Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Politik muss langfristiger denken

Mühldorfer BBV-Spitze will Forstwirtschaft fit für die Zukunft machen

Ingrid Obermeier-Osl (von links), Axel Herold und Sandra Bubendorfer-Licht tauschten sich im Wald mit Anna Senftl, Gastgeber Gerhard Langreiter und Ulrich Niederschweiberer aus.
+
Ingrid Obermeier-Osl (von links), Axel Herold und Sandra Bubendorfer-Licht tauschten sich im Wald mit Anna Senftl, Gastgeber Gerhard Langreiter und Ulrich Niederschweiberer aus.

Private Waldbesitzer schlagen heute Bäume, die ihre Großväter und Väter gepflanzt haben. Wenn sie angesichts des Klimawandels über den Wald der Zukunft nachdenken, geht es ihnen um Holz, das erst ihre Enkelkinder einmal „ernten“ werden. Deshalb greifen viele politische Maßnahmen zu kurz, die oft nur für die nächsten fünf Jahre konzipiert werden, während die Forstwirtschaft in Zeiträumen von 150 Jahren denkt.

Oberneukirchen – Das machten der Mühldorfer BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer, sein Stellvertreter Gerhard Langreiter und Kreisbäuerin Anna Senftl am Samstagnachmittag in einem Fachgespräch deutlich.

Zu ihm hatten sie die FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht und Ingrid Obermeier-Osl als Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf eingeladen. Die Abgeordnete vertritt den Wahlkreis Altötting-Mühldorf. Auch die Geschäftsführende Gesellschafterin der Franz Obermeier GmbH, eines holzverarbeitenden Betriebs in Schwindegg, betreut in ihrer IHK-Funktion beide Landkreise.

5.000 Rehe werden jährlich geschossen

Gerhard Langreiter empfing die Runde auf seinem Hof im Ortsteil Vorner, auf dem er Ferkel züchtet. Daneben bewirtschaftet er 7,5 Hektar Wald, während die meisten anderen privaten Waldbesitzer in der Region in der Größenordnung zwischen einem und drei Hektar liegen. Langreiters Bäume wachsen hauptsächlich auf der Gemarkung von Maisenberg im Landkreis Traunstein.

Er zeigte den beiden Damen ein rund 300 Quadratmeter großes Areal, das er 2021 zum Aufforsten erstmals wieder eingezäunt hat. Vor dem Zaun demonstrierte er an jungen Tannen, die für ihn mehr Zukunft als Fichten haben, von Rehen abgebissene Triebspitzen. Einzelne Schößlinge trugen bunten Verbissschutz, den Langreiter selbst als „Kunststoffmüll im Wald“ bezeichnet, aber als Schutz eben für nötig hält und sogar innerhalb des Geheges einsetzt.

Weil viele private Waldbesitzer heute keine Bauern mehr seien, sei die Gemengelage in der Region mit zwei Waldbesitzer-Vereinigungen in Mühldorf und Traunstein, fünf Jagdgenossenschaften und diversen Jägern unübersichtlich. Im Landkreis Mühldorf werden nach einem Abschussplan, der immer für drei Jahre festgelegt wird, jährlich knapp 5.000 Rehe geschossen.

Ulrich Niederschweiberer aus Mößling dagegen umwickelt Triebspitzen in seinem Wald mit Schafwolle, die Rehe nicht mögen. Statt Zäune aufzustellen, arbeitet er mit den Jägern zusammen, deren Schüsse die Tiere vergrämen, und hofft, mit der Aussaat von Zwischenfrüchten Rehe aus dem Wald heraus zu lenken.

Das könnte Sie auch interessieren: Der weltweite Kampf ums deutsche Holz

Beide Kreisobmänner gaben Sandra Bubendorfer-Licht die Bitte mit auf den Weg nach Berlin, das noch nicht beschlossene Bundesjagdgesetz mit einer Öffnungsklausel für die Länder zu verabschieden. Sie würde den heute nur beratenden Jagdbeiräten als einer Art Runder Tisch eine Weisungsbefugnis verleihen.

Eine zweite politische Bitte galt der kürzlich von Bund und Ländern in Kraft gesetzten Verordnung, die zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 30. September 2021 eine Einschlagsbeschränkung für Fichten vorsieht. Diese bundesweit geltende Regelung war eigentlich geschaffen worden, um den Verfall der Preise beim Fichtenholz infolge Sturm- und Borkenkäfer-Schäden zu stoppen, griff aber gerade dann, als der Absatz infolge der Corona-Pandemie über Exporte in die USA und nach China stark anzuziehen begann.

Der BBV setzt sich dafür ein, private Waldbesitzer von dieser Regelung auszunehmen. Auf die geschickte Frage der Abgeordneten, was Sie denn als Lösung vorschlagen würden, antwortete Ulrich Niederschweiberer, der Staat solle da nicht mehr eingreifen. Gerhard Langreiter sieht die privaten Waldbesitzer der Region von dieser Regelung ohnehin nicht betroffen, da sie ihren Holzeinschlag schon vorher beendet hätten und der nächste erst im letzten Quartal anstünde. „Außer bei Kalamitäten wie Sturmschäden oder Borkenkäfer-Befall hat Holz ja den Vorteil, dass es anders als Milch nicht verdirbt und man deshalb selbst entscheiden kann, Bäume einfach noch ein paar Jahre länger wachsen zu lassen“, sagte er.

Umbau in Richtung Mischwald kommt

Den Umbau der Wälder in Richtung Mischwald darf man sich übrigens nicht so vorstellen, dass auf einem vollständig gerodeten Grundstück Hunderte von Jungpflanzen gesetzt werden, weil gerade die privaten Waldbesitzer in der Regel nur einen Teil der Bäume fällen und andere als Schattengeber für die jungen Bäume nutzen. Eine große Rolle spielt vielmehr die natürliche Verjüngung über die Samen der gefällten Bäume, die schon an die Standortbedingungen angepasst sind. „Nur auf diese Weise und nicht durch bewusste Pflanzungen sind unsere Fichtenwälder entstanden“, berichtete Ulrich Niederschweiberer.

Kommentare