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PROKJEKT WUNSCHGROßELTERN

Raus aus der Einsamkeit: Wenn die Mühldorfer Wunschoma den Nachwuchs betreut

Lee Yang und seine Wusnchoma Marianne Herold
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Lee Yang und seine Wusnchoma Marianne Herold
  • Kirsten Meier
    VonKirsten Meier
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Mit dem Vorhaben „Wunschgroßeltern“, will das Haus der Begegnung im Mühldorf Familien und älteren Menschen ein sinnvolles Miteinander bieten. Obwohl das vielen helfen würde, gibt es zu wenige Wunschomas und -opas.

Mühldorf – Marianne Herold ist Wunschoma. Seit fünf Jahren betreut die 60-jährige Mühldorfein Enkelkinder, die gar nicht ihre sind. Zum Beispiel Niko. Er war sechs Jahre alt, als er zum ersten Mal zu Herold kam. Seine Mutter ist alleinerziehend und berufstätig. „Da der Junge hier in der Gegend keine Großeltern hatte, kümmerte ich mich um ihn, wenn seine Mutter bei der Arbeit war“, erzählt sie. Spaziergänge Inn, Drachen steigen lassen, Kinobesuche, die Natur entdecken: „Ich mache kein Babysitting bei den Leuten zu Hause. Die Kinder sind immer bei mir“, sagt sie, oft geht sie mit ihnen raus.“

Viele Familien brauchen Unterstützung

Im Laufe der Jahre kamen noch mehr Enkel dazu: die damals 15 Monate alte Eva und der dreijährige Leon. Niko und Eva betreute sie zeitweise zusammen. Amelie (3) liebt das Wasser. „Im Sommer ging ich mit ihr zur grünen Lagune oder oft ins Freibad. Wir hatten immer eine Menge Spaß zusammen.“

Im ganzen Landkreis gebe es Familien, die dringend Unterstützung benötigen, sagt Michaela Gisnapp (41) vom Familienstützpunkt im Haus der Begegnung in Mühldorf. Und es gebe viele Menschen die keine Familie hätten. Deshalb hat das Haus der Begegnung vor über zehn Jahren eine Betreuungsbörse für Wunschgroßeltern und Babysitter eingerichtet. „Der Erfolg hält sich allerdings in Grenzen“, sagt Gisnapp.

Im ganzen Landkreis gibt es aktuell nur fünf Wunschgroßeltern. Viel zu wenig für die vielen Familien, die auf eine Wunschoma oder einen Wunschopa warten. Vor allem Menschen, die von weiter weg in die Region ziehen, seien auf Unterstützung angewiesen, sagt sie im Interview (siehe unten). Auch Wunschoma Marianne Herold hat einen solchen Enkel: den fünfjährigen Lee Yang, seine Familie stammt aus China.

Sie sind ganz oft draußen: Niko und seine Wunschoma Marianne Herold

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Marianne Herold sagt, dass sie der Kontakt mit den Kindern sehr freut, wenn sie sie vom Kindergarten oder aus der Schule abholt, für sie gekocht hat, mit ihnen den Spielplatz besucht, einkauft, bastelt, malt oder in die Natur geht. „Wir haben eine Menge Freude zusammen“, sagt sie. „Die Kinder genießen die Zuwendung.“ Oft unternehme sie Dinge, zu denen Eltern keine Lust oder keine Zeit hätten. „Als Oma oder Opa kann man den Kindern viel fürs Leben mitgeben, denn schließlich lernen sie ja von den Erwachsenen“, sagt dei Mühldorferin, die von Beruf Lehrerin ist. Weil sie die Betreuung so liebt, rät sie auch anderen älteren Menschen: „Wenn jemand Kinder liebt, Zeit und Freude dabei habt, ihnen die Welt zu zeigen, dann ist das auf alle Fälle eine richtig tolle Sache.“

Für alle, die Kinder lieben

Die Kinder bauten Vertrauen zu einem auf und freuten sich sehr, wenn sie zu ihrer Oma oder ihrem Opa dürfen. „Das ist ein schönes Gefühl“. Wenn man selbst keine Enkel hat, aber Kinder liebt, dann gibt es auf alle Fälle die Möglichkeit der Einsamkeit zu entfliehen. Ein sehr guter Weg dazu ist als Wunschoma oder Wunschopa aktiv zu werden, denn man bekommt eine Menge von den Kindern zurück. Schließlich sind Omas und Opas für Kinder das Größte. Und für die Großeltern sei der Kontakt ein gutes Mittel gegen Einsamkeit und Langeweile.

Seit Ausbruch von Corona liegt die Betreuung jedoch die meiste Zeit auf Eis, denn während des Lockdowns war kein Treffen möglich. Der einzige Kontakt besteht per Telefon. Trotzdem sucht das Haus der Begegnung weiter Menschen, die für Kinder dasein wollten. Und Corona, sagt Gisnapp, geht ja hoffentlich irgendwann vorbei.

Weshalb ist der Bedarf an Wunschgroßeltern so groß?

Michaela Gisnapp Haus der Begegnung

Michaela Gisnapp: In Mühldorf haben wir einen großen Zuzug. Familien wünschen sich Zuwachs von älteren Personen, damit die Kinder das Lebenswissen der Älteren mitbekommen. Oft leben die eigenen Großeltern weit weg oder es gibt überhaupt keine. Großeltern sind eine Entlastung im Alltag und geben einem das Gefühl von Sicherheit. Lebenserfahrung ist vielen Familien sehr wichtig. Das bieten die älteren Menschen.

Was ist wichtig, um Wunschoma oder Wunschopa zu werden?

Gisnapp: Man sollte natürlich Kinder mögen, mobil sein damit man die Kinder auch abholen oder sie irgendwohin bringen kann. Ein gutes Alter dafür wäre etwa ab Mitte 50, solange die Oma oder der Opa noch richtig fit, flexibel und unternehmungslustig sind. Ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis ist Pflicht. Bei unseren Infoveranstaltungen kann man sich darüber informieren. Wenn alles passt, vermitteln wir die Wunschgroßeltern an Familien. Dann entscheidet vor allem auch die Sympathie. Wer Fragen oder ein Anliegen hat, kann sich natürlich auch immer an uns wenden.

Wieso gibt es so wenige Wunschgroßeltern?

Gisnapp: Aufgrund von Corona ist aktuell keine Vermittlung möglich, aber wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn sich ältere Menschen bei uns für dieses Projekt melden würden. Wunschgroßeltern sind definitiv eine Bereicherung für die Familien und auch umgekehrt tut älteren Menschen die Gesellschaft junger Menschen gut, vorausgesetzt man ist offen dafür.

Informationen zu den Wunschgroßeltern gibt es bei Michaela Gisnapp unter 08631/4099.

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