwischen, die CSU könnte irgendwas mit Bayerns extremer Gasabhängigkeit zu tun haben. Er tut es notfalls mit amtsüblicher Grobheit. „Lüge“ wirft er den Grünen vor, die den Spitzenplatz bei Erneuerbaren bezweifeln. Und preist in allen Facetten, wie Bayern bei Wasser, Solar, Geothermie, Biomasse vorne liege, beim Wind geht halt topografisch nur Mittelfeld. „Das verdient, gewürdigt zu werden.“

Seine Rolle sucht Huber trotzdem noch. Seit Tag zwei im Amt schwebt eine ungeklärte Plagiatsaffäre über ihm. Das macht ihn angreifbar. Zugleich ist kaum Platz für eigene, gewichtige Auftritte: Alles in Bayern, jedes noch so kleine Volksfest, ist derzeit Chefsache für Markus Söder. Alles in Berlin, Attacken auf die Ampel, ist ebenso Söder-Chefsache. Als Huber mal was wagte, im Interview mit unserer Zeitung über die Wirkung der Russland-Sanktionen sinnierte, wurde das von der Parteispitze sofort glattgezogen. Was Huber bleibt, ist der Landtag, ein starker Redner, aber wer hört da zu? Und: die Ochsentour an der Basis. Das immerhin sehr fleißig: fast 30 der 107 Kreisverbände hat er schon besucht, bis in Aschaffenburg, jedes Mal 20 Minuten reden, ein, zwei Stunden den Mitgliedern zuhören.

„Unterschätzt den Martin nicht“

Teilnehmer der Runden loben Hubers Empathie und Geduld. „Unterschätzt den Martin nicht“, sagt ein alter CSU-Fuchs. Journalisten erleben indes oft einen angespannten General, der auch abseits der Mikros nur Parteistanzen absondert. Geprägt hat er das CSU-Bild nicht, dringt bundesweit auch nicht oft in die großen TV-Sendungen vor. Wird er glücklich in dem Amt?

In Töging schlurft eine ältere Dame auf ihn zu. „Herzlichen Glückwunsch noch“, raunt sie ihm zu – und stutzt dann: „Darf man das sagen?“

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