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Islamisten-Prozess vor dem OLG

Polizisten erinnern sich an Festnahme: Wollte „Bombenleger“ von Waldkraiburg geschnappt werden?

Am Bahnhof in Mühldorf wurde Muharrem D. am 8. Mai 2020 geschnappt, nachdem er beim Schwarzfahren erwischt worden war.
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Am Bahnhof in Mühldorf wurde Muharrem D. am 8. Mai 2020 geschnappt, nachdem er beim Schwarzfahren erwischt worden war.

Eigentlich sollten die Polizisten nur einen Schwarzfahrer überprüfen. Dass sie stattdessen den „Bombenleger“ von Waldkraiburg fassten, war purer Zufall. Am zweiten Prozesstag vor dem Oberlandesgericht München berichteten Polizeibeamte über die Nacht, als Muharrem D. geschnappt wurde.

Waldkraiburg/München – Eigentlich sollten die Polizisten nur einen Schwarzfahrer überprüfen. Dass sie stattdessen den Bombenleger von Waldkraiburg fassten, war purer Zufall. Das wurde am zweiten Prozesstag vor dem Oberlandesgericht deutlich. Aussagen der Polizeibeamten nähren die Vermutung, die schon damals viele geäußert hatten: Vielleicht hatte es der 26-Jährige doch darauf abgesehen, entdeckt zu werden.

Prozessauftakt zu Anschlagsserie von Waldkraiburg: Angeklagter gibt sich mehrfach reumütig

Die Probleme begannen mit einer Maske. Weil Muharrem D. sie am 8. Mai 2020 partout nicht aufsetzen wollte und sie zwei Beamten am Bahnhof von Mühldorf vor die Füße schleuderte, nahmen sie ihn fest. Zuvor war er aus dem Zug geholt worden, weil er kein Ticket besaß. Die Beamten baten ihn, zur Dienststelle mitzukommen, seine Koffer sollte er mitnehmen. Das wollte er nicht, das Gepäck war ihm zu schwer, die versteckten Rohrbomben wogen zu viel.

Beamte hielten ihn zuerst für einen Spinner

Weil die Polizisten nur zu zweit im Dienst waren und sich alle Kollegen in der Corona-Quarantäne befanden, mussten sie die Rohrbomben-Ladung alleine zur Wache schleppen. „Ich habe das fast nicht tragen können, so viel hat das gewogen“, erinnerte sich eine Polizistin vor dem OLG.

Weitere Sprengstoff-Depots preis gegeben

Der 26-Jährige hatte sich zuvor widerstandslos festnehmen lassen, ein Packerl mit Marihuana legte er unaufgefordert zu den Koffern. Zu diesem Zeitpunkt ahnten die Beamten noch nicht, wen sie vor sich hatten. Und auch als D. auf dem Weg zur Wache fragte, ob er jetzt die 3000 Euro Belohnung bekomme, rechneten sie allenfalls mit einem Spinner, bis der junge Mann sagte, er sei der „Bombenleger von Waldkraiburg“ und habe alle vier Anschläge verübt.

Alles rund um die Anschlagsserie und den Prozess lesen Sie in unserem exklusiven Dossier

Als der männliche Kollege ihn daraufhin abtastete, offenbarte er weitere Sprengstoff-Depots in einer Tiefgarage sowie in seinem Zimmer in einer Wohngemeinschaft in Garching an der Alz. Auf den Hinweis der Beamten, dass er sich nicht selbst belasten müsse, sagte D., er brauche keinen Anwalt, und er wolle alles hinter sich bringen.

In ersten Vernehmungen mit Stolz auf die Anschläge geblickt

Es wurde eine lange Nacht für die Kripobeamten, die den Fall übernommen hatten. Wie bereits aus der Anklage gegen den Islamisten bekannt ist, hatte Muharrem D. einen Anschlag auf die Ditib-Moschee von Köln vor. Das hätte wenige Tage später geschehen sollen, erinnerte sich ein Kriminaler (54) aus Traunstein.

„Er wollte einen Anschlag machen, wollte, dass es da brennt“, berichtete er. Es sollten Menschen dort sein, fügte er in Erinnerung an die Vernehmung hinzu. Der Angeklagte habe geplant, mit einem Auto voller Sprengstoff in die Moschee zu fahren, so der Beamte. Alle Kollegen hätten sich nur gedacht: „Da haben wir aber Glück gehabt, dass wir ihn haben.“ In der ersten Vernehmung habe er noch mit Stolz auf seine Anschläge geblickt.

Wirre Aussagen über seine Familie

Allerdings war deutlich zu erkennen, das D. unter Drogen stand. Er erzählte von seiner Familie, mit der er sich wegen einer Goldkette der Oma überworfen hatte. Die Mutter bezeichnete er als Hexe, der Vater sei ihr Sklave, die Oma die Chefin. Als Motiv für seine Taten nannte er Hass auf Türken. Aus diesem Grund verübte er in einer Aprilnacht einen Brandanschlag auf ein Geschäft. 26 Menschen wurden in Lebensgefahr gebracht.

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