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PROZESS UM BOMBENLEGER VON WALDKRAIBURG

Quälend lange Sekunden am Telefon: Hausbewohner erinnern sich an Brandnacht von Waldkraiburg

Ein selbst ernannter Kämpfer im Namen des IS hat im vergangenen Jahr mehrere Anschläge auf Geschäfte türkischstämmiger Inhaber gemacht. Im Prozess gegen den Bombenleger von Waldkraiburg haben am Freitag die ersten Hausbewohner vor dem Oberlandesgericht München ausgesagt.

Waldkraiburg/München – Die Brandnacht auf den 27. April 2020 werden die Bewohner des Hauses am Waldkraiburger Sartrouvilleplatz nicht vergessen. Ein 26-jähriger Mann, kurdischer Abstammung und Anhänger des Islamistischen Staates (IS), legte im Gemüseladen im Erdgeschoss einen Brandsatz. Getroffen werden sollte der türkische Besitzer. Im Prozess gegen Muharrem D. vor dem Oberlandesgericht (OLG) München berichteten die Hausbewohner am Freitag über die Schrecken dieser Nacht.

So ziemlich alle waren durch zwei Explosionen geweckt worden. Alle reagierten richtig, weckten die Mitbewohner und traten teilweise die Flucht über die Tiefgarage an. Das Treppenhaus war schon zu verraucht. Elektromeister Franz F. rief bei der Feuerwehr an. Sein Telefonat wurde im Gerichtssaal vorgespielt. Quälend oft ertönte ein Freizeichen, bis der Notruf bei der Polizei landete. Mit Entsetzen in der Stimme sagt der 25-Jährige: „Da brennt alles, da unten, Sch...., hier brennt’s unter meiner Etage, da war eine Explosion. Ich sehe Feuer.“ Mehrfach fragt der Beamte nach, bevor er endlich sagt: „Ich schicke Ihnen gleich die Feuerwehr vorbei.“

Nicht mehr ins Haus zurückgekehrt

Als der Elektromeister die Aufnahme hörte, schossen ihm Tränen in die Augen. „Noch einmal hätte ich das nicht hören können“, sagte der große und kräftige Mann nach der Vernehmung. Der Anschlag hat ihn wie alle anderen Bewohner ziemlich mitgenommen. „Ich kann kein Lagerfeuer mehr riechen.“ Er zog nicht mehr ins Haus zurück. Seine Freundin (21) hatte sich geistesgegenwärtig den Laptop mit allen Kundendaten und ihr Handy geschnappt. Auf dem Video einer Überwachungskamera sieht man sie und andere Hausbewohner durch die Tiefgarage flüchten. Als sich eine Tür nur schwer öffnen ließ und ihr Freund sowie der Mitbewohner (27) plötzlich verschwunden waren, ergriff sie Panik und Todesangst.

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„Ich dachte, das Leben ist vorbei, wenn es schlimmer wird, können wir alle da unten sterben“, erinnerte sie sich. Zwei bis drei Wochen lang hatte sie Angst, irgendwohin zu gehen. Jedes Unwetter erinnerte sie an die Tatnacht. Der Mitbewohner, ein Student, räumte ein, durch den Anschlag schreckhafter und sensibler geworden zu sein. Dass sein Professor und seine Familie alles andere als warmherzig auf seine Schreckensnacht reagierten, traf ihn sehr.

In der Nacht hatte er sich um einen beidbeinig amputierten Rollstuhlfahrer Sorgen gemacht, den er nicht herausklingeln konnte. Doch „Manni“ (69) harrte mit zwei Feuerwehrmännern in seiner Wohnung aus, bis sich der Rauch verzogen hatte, dass sie ihn mit einer Atemhaube und einer Funkenflug-Decke aus dem Haus tragen konnten.

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Als sich der Angeklagte bei ihm entschuldigte, erwiderte der 69-Jährige: „Statt Strafe solltest Du einen Monat als meine Begleitperson arbeiten. Das machst Du dann nie wieder.“

Der Prozess dauert an. ANGELA WALSER

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