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Qualität steht vor Quantität bei Ausbild ung zur Erzieherinn

Christian Peiser, Pfarrer, Leiter Fachakademie für Sozialpädagogik Mühldorf.
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Christian Peiser, Pfarrer, Leiter Fachakademie für Sozialpädagogik Mühldorf.

Die Erzieher und Erzieherinnen haben beste Berufsaussichten. Rund 8000 Stellen fehlen im Kita-Bereich. Derzeit gibt es in München Überlegungen die Ausbildungszeit auf 24 Monate zu verkürzen. Wir sprachen mitChristian Peiser, Pfarrer, Leiter Fachakademie für Sozialpädagogik Mühldorf.

Wie entwickelt sich die Fachakademie in Starkheim? Bleibt die Zahl der Studierenden gleich?

Die Zahlen der Studierenden sind insgesamt stabil, wir haben derzeit rund 500 Auszubildende oder Studierende, auch wenn sich kleine Verschiebungen innerhalb unserer unterschiedlichen Ausbildungsgänge ergeben. Damit bleiben wir als Fachakademie des Diakonischen Werkes Traunstein e.V. die größte Fachakademie unter freier Trägerschaft in ganz Bayern. Natürlich merken wir, dass letztlich aus verschiedenen Gründen eine Steigerung der Zahl der Studierenden und Auszubildenden nicht realistisch ist. Viel wichtiger abgesehen von den Zahlen ist jedoch, dass unsere Starkheimer Fachakademie für Sozialpädagogik einen gesellschaftlichen Beitrag zur Sicherstellung einer qualifizierten pädagogischen Arbeit in der Region leistet.

In München wurden von Fachakademien Ausbildungen in 24 Monaten angeboten, um das Personalproblem zu lösen. Hier sollen Quereinsteiger zum Zuge kommen. Ist diese Verkürzung von fünf auf zwei Jahre auch bei der Fachakademie in Starkheim geplant?

Von einer Ausbildung im Rahmen von 24 Monaten ist mir nichts bekannt, was ich mir auch überhaupt nicht vorstellen kann. Bayernweit gibt es den sog. „OptiPrax“- Schulversuch, bei denen Quereinsteiger, also Bewerberinnen und Bewerber mit abgeschlossener Berufsausbildung oder mit Fach-/Abitur eine dreijährige vergütete Ausbildung machen. Dieses Modell bieten wir hier in Starkheim nicht an, da es in unserer Region zu wenig Träger gibt, die diese Ausbildungsform finanziell stemmen können.

Wir in Starkheim haben uns mit guten Gründen dazu entschlossen, nicht auf die von der Politik geforderte Verkürzung der Ausbildungszeit einzugehen. Die Tätigkeit einer Erzieherin/eines Erziehers sollte eigentlich eher als ein umfassender „Bildungsberuf“ aufgewertet werden. Daher bieten wir für unsere Studierenden und damit auch für die Einrichtungen in unserer Region angemessene Angebote, was wir intern „Starkheimer Modell“ nennen. Das meint ein Mix bzw. eine gewisse Vielfalt an Angeboten im Rahmen der Erzieherausbildung: Zum Beispiel die Möglichkeit der verkürzten einjährigen Ausbildung zur/zum staatlich geprüften KinderpflegerIn, zum Beispiel unsere berufsbegleitende Ausbildungsform „ErzieherIn Plus“ an Freitagen und Samstagen oder unsere Kooperation mit der Hochschule Rosenheim, um den Bachelor-Abschluss „Pädagogik der Kindheit“ zu erwerben.

Ist so eine verkürzte Ausbildungszeit ohne Abstriche an der fachlichen Qualität zu schaffen?

Auf keinen Fall! Die Fachakademien in Bayern arbeiten derzeit an Modellen und Ideen, welche die Aufrechterhaltung von fachlicher Qualität als klares Ziel haben. Konkret geht es um die Wahrung des Deutscher Qualifikationsrahmen Niveau 6 (DQR 6) auf Meisterniveau, außerdem verstehen wir die Ausbildung zur/zum Erzieherin/Erzieher als eine sogenannte Breitbandausbildung, die das breite Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe abdeckt. Es geht nicht nur um eine schnelle Lösung einer Personalgewinnung für die Kindertageseinrichtungen. Wir bilden unsere Studierende auch aus für den Einsatz in Jugendhilfeeinrichtungen und für die Betreuung von jungen Erwachsenen bis 27 Jahre. Sind alle Beteiligten nicht dazu bereit, für die Ausbildung von tatsächlich qualifizierten pädagogischen Personal zu investieren, wird Konsequenzen in den Einrichtungen insbesondere der Jugendhilfe nach sich ziehen.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung soll bis 2025 realisiert werden. Gibt es dafür genügend Erzieherinnen und Erzieher?

Staatliche Stellen wollen natürlich bis zu diesem Termin verschiedene Fachkräfteinitiativen mobilisieren, die letztlich meines Erachtens nur „schnelle Lösungen“ sein werden, ohne die tatsächliche Herausforderung meistern zu können. Aktuell fehlen bayernweit im Kita- Bereich ohne Hort/Schulkinderbetreuung ohne anvisierten Ausbau schon mal über 8000 Vollzeitkräfte. Das sogenannte Fachkräftebarometer Frühkindliche Bildung prognostiziert bis 2015 bis zu 300000 fehlende Erzieherinnen und Erzieher deutschlandweit.

In München sind zehn Prozent der Stellen für Erzieherinnen nicht besetzt. Wird diese Zahl bayernweit noch größer werden?

Das ist gut möglich! Steigende flexible Betreuungswünsche von Eltern sowie die angestrebten und auch tatsächlich sinnvollen Qualitätsverbesserungen auch im Personalbereich der Kinderbetreuungseinrichtungen machen es insgesamt nicht einfacher. Zudem gibt es auch noch einen steigenden Personalbedarf aufgrund verschiedener Bildungs-und Erziehungsempfehlungen bezüglich den Themen Inklusion, Sprachförderung, Digitalisierung und weiterer Förderbedarfe angesichts zunehmender sozialer Problemlagen.

Die Erzieherinnen und Erzieher haben nach bestandener Prüfung wohl keine Probleme einen Arbeitsplatz zu finden?

Unsere Absolventinnen und Absolventen haben sehr gute Beschäftigungsaussichten, da die Bevölkerungsentwicklung in der Region Mühldorf prosperiert. Es kommt natürlich dann immer darauf an, ob persönliche Interessen wie der Wunsch nach Teilzeit/Vollzeit-Beschäftigung oder der Wunsch nach einer bestimmten pädagogischen Ausrichtung des Trägers berücksichtigt werden kann. Es ist aber auf alle Fälle auch zu beobachten, dass die Stadt und das Umland München eine große Anziehungskraft bezüglich der Vergütung besitzt.

Das Interview führte Josef Bauer

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