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Bei Sperrung der A94

Schleichverkehr durch Schwindegg: Rentnerin Roswitha Schmidt (70) geht auf die Barrikaden

Roswitha Schmid würde die Ampel am liebsten auf Rot stellen und damit den Ausweichverkehr von der Autobahn vertreiben. Die Hoffnung, dass der Schleichweg durch Schwindegg geschlossen wird, ist allerdings gering.
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Roswitha Schmid würde die Ampel am liebsten auf Rot stellen und damit den Ausweichverkehr von der Autobahn vertreiben. Die Hoffnung, dass der Schleichweg durch Schwindegg geschlossen wird, ist allerdings gering.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
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Wenn die A 94 gesperrt ist, nutzen nicht alle Autos und Lastwagen die ausgechilderte Umgehung. Manche donnern auf Schleichwegen mitten durch Schwindegg. Eine Anwohnerin geht jetzt auf die Barrikaden.

Schwindegg – Alle paar Sekunden rauscht ein schwerer Brummi direkt an Roswitha Schmids Haus vorbei. Manchmal stundenlang, manchmal abends oder nachts.

Lastwagen donnnern an Wohnhaus vorbei

So geht es der 70-jährigen Rentnerin, die seit fast 50 Jahren ihr Domizil direkt an der Mühldorfer Straße hat, in den letzten Monaten häufig. Immer dann nämlich, wenn sich der Verkehr samt Lastwagen unfallbedingt von der A 94 seinen Weg über Land in Richtung Dorfen und weiter nach München sucht.

Dabei gäbe es für diese Autos die Umgehungsstraße, die eit 2006 nördlich der Gemeinde entlang führt. „Haben wir in Schwindegg nicht genug Verkehr?“, erregt sich Schmid über die als „Schikane“ wahrgenommene Verkehrsleitung. Besser gesagt die ihrer Meinung nach nicht vorhandene.

Zuständigkeit dreht sich im Kreis

Auch ohne Unfälle auf der Autobahn zählt sie in Hochphasen rund 150 Fahrzeuge, die an ihrem Haus vorbeifahren, darunter viele, die nicht aus der Region kommen.

Für die Rentnerin unbegreiflich. Jedoch sei dies kein Vergleich zum „Unfallverkehr“, der bei einer Sperrung der A 94 eigentlich über die Bedarfsumleitung bis Dorfen laufen sollte, wie Wolfgang Haserer vom Landratsamt erklärt. „Es gibt also keinen Umleitungsverkehr auf der Mühldorfer Straße in Schwindegg“.

Umleitung soll ausreichend beschildert sein

Zuständig für den Umleitungsverkehr ist die Autobahn GmbH. Die sagt, dass die Umleitung deutlich ausgeschildert sei. Natürlich könnten ortskundige Fahrer in der Praxis die Umleitung vermeiden und sich den schnelleren Weg suchen. Man mache aber grundsätzlich selbst keine Verkehrsführung auf untergeordneten Strecken. „Da muss die Gemeinde ran“, erläutert Michael Schrollinger Betriebsingenieur von der Isentalautobahn Service in Ampfing, die im Auftrag er Autobahn GmbH für die Wartung der Umleitungsschilder zuständig sind.

Der Ball wandert also in das Feld der Gemeinde. Doch den möchte Schwindeggs Bürgermeister Roland Kamhuber nicht unbedingt aufnehmen, obwohl das leidige Anliegen sogar bei der jüngsten Gemeinderatssitzung zur Sprache gekommen war. Gut nachfühlen kann der Christsoziale die Sorgen und Nöte von Anwohnern wie Schmid. Schließlich habe er selbst einige Jahre lang über der Metzgerei seiner Familie zur Straße hinaus genächtigt, durchaus unter beständiger Geräuschkulisse.

Keine Beschwerden aus der Geschäftswelt

Man sei an der Strecke, die auch seine Kollegen in den Nachbargemeinden, allen voran Obertaufkirchen, beschäftige, nicht nur ob mangelnder Lärmschutzmaßnahmen geplagt. „Eine erhöhte Unfallgefährdung besteht obendrein“, sagt Kamhuber und fragt: Was sollen er und seine Kollegen denn machen, wenn Berufspendler, Lastwagenfahren und Co. trotz Umleitungsbemühungen durch die lokale Feuerwehr keine Früchte trügen? Schwindegg zur Fußgängerzone machen?

Roswitha Schmid nimmt es sportlich. Was bleibe ihr schon anderes übrig? Vielleicht sollte man sich in der Bürgerschaft mal zusammentun, um gemeinsame Aktionen zu organisieren. An der Ampel vor ihrem Haus immer wieder mal drücken, um den Verkehr aufzuhalten, bis er sich nach Obertaufkirchen zurückstaut – der Gedanke komme der 70-Jährigen ab und an. „Aber da würde ich ja wegen Verkehrsbehinderung angezeigt werden“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Geschäftsinhbaer reagieren noch nicht

Von einigen Nachbarn und auch Geschäftsinhabern an der Straße habe sie bereits Signale bekommen, dass man sich genauso gestört fühle wie sie. Aktionen gegen die Lärmbelästigung an der „Schleichstraße“ durch Schwindegg gebe es aber noch keine. „Unter unseren Mitgliedern einige davon an der Mühldorfer Straße gelegen sind bisher noch keine Beschwerden zu vernehmen gewesen“, winkt Gewerbeverbandsvorsitzende Ingrid Obermeier-Osl ab.

Vielleicht bringt der Bahnausbau was

Einzelinteressen also? Das bezweifelt Schmid. Aber solange niemand außer ihr etwas unternehme, werde nichts vorangehen. Vielleicht würde der geplante zweigleisige Bahnausbau und eine Schließung des Bahnübergangs direkt hinter der Einfahrt in den Ort etwas bringen. Aber auch das sei ein Thema, das noch in weiter Ferne liegt.

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