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PETITION GESTARTET

Schulen sofort öffnen, losgelöst von Inzidenzen: Heldensteinerin fordert Umdenken in der Politik

Das war bei der Einschulung vor einem halben Jahr. Seitdem war Felix nicht oft in der Schule, der Siebenjährige büffelt wegen Corona vorwiegend am PC.Pollack
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Das war bei der Einschulung vor einem halben Jahr. Seitdem war Felix nicht oft in der Schule, der Siebenjährige büffelt wegen Corona vorwiegend am PC.Pollack
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Eine Woche war der siebenjährige Felix in der Schule, dann war wieder Schluss. Seiner Mama, Nina Pollack, platzt nun der Kragen: „Ein Vollzeitjob und nebenbei Home-Schooling haben mir sämtliche Kräfte geraubt.“ Daher hat sie eine Petition mit der Forderung nach Öffnung von Schulen gestartet.

Heldenstein – Eine Woche war der siebenjährige Felix wieder in der Schule, dann war wieder Schluss. Seit Dienstag ist der Erstklässler zurück im Home-Schooling. Seiner Mama, Nina Pollack, platzt der Kragen: „Ein Vollzeitjob und nebenbei Home-Schooling haben mir sämtliche Kräfte geraubt.“

Nina Pollack und ihr Sohn Felix. Beide sind des Homeschoolings überdrüssig. Die 35-jährige Mutter fordert Perspektiven für langfristige Schulöffnungen.

Daher hat die Heldensteinerin eine Petition mit der Forderung nach Öffnung von Schulen gestartet. Diese soll ihrer Ansicht nach unabhängig vom Inzidenzwert möglich sein. Gerichtet hat sie die Petition an den Bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Kein Unterrichtsstoff bei der Notbetreuung

„Schüler, Eltern und Lehrer sind am Ende ihrer Kräfte. Für mich als alleinerziehende Mama eines Erstklässlers bricht eine Welt zusammen“, sagt die 35-Jährige, an der die vergangenen Wochen nicht spurlos vorbeigegangen seien. „Ich arbeite im Vollerwerb, derzeit im Homeoffice, habe mich aber gleichzeitig auch um meinen Sohn zu kümmern. Das zehrt.“

Projekte reduziert, aber die Belastung bleibt

Die Marketing- und Kommunikationsberaterin könne ihrem Siebenjährigen zu Hause nicht die 100-prozentige Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen, wenn sie gleichzeitig wichtige betreuen muss. „Ich habe bereits von 38 auf 30 Stunden reduziert, was auch mit finanziellen Einbußen einhergeht“, sagt sie. Die Belastung aber sei weiterhin hoch.

Kinder sind das höchste Gut!

Nina Pollack

Natürlich könne sie die Notbetreuung in der Heldensteiner Grundschule in Anspruch nehmen. „Die bringt meinem Sohn aber nichts, weil Schüler mehrerer Klassen zusammengefasst sind und kein Unterrichtsstoff vermittelt wird.“ Gerade bei einem Erstklässler sei dies doch wichtig, sagt die 35-Jährige.

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Wenn die Heldensteinerin für eine Schulöffnung plädiert, hat sie auch das Kindeswohl im Blick, sagt sie. „Als die Kinder erfahren haben, dass sie ab Dienstag nicht mehr in die Schule dürfen, gab es auch Tränen.“ Den Kindern gingen zunehmend Motivation und Perspektive verloren, „ganz zu schweigen von sozialen Kontakten“.

Corona hat negative Ausirkungen auf die psychische Gesundheit der Kinder

Laut den Ergebnissen der COPSY-Studie, in der Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht haben, stieg das Risiko für psychische Auffälligkeiten von rund 18 Prozent vor Corona auf 31 Prozent während der Krise.

Das berichtet das Ärzteblatt. Kinder und Jugendliche zeigten demnach häufiger Hyperaktivität, emotionale Probleme und Verhaltensauffälligkeiten.

Auch psychosomatische Beschwerden tauchen vermehrt auf

Auch psychosomatische Beschwerden traten der Studie zufolge vermehrt auf. Vor allem Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss oder einen Migrationshintergrund haben, erlebten die coronabedingten Veränderungen als schwierig, so die Wissenschaftler.

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Was Pollack der Politik besonders ankreidet: Dass die Öffnung von Schulen, Kitas und Kindergärten an einen Inzidenzwert gekoppelt ist, während dieser in anderen Bereichen – bei Frisören, Baumärkten und Blumenläden – offenbar keine Rolle spielt. „Kinder sind das höchste Gut, die Zukunft unseres Landes und sollten an erster Stelle stehen.“

Pollack befürchtet allgemeinen Bildungsrückstand

Und sie nimmt Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Wort, die mehrfach betont habe, dass Schulen, Kitas und Kindergärten als erstes geöffnet werden. „Nun sind sie die ersten, die aufgrund eines Inzidenzwerts wieder geschlossen werden“, kritisiert sie.

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Die Form des Distanzunterrichts könne einen Präsenzunterricht in keiner Weise ersetzen. Der Bildungsrückstand in bildungsarmen Familien sei nicht mehr aufholbar, befürchtet Pollack. Sie ist sich sicher: Die psychologischen Folgen der Pandemie werden bei Kindern immer deutlicher, „und jede weitere Schulschließung verstärkt dies“.

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Dem Schulamt sind die Probleme bekannt

Äußerungen und Sorgen wie diese – das alles ist Schulamtsdirektor Hans Wax nicht neu. Aber auch ihm seien die Hände gebunden. Die aktuellen Inzidenzen inklusive diffusem Infektionsgeschehen würden zeigen, dass der Landkreis keine Insel der Glückseligen sei.

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Kommunen hätten zwar mit Hygienemaßnahmen alles Erdenkliche getan, damit auch weiterhin Präsenzunterricht stattfinden kann. Landrat Max Heimerl habe Schnelltests ins Spiel gebracht, um zumindest den Wechselunterricht weiterhin zu gewährleisten. Aber alles hänge an der Inzidenz. „Und die ist gerade sehr hoch. Das lässt sich nicht wegdiskutieren.“

Schulamtsleiter Wax appelliert an Vernunft

Stattdessen appelliert Wax an die Vernunft aller: „Jeder Einzelne ist gefordert, durch sein Verhalten seinen Teil dazu beizutragen, dass diese Zahl signifikant nach unten geht.“ Er wisse sehr wohl, dass Eltern, Lehrer und Schüler an der Belastungsgrenze stehen. Geduld sei das Gebot der Stunde, um danach einen langfristigen Schulbetrieb im Präsenzunterricht nicht zu gefährden.

Diese Geduld scheint vielerorts aufgebraucht. Am vierten Tag seit die Petition online steht, hatten bereits über 1100 Menschen Nina Pollacks Forderungen unterschrieben.

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