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PV-Anlage mit integrierter Kuhweide

„Da hinten, wo die Rinder grasen“: Josefine Reißaus zeigt den schmalen Streifen, auf dem ihre Familie die Fotovoltaik-Freifläche inklusive Kuhweide plant.
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„Da hinten, wo die Rinder grasen“: Josefine Reißaus zeigt den schmalen Streifen, auf dem ihre Familie die Fotovoltaik-Freifläche inklusive Kuhweide plant.

Oberneukirchen – Mit der Anfrage für eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage am Reiserer-Hof der Familie Reißaus hat sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt.

Ein Plan, der diverse Bedenken bei den Ratsmitgliedern hervorrief. Sie waren unschlüssig, was eine schnelle Entscheidung anging. Auf Anregung von Bürgermeisterin Anna Meier (FW/WG) wurde der Beschluss auf die Sitzung im September vertagt, um nicht auf die Schnelle einen Präzedenzfall zu schaffen.

Verwaltung will Vorgaben ausarbeiten

„Die Gemeinde braucht Zeit, um allgemeingültige Vorgaben zu schaffen, damit sie auf weitere Anfragen für ähnliche Anlagen reagieren kann“, erklärt Gabriele Springer, Geschäftsleiterin der Gemeinde im Nachgang der Sitzung. Besonders die Landwirte unter den Ratsmitgliedern hätten Vorbehalte, wenn es um die Verwendung von landwirtschaftlichem Nutzgrund für PV-Anlagen gehe. Deshalb kam in der Sitzung auch die Frage auf, warum die Solarmodule nicht auf eine der freien Dachflächen des Hofes montiert würden.

Das vorgelegte und vom Gemeinderat im Grunde als „sehr gut“ befundene Konzept unterscheide sich aber positiv von üblichen PV-Freiflächen. „Sie ist 50 Prozent lichtdurchlässiger, sodass darunter das Gras weiterwachsen kann“, so Springer. „Noch wichtiger ist allerdings die Idee der Doppelnutzung. Unter den schräg aufgestellten und auf der Rückseite drei Meter hohen PV-Modulen sollen weiterhin Rinder weiden können.“

Das betont auch Josefine Reißaus, die in der Sitzung anwesend war: „Es ist Weide und bleibt Weide. Diese Fläche hat keinen Ackerflächenstatus mehr.“ Unter den PV-Modulen sollen aber nicht nur Rinder weiden können. Auch mit dem Bulldog soll das Grünland weiter bewirtschaftet werden. Mehr landwirtschaftliche Nutzung geht kaum. Und das alles auf einer überschaubaren Fläche von rund 2,7 Hektar, umgeben von weiterem landwirtschaftlichem Grund.

Nicht der Ertrag aus der PV-Anlage steht für den Reiserer-Hof im Vordergrund des Projekts. Sie soll ein weiteres Standbein für den Betrieb sein, um ihn langfristig gut aufzustellen. „Deshalb ist auch unsere nächste Generation mit eingebunden und steht hinter der Idee“, so die Landwirtin.

Trotz des schlüssigen Konzepts wollten die Gemeinderäte der Anfrage nicht einfach zustimmen, nicht anderen PV-Freiflächen mit zehn Hektar und mehr Tür und Tor öffnen. Andreas Bernhart merkte dazu an: „Viele würden nur darauf warten, bis die erste Anlage genehmigt ist.“ Und Georg Schwarz hatte festgestellt: „Wir wollen kein Fass aufmachen, nicht dass für weitere Anfragen ein Präzedenzfall geschaffen wird.“ Ein Präzedenzfall in der Hinsicht, dass die Gemeinde danach, ohne Einschränkung, auch weitaus größere und weniger naturfreundliche Anlagen genehmigen müsste.

Deshalb sollen jetzt vonseiten der Gemeinde verbindliche Vorgaben erarbeitet werden, was maximale Flächengrößen und Einspeisungsmengen solcher Anlagen auf schützenswerten Freiflächen angeht. „Die Verwaltung wird prüfen, was für die Gemeinde rechtlich möglich ist“, erläutert Gabriele Springer das weitere Vorgehen. „Wir können uns dieser Thematik auch nicht ganz verschließen. Irgendwo muss der Strom in Zukunft ja herkommen.“

Zusätzlich solle die Familie Reißaus für ihr Projekt weiteres Infomaterial, Fotos und Skizzen beibringen. Dazu lag dem Gremium noch zu wenig vor, da es sich nicht um eine Bauvoranfrage handelte, sondern eine „erste allgemeine Erkundung der Stimmung“ im Gemeinderat, wie es die Bürgermeisterin formulierte. Wäre die Idee gleich komplett abgeblitzt, wären die Kosten für einen ausgearbeiteten Plan völlig umsonst gewesen.

Antragstellerinzeigt Verständnis

Josefine Reißaus findet es gut, dass in der Gemeinde jetzt über PV-Freiflächen diskutiert wird. „Maximale Anlagengrößen als Rahmen festzulegen, ist sicher nicht schlecht“, meint sie. „Man muss über solche PV-Module in der Kulturlandschaft reden, und man muss sich an sie gewöhnen. Ohne sie wird die nötige Energiewende nicht zu schaffen sein.“

In der Sitzung am 1. September soll das Thema noch einmal vom Gemeinderat behandelt werden. Auch ein Ortstermin an einer baugleichen Anlage könnte bis dahin stattgefunden haben.

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