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KINDERPORNO-VORWÜRFE

Polizei meldet 2019 insgesamt 167 Fälle sexuellen Missbrauchs – Zahlen von 2020 ähnlich

Sexueller Missbrauch an Minderjährigen auf Datenträgern. Die Polizei hat das Kinderporno-Portal „Boystown“ zerschlagen, die Drahtzieher, deren Spur auch in den Landkreis Mühldorf führt, festgenommen. Die Polizei stellt generell fest, dass 2019 die Delikte sexuellen Missbrauch von Kindern im Landkreis zugenommen haben.
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Sexueller Missbrauch an Minderjährigen auf Datenträgern. Die Polizei hat das Kinderporno-Portal „Boystown“ zerschlagen, die Drahtzieher, deren Spur auch in den Landkreis Mühldorf führt, festgenommen. Die Polizei stellt generell fest, dass 2019 die Delikte sexuellen Missbrauch von Kindern im Landkreis zugenommen haben.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Delikte nehmen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Rosenheim um 15,2 Prozent zu, die Aufklärungsquote liegt bei 89,9 Prozent. Experten sprechen von einer „massiv hohen Dunkelziffer“

Mühldorf – Die Zerschlagung des Kinderporno-Netzwerkes „Boystown“, das administrativ aus dem Landkreis Mühldorf gesteuert worden sein soll, um 400 000 Mitglieder Material zu versorgen, sorgt weiterhin für Diskussionen. Die Fragen, die sich stellen: Wie kann es nur so weit kommen? Und wer ist zuständig, wenn Fälle von Kindesmissbrauch oder Misshandlungen gemeldet werden? Im Jugendamt des Landkreises heißt es zwar, dass zuletzt keine Missbrauchsfälle sexueller Natur an Kindern gemeldet wurden. Der Polizei hingegen musste in den vergangenen Jahren durchaus tätig werden. Von der Dunkelziffer ganz zu schweigen.

Stellen beraten auch anonym

Wie es vom Amt für Jugend und Familie heißt, wird die Behörde tätig, wenn es sich um eine drohende Kindeswohlgefährdung handelt. „Dabei gehen die Mitarbeiter jeder Meldung, unabhängig von welcher Stelle oder Privatperson, nach“, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit. In den zurückliegenden fünf Jahren seien dem Amt für Jugend und Familie keine Kindeswohlgefährdungen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch oder Kinderpornografie durch erwachsene Täter gemeldet worden, bei denen Schutzmaßnahmen für betroffene Kinder erforderlich waren. „Das Amt für Jugend und Familie wird immer dann von der Polizei hinzugezogen, wenn das Kindeswohl durch die Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigten nicht sichergestellt werden kann“, informiert das Amt.

Jugendamt schreitet sofort ein, um Kindeswohl zu gewährleisten

Grundsätzlich wird jede Meldung eines Verdachts auf Missbrauch oder Misshandlung von den Mitarbeitern des Amts geprüft und gegebenenfalls unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um das Kindeswohl zu gewährleisten. „Dies erfolgt unabhängig davon, ob es sich um eine physische, psychische oder sexuelle Gefährdung handelt.“

Es gibt auch eine „Nummer gegen Kummer“

Anlaufstellen im Landkreis sind neben dem Jugendamt die Erziehungsberatungsstelle der Caritas, die Mitarbeiter der Jugendsozialarbeit an den Schulen, der Kinderschutzbund, die Kinderschutzambulanz in Altötting, alle Kinderärzte, verschiedenen Hotlines – zum Beispiel die „Nummer gegen Kummer“ und selbstverständlich die Polizei. „Die Beratungsstellen können und werden auch anonym in Anspruch genommen“, teilt das Landratsamt mit. Ob die Corona-Pandemie und die damit verbundenen eingeschränkten Sozialkontakte auf die Entwicklung der Fallzahlen Auswirkungen haben, dazu lägen im Landratsamt keine statistischen Erhebungen vor.

Lesen Sie dazu auch: „Monetäre Interessen wurden nicht verfolgt“ – Staatsanwältin Dr. Julia Bussweiler über den aktuellen Stand der Ermittlungen in Mühldorf

Konkrete Zahlen dazu kann aber die Polizei liefern. Wie aus dem Polizeisicherheitsbericht für 2019 hervorgeht, stellt das Präsidium in Rosenheim in seinem Zuständigkeitsbereich innerhalb eines Jahres eine Zunahme beim Delikt sexueller Missbrauch von Kindern um 22 auf 167 Fälle. Das entspricht 15,2 Prozent. Bei den meisten dieser Straftaten handelt es sich um exhibitionistische oder sexuelle Handlungen vor Kindern und um das Einwirken auf Kinder durch Schriften oder pornografische Abbildungen. Die Aufklärungsquote lag bei 89,9 Prozent. In 20 Fällen lag laut Sicherheitsbericht ein schwerer sexueller Missbrauch vor (2018: 29).

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Im Landkreis Mühldorf liegen die Fälle pro Jahr unter 20

Die Zahlen für 2020 sind noch nicht veröffentlicht. Polizeisprecher Stefan Sonntag teilte aber mit, dass sie auf dem Niveau von 2019 liegen. Im Landkreis Mühldorf gab es 2018 18 Fälle von sexuellem Missbrauch, 2019 waren es 17 Fälle. 2020 lag die Zahl auf dem gleichen Niveau.

Von einer massiv hohen Dunkelziffer geht in diesem Zusammenhang Manuela Christ-Gerlsbeck aus, die Opfer von sexueller und sexualisierter Gewalt berät und begleitet. „Das Täternetzwerk funktioniert gut“, sagt sie. Die Täter würden sich untereinander sehr gut austauschen, sie hätten eine hohe kriminelle Energie und würden sich gegenseitigem Schutz bieten.

Kinderpornografie und Sicherheitshinweise

Das beschreibt auch das Bundeskriminalamt: Die drei Hauptverdächtigen sollen nicht nur die Plattform als Administratoren betrieben, sondern Mitglieder mit Hinweisen für das sichere Surfen auf „Boystown“ versorgt haben. Damit sollte sichergestellt werden, das Entdeckungsrisiko vor den Strafverfolgungsbehörden zu minimieren.

Beraterin spricht von hoher Dunkelziffer

Manuela Christ-Gerlsbeck hält es für wichtig, die Position von Kindern und Jugendlichen zu stärken. „Die Gesetzgebung müsste dahingehend geändert werden, dass bei entsprechenden Hinweisen von Kindern dem zwingend nachgegangen werden muss.“ Viel zu oft würden es bisher Täter schaffen, nicht belangt zu werden.

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