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Bange Stunden für Eltern

Angeklagte Pflegerin aus Mühldorf: Mutter des verletzten Säuglings sagt aus

  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Eine 52-jährige Altenpflegerin aus Mühldorf muss sich derzeit vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein verantworten. Sie soll einen Säugling in Lebensgefahr und einen Demenzkranken schwer misshandelt haben. Nun sagte die Mutter des Babys aus.

Traunstein/Mühldorf - Die Angeklagte soll einen Säugling mit einer zu tief in die Lunge eingeführten Absaugkanüle in Lebensgefahr gebracht und einen Demenzkranken in einem Pflegeheim misshandelt haben.

Gestern sagte die Mutter des Säuglings vor Gericht aus. Das zu früh geborene Baby war nach fünfeinhalb Monaten in einer Klinik im Januar 2018 erst fünf Tage zu Hause und musste ständig beatmet werden. Die Angeklagte hatte am 1. Januar 2018 bei einem Pflegedienst angefangen. Mit Kleinkindern hatte sie vorher nie zu tun.

Schreie aus dem Kinderzimmer

Nach zwei Tagen Einarbeitungszeit ließ die Bereichsleiterin die Angeklagte ab mittags allein. Die 52-Jährige beteuerte, sie komme zurecht. Die 42-jährige Kindsmutter musste für eineinhalb Stunden außer Haus und hatte „ein komisches Gefühl“, wie sie sagte, weil die Frau „absolut unsicher“ gewirkt habe. Die Pflegerin sei sauer gewesen, dass die 42-Jährige die Oma hinzuzog.

Als sie von ihrem Termin zurückgekommen sei, habe sie Schreie gehört. In seinem Zimmer sei der Kleine blau am ganzen Körper, bewusstlos und blutverschmiert im Bett gelegen. Die 42-Jährige schob die Kanüle zurück in die Lunge des Babys, griff zum Beatmungsbeutel und steckte die Sauerstoffzufuhr wieder ein. Dazu die Zeugin: „Wir hatten für den Raum und die Maschinen einen Extra-Stromkreis. Sämtliche Maschinen waren vom Netz. Die Angeklagte hatte sämtliche Stecker, sogar die unter dem Bett, gezogen – von zwei Beatmungsgeräten, vom Monitor, vom Inhalator und vom Deckenfluter.“

Ein Teil der Geräte lief dank Notakkus noch. Die Pflegerin versuchte, die Mutter nach deren Worten am Wiedereinschalten zu hindern. Das bestätigte gestern auch der Vater des Säuglings. Als er an jenem Tag von einer Fortbildung heimkehrte, hörte er die Alarmsignale der Maschinen im Kinderzimmer. Er alarmierte sofort den Notarzt. Die Angeklagte hantierte unentwegt an den Geräten, was ihr der 53-Jährige verbot. Das Baby wurde schließlich vom Rettungsdienst auf die Intensivsta tion des Krankenhauses Mühldorf gebracht.

Die 42-Jährige betonte, sie war bei dem Geschehen im Zimmer nur noch auf ihren Sohn fixiert. „Die Angeklagte hat sich auf die Couch gesetzt, und das war’s. Ich hatte den Eindruck, sie hatte null Ahnung, was sie machen soll. Ich hab nur geschaut, dass ich mein Kind wieder kriege.“ Die Kanüle sei des Öfteren rausgerutscht, geblutet aber habe der Bub danach nie.

Die Verteidigerin, Veronika Schönsteiner aus Waldkraiburg, überbrachte eine Entschuldigung ihrer Mandantin. Diese habe das Kind nie schädigen wollen. Die 52-Jährige fügte mit leiser Stimme hinzu, sie sei froh, dass es dem Kind gut gehe. Der Bub hat den Vorfall überlebt und entwickelt sich gut. „Wir haben ihn gerade noch rechtzeitig zurückgeholt“, sagte die Mutter.

Die Geschäftsführerin des Pflegedienstes, die die Firma kürzlich verkauft hat, äußerte massive Vorwürfe. Die Angeklagte habe vorgegeben, ein bestimmtes Zertifikat zu haben – was nicht gestimmt habe. Aus ihrer Sicht habe sich die Frau unverantwortlich verhalten und nie von Unsicherheiten gesprochen. „Wäre die Großmutter nicht dagewesen und die Mutter nicht gekommen, wäre das Kind tot“, sagte die Zeugin.

Umgang mit Geräten „nicht kompliziert“

Eingestellt hatte die Angeklagte ein 32-jähriger Pflegeleiter als „Pflegefachkraft, die bereits im Intensivbereich tätig war“. Der Zeuge erläuterte, dass der Umgang mit den Beatmungsgeräten nicht kompliziert sei. Eine Pflegefachkraft müsse das Zurückschieben einer Kanüle beherrschen. Die 52-Jährige habe sogar mehr Schulungen und Einweisungen als üblich absolviert. Die Angeklagte blieb gestern allerdings dabei, dass sie überfordert gewesen sei. Die Einarbeitungszeit sei für sie zu kurz gewesen.

Der Prozess am Landgericht Traunstein wird am 27. und 29. April jeweils um 9 Uhr fortgesetzt.

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