Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Zu Geldstrafe verurteilt

Aufschneider in Aschau grundlos verprügelt: Angeklagter schämt sich für gewalttätigen Auftritt

Nach einer grundlosen Attacke auf einen 17-Jährigen musste sich ein 21-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten.
+
Nach einer grundlosen Attacke auf einen 17-Jährigen musste sich ein 21-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten.

Wenn sich bei einem jungen Straftäter vor Reue, Scham und Rührung die Wangen röten, ist das ein gutes Zeichen. So rabiat er auch vorgegangen war, als er sein Opfer mit Schlägen und Tritten peinigte – allein beim Anblick des sichtbar beschämten Angeklagten hatte der Mühldorfer Amtsrichter Florian Greifenstein Anlass zur Milde. Eine Geldstrafe wurde es trotzdem.

Aschau – Im September an einem Donnerstag besuchte der Angeklagte als ehemaliger Zögling des Don-Bosco-Jugendwerks alte Freunde in Aschau-Waldwinkel. Er war ein paar Tage zuvor 21 Jahre alt und damit auch nach dem Strafrecht erwachsen geworden. Nach eigenen Angaben trank er mit seinen Kameraden erhebliche Mengen Whiskey und Bier.

Angeklagter lässt eine Verteidigerin eine Entschuldigung vortragen

Bei diesem Umtrunk kamen ihm Geschichten eines damals 17-jährigen Bewohners zu Ohren, der sich als schwerer Junge aufspielte. Er soll sich gar gerühmt haben, eine ehemalige Freundin verprügelt zu haben. Naja, erläuterte ein Waldkraiburger Polizeibeamter als Zeuge, der Bursche sei bekannt für seine Geschichten, die eher der Fantasie entsprängen als der Realität entsprächen. Zum Beispiel klopfe er Tabletten zu Pulver und behaupte dann, es sei Kokain. Der Jüngling sehne sich nach Aufmerksamkeit.

Lesen Sie auch: Tatort Neumarkt: Nebenklageanwalt spricht von Selbstjustiz, Angeklagter von Notwehr

Vom Angeklagten, der seinerzeit aus München angereist war, bekam er mehr Aufmerksamkeit, als ihm lieb sein konnte. Der Besucher vermöbelte den Aufschneider. Eine ganze Schar von Mitbewohnern soll zugeschaut und sogar einen Erzieher vom Einschreiten abgehalten haben.

„Es tut mir wirklich leid“, ließ der Angeklagte seine Verteidigerin vortragen, „ich weiß nicht, was über mich gekommen ist.“ Amtsrichter Florian Greifenstein stufte das Motiv für den gewalttätigen Auftritt als „heiligen Zorn“ ein, aber als „grundlos“.

Schmerzen waren am nächsten Tag vorbei

Nun ging es um die Schläge, die das Opfer trafen. Waren es Watschen? Faustschläge? Von der Seite oder von vorn? Wie viele Fußtritte gab es, als das Opfer am Boden lag? Immerhin ergab sich aus den Ermittlungsakten, dass der Angeklagte Schuhe mit weichen Sohlen trug, als er dem Opfer in die Flanke trat. Die Härte der Schuhsohle kann Strafprozessen eine entscheidende Richtung geben. Wegen der Schmerzen kam das Opfer ins Krankenhaus. Im Zeugenstand sagte es, die Schmerzen seien am Nachmittag des folgenden Tages vorbei gewesen.

Lesen Sie auch: Neue Wohngebäude auf landwirtschaftlichen Anwesen? Rege Diskussion im Kraiburger Gemeinderat

Mit dem letzten Wort nach den Plädoyers entschuldigte sich der Angeklagte erneut. Seine Wangen leuchteten in satter Schamröte. Und dann reichte er dem Opfer ein Kuvert mit Geld. 300 Euro in bar. Als sich die Jünglinge mit den Worten „Vielleicht können wir uns ja mal treffen und quatschen“ verständigten und die Verteidigerin auslotete, ob sich das Verfahren mit einer Geldauflage einstellen lasse, stand ein rührseliges Happy End im Raum.

„Bis Ende Juni muss ich abpinkeln“

Allerdings war der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt – Schwarzfahren und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz standen zu Buche. „Bis Ende Juni muss ich abpinkeln“, sagte er. „Abpinkeln?“, fragte der Richter und wurde belehrt: „Urinproben wegen Drogentest.“ Worauf der Richter ihm empfahl: „Pinkeln Sie mal gut weiter.“

Wegen der Vordelikte forderte die Staatsanwältin eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen. Richter Greifenstein quantifizierte die Schläge und Tritte nicht exakt, folgte beim Strafrahmen aber dem Plädoyer der Verteidigerin und verurteilte den rabiaten Münchner zu einer Geldstrafe von 50 Euro à 30 Euro. Den Täter-Opfer-Ausgleich mit dem 300-Euro-Kuvert fand er beeindruckend. (nem)

Mehr zum Thema

Kommentare