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Familieneinsatz für die Wildtierrettung

Rehe retten aus der Luft: Kraiburger Jäger Arthur Eling sucht Wiesen mit einer Drohne ab

Arthur Ehling mit einem geretteten Rehkitz. Damit das Tier keinen menschlichen Geruch annimmt, packt er es dick in Gras ein.
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Arthur Ehling mit einem geretteten Rehkitz. Damit das Tier keinen menschlichen Geruch annimmt, packt er es dick in Gras ein.
  • Kirsten Meier
    VonKirsten Meier
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Jahr für Jahr sterben Rehkitze, wenn Landwirte ihre Wiesen mähen. Die jungen Tiere verstecken sich im hohen Gras und werden von den landwirtschaftlichen Maschinen erfasst. Doch Rettung kommt aus der Luft.

Kraiburg – Das Gras auf den Wiesen ist hoch. Nach tagelangem Regen zeigt sich endlich mal wieder die Sonne. Perfektes Wetter für die erste Mahd. Für Rehkitze kann das zur tödlichen Gefahr werden. Für Arthur Ehling und seine Familie ist es eine Lebensaufgabe, Tiere und die Natur zu schützen. Der 73-jährige Jäger und sein verstorbener Freund Rudi Löw gehören zu den Vorreitern der Wildtierrettung. Schon vor mehr als 50 Jahren hatten die beiden Männer damit begonnen, Wildtiere vor dem Mähtod zu retten.

Durch den Einsatz von Menschen wie den Familien Ehling und Löw können viele Tiere vor dem Mähtod oder Verstümmelungen gerettet werden. „Als wir damals als junge Burschen mit der Wildtierrettung anfingen, mussten wir die ganzen Wiesen manuell absuchen“, erinnert sich Arthur Ehling. „Vor drei Jahren legten wir uns eine Drohne mit Wärmebildkamera zu. Damit lassen sich Tiere besser aufspüren. Für uns ist das natürlich eine enorm große Hilfe“, setzt er fort.

Peter Ehling beim Einstellen der Daten für die Drohne

Fast die ganze Familie ist im Einsatz

Bei ihren Rettungsaktionen ist fast die komplette Familie Ehling sowie Sebastian Löw (32) aus Taufkirchen im Einsatz. Der 32-jährige Sebastian setzt das Erbe seines Vaters Rudi fort. Sie alle sind Jäger. Die Natur und deren Bewohner hegen, pflegen und schützen ist ihnen eine Herzensangelegenheit.

Mit einer Drohne, die mit einer hochwertigen Wärmebild- und Restlichtkamera ausgestattet ist, suchen sie die Wiesenflächen in ihrem Jagdrevier ab. Durch die Drohne können Tiere leichter gefunden und gerettet werden. Peter Ehling (39) steuert die Drohne, während Arthur, sein Sohn Martin (42), und Sebastian Löw die Wiesen nach Wildtieren absuchen. Auch Peter Ehlings Töchter Isabella und Magdalena (beide 11), sowie Josefine (5) helfen mit.

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Sobald Peter Ehling auf dem Bildschirm einen auffallend gelben Fleck entdeckt, weiß er, dass sich dort vermutlich ein Tier versteckt. „Wird ein Tier über die Wärmebildkamera geortet, werden die Helfer zur Liegestelle geleitet“, erklärt der Drohnenpilot. Er verringert mit seiner Drohne die Flughöhe, damit die Stelle leichter gefunden werden kann. Wie hoch geflogen wird, ist von der Temperatur abhängig. „Wir fliegen in einer Höhe von etwa 40 Metern. Desto wärmer es wird, umso niedriger muss man fliegen“, sagt Peter Ehling.

Beherzt zupacken

Vorsichtig suchen die Helfer die Stelle ab, wo die Drohne kreist. Auf einmal bleibt Martin Ehling stehen. Kaum erkennbar entdeckt er etwas Kleines, das im hohen Gras liegt. Ein wenige Tage altes Rehkitz, das nach seiner Mutter schreit. Martin Ehling reißt ein großes Bündel Grasbüschel aus und packt beherzt zu.

Das Rehkitz und sein Geschwisterchen, das unweit von ihm entfernt liegt, werden weggetragen und in Sicherheit gebracht. Ältere Rehkitze rennen meist fluchtartig weg. Da muss der 73-jährige Arthur Ehling genauso durch das hohe Gras sprinten wie seine Enkelinnen Isabella und Magdalena. Oberstes Gebot ist, dass Wildtiere nicht mit menschlichem Geruch in Berührung kommen dürfen.

Sie könnten von ihren Müttern ansonsten verstoßen werden. Deshalb werden sie in große Grasbüschel eingepackt und weggetragen. Sobald die Wiese gemäht ist, werden die geretteten Tiere wieder freigelassen.

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Für Familie Ehling und Sebastian Löw ist ihr Einsatz ehrenamtlich. Ihre Aktionen finden immer zur Jungtierzeit statt. Pro Jahr sind das bis zu 30 Einsätze. Die Tierfreunde freuen sich über jedes gerettete Leben. Aktuell päppeln sie zu Hause ein Rehkitz auf, das Opfer eines Mähdreschers wurde. Sie konnten es noch retten, doch nicht alle Tiere haben Glück. Dass die Wildtierrettung im Jagdrevier der Ehlings so gut klappt, ist auch den Landwirten zu verdanken. „Das funktioniert nur, wenn Jäger und Landwirte eng zusammenarbeiten. Die Landwirte verständigen uns vor der Mahd und geben uns die Möglichkeit, ihre Wiesen abzusuchen“, sagt der 73-Jährige Kraiburger. „Bei uns ist die Zusammenarbeit mit unseren Landwirten wunderbar.“

Arthur Ehling und seine Familie sind über jeden freiwilligen Helfer dankbar. Weitere Infos zur Rehkitz- und Wildtierrettung gibt es beim Bayerischen Jagdverband, Kreisverband Mühldorf.

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