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80 Prozent wollen ihre Betriebe aufgeben

Fehlende Perspektiven durch die Politik: Schweinehalter in der Region sind im Existenzkampf

Ferkelerzeuger Gerhard Langreiter mit seinen Ferkeln in Oberneukirchren.
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Ferkelerzeuger Gerhard Langreiter mit seinen Ferkeln in Oberneukirchren.
  • Josef Bauer
    VonJosef Bauer
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Die Preise für Schweinefleisch sind weiter im freien Fall. Die erzielten Preise reichen bei den Schweinehaltern nicht aus, um vernünftig zu arbeiten. Stellvertretender BBV-Kreisobmann Gerhard Langreiter aus Oberneukirchen setzt in einem neuen Ansatz auf Wege in der Regionalität sowie der Direktvermarktung.

Mühldorf – Die Preise für Schweinefleisch sind im freien Fall. Die Nachfrage aus China und weiteren asiatischen Ländern ist aufgrund der Schweinepest eingebrochen. In Deutschland und Europa kämpfen die Schweinehalter immer noch mit hohen Beständen, die auf Lager liegen. Dazu kommt, dass der Sommer auch beim Grillgut keine Entlastung gebracht hat. Außerdem drücken spanische Schweinehalter mit ihren Produkten auf den deutschen Markt.

Starker Druck durch Schlachtungen

Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) sagt in ihrem Marktbericht: „Am deutschen Schlachtschweinemarkt wird seitens maßgeblicher Schlachtunternehmen erneut starker Druck auf die Schweinepreise ausgeübt. Vor dem Hintergrund eines vielfach Angebotes können Preisreduzierungen in der neuen Schlachtwoche nicht verhindert werden.“

Die Entwicklung der schweinehaltenden Betriebe in Bayern in der Statistik.

Der Bauernverband wie auch die Fachmedien schlagen seit Wochen Alarm: Katastrophale Erzeugerpreise, hohe Kosten, ständig wachsende Anforderungen insbesondere beim Tierwohl, fehlende Planungssicherheit für Investitionsentscheidungen, unüberbrückbare Hindernisse bei Stallbaugenehmigungen sowie die Hilflosigkeit der Behörden beim Eindämmen der ASP. Es droht ein massives Wegbrechen der Schweinehaltung in Deutschland und Bayern.

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BBV-Präsident Heidl hat daher bereits Ende August Verantwortliche aus der Wertschöpfungskette, aus Politik und Beratung zu einem Krisengespräch am 17. September eingeladen. Ziel des Gesprächs ist es, über die aktuell verheerende Lage der Schweinehalter zu beraten und vor allem Handlungsfelder und Perspektiven für die bayerische Schweinehaltung auszuloten und anzupacken. Fast alle der eingeladenen Verantwortlichen sagten ihre Teilnahme zu, unter anderem Vertreter von Rewe, Lidl und Kaufland.

80 Prozent sind verunsichert

Eine aktuelle Umfrage bei „agrarheute“ macht überdeutlich, dass es wirklich eine Minute vor Zwölf ist für die Zukunft der Schweinehaltung in Deutschland und Bayern: Fast 80 Prozent der Schweinehalter sind verunsichert, wie es weitergehen soll bzw. planen konkret den Ausstieg aus der Schweinehaltung. Dabei hat in den letzten zehn Jahren bereits fast die Hälfte der bayerischen Schweinehalter aufgegeben.

Die dramatischen Zahlen bestätigt auch Gerhard Langreiter, Ferkelerzeuger aus Oberneukirchen und stellvertretender BBV-Kreisobmann im Landkreis Mühldorf.

„Wir haben uns an die alle vier Jahre kommenden Tiefs gewöhnt, aber zur Zeit kommen wir aus den Tiefs überhaupt nicht mehr raus“, stellt Gerhard Langreiter fest. Er rechnet vor, dass aufgrund der Preissituation seinem Betrieb, seiner Frau und ihm, rund 8000 Euro pro Monat fehlen würden.

Gerhard Langreiter will in der Vermarktung neue Wege gehen. Er wurde als Vorsitzender des Fleischerzeugerings Südbayern gewählt. „Mir schwebt vor, dass wir bei uns mehr auf die Regionalität setzen müssen. Ich habe bereits Gespräche mit den Landtagsabgeordneten Dr. Marcel Huber und Landrat Max Heimerl in dieser Richtung geführt. Wir werden den Kontakt zu den Gastwirten und Hotels in der Region suchen und schauen, ob eine Direktvermarktung möglich wäre“, erklärt Langreiter.

Schweineproduktion erhalten

Der Ferkelerzeuger aus Oberneukirchen will auch die Schweineproduktion in Oberbayern erhalten. „Wir haben in Oberbayern keine Überversorgung, sondern benötigen jeden Schweinehalter auch in Zukunft“, stellt Langreiter heraus.

„.Außerdem seien in der Vermarktung mehr Angebote für die Erzeuger zu verbindlicher Partnerschaft auf Augenhöhe nötig. Gleichzeitig müsse die Politik endlich ein Gesamtkonzept für eine Zukunftsperspektive der Nutztierhaltung (Vorschläge Borchert-Kommission, inklusive Finanzierung) umsetzen“, so der BBV-Präsident.

Heidl weiter: „Beides brauchen die Schweinehalter dringend, um eine tragfähige Basis insbesondere für Investitionen in mehr Tierwohl zu haben.“

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